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Acushnet: Dank Börsengang Aufstieg zur Nummer 1?

Die Acushnet Holding -Mutterkonzern von Titleist und Footjoy, wagt den Schritt an die Börse und sendet ein starkes Signal an den gebeutelten Equipment-Markt.

Der amerikanische Equipment-Riese Acushnet, zu dem die Marken Titleist und Footjoy gehören, will an der New Yorker Börse durchstarten. (Foto: Getty/acushnetcompany.com)
Der amerikanische Equipment-Riese Acushnet, zu dem die Marken Titleist und Footjoy gehören, will an der New Yorker Börse durchstarten. (Foto: Getty/acushnetcompany.com)

Als Dustin Johnson Mitte Juni die US Open gewann, stand die Golfwelt Kopf und alles konzentrierte sich ausschließlich auf seinen Sieg und die Regelfdiskussion während der Finalrunde. In diesem Trubel ging eine nicht minder wichtige Meldung am Tag nach Johnsons erstem Majortriumph fast unter. Am 20. Juni 2016 wurde nämlich erstmals bekannt, dass Acushnet seinen Börsengang in Amerika plant. Die Equipment-Giganten aus Massachusetts hatten sich an diesem Tag mit den zuständigen Behörden getroffen und alle wichtigen sowie notwendigen Grundsätze durchgesprochen.

Jetzt, vier Monate später, ist es soweit. Acushnets Top-Marken Titleist und Footjoy samt einiger weiterer kleiner Marken werden unter dem Namen "GOLF" an der New Yorker Wall Street ihr Debüt feiern und den sogenannten "IPO" (initial public offering) vollziehen. Was bedeutet dies genau, welchen Einfluss wird dieser Schritt auf die Acushnet Marken haben und wie beeinflusst er den Equipment-Markt insgesamt?

Die Zahlen hinter Acushnets Börsengang

Fünf starke Marken vereint Acushnet unter seinem Dach. (Foto: acushnetcompany.com)

Fünf starke Marken vereint Acushnet unter seinem Dach. (Foto: acushnetcompany.com)

Wenn der Börsengang vollzogen wird und Acushnet unter dem Namen "GOLF" an der New Yorker Börse platziert ist, wird sich der Marktwert auf geschätzte 1,7 Mrd. US-Dollar belaufen, wie der "Boston Globe" erfahren haben will. Dies entspricht einer um eine halbe Milliarde Dollar höheren Bewertung als noch 2011. Es war das Jahr in dem Acushnet für 1,23 Mrd. Dollar an die Fila Korea Ltd. verkauft wurde. Erste Spekulationen waren sogar von einem möglichen Marktwert von zwei Millarden Dollar ausgegangen, was allerdings aufgrund der Performance der Acushnet-Marken im letzten Jahr (2015) gedrosselt wurde.

Nach Angaben des Mutterkonzerns büßten die Unternehmen zwar zwei Prozent Umsatz ein (1 Mio. Dollar), erwirtschafteten in 2015 dennoch 1,5 Mrd. Dollar. Die Bewertung dürfte darüberhinaus auch aufgrund der aktuell angespannten Gesamtsituation am Markt niedriger ausfallen. Der Equipment-Markt wurde in diesem Jahr bereits von einigen Hiobsbotschaften erschüttert und gilt als äußerst anfällig. Der Adidas AG CEO Herbert Hainer hatte schon im August den Verkauf von TaylorMade angekündigt und auch Nike gab Mitte September die Einstellung der Schlägerproduktion bekannt.

Ein gutes Zeichen für den Equipment-Markt

Acushnets Schlägermarke Titleist stattet einiger der besten Spieler der Welt aus. Hier zu sehen ist der PGA Championship Sieger 2016, Jimmy Walker. (Foto: Getty)

Acushnets Schlägermarke Titleist stattet einiger der besten Spieler der Welt aus. Hier zu sehen ist der PGA Championship Sieger 2016, Jimmy Walker. (Foto: Getty)



Nach diesen düsteren Meldungen erscheint der Börsengang von Acushnet wie ein Lichtblick. Es ist überhaupt die vermeintlich erste positive Equipment-Meldung in diesem Jahr und sollte den restlichen Akteuren auf dem Markt neuen Mut verleihen. Darüber hinaus könnte Acushnet als Vorreiter agieren und den Weg an die Börse für weitere Hersteller ebnen. Potenzial ist jedenfalls laut des von der Golf Datatech LLC erstellten World Golf Reports 2015 da.

Hiernach ist die Golf-Equipment-Industrie ein 8,7 Mrd. Dollar Geschäft, das 41 % in den USA ausmacht und auf den Plätzen Japan (24 %) und Südkorea (7,1 %) folgen lässt. Auch wenn die Zeiten des Golfsports weltweit rauer werden und sich immer weniger junge Leute mit dem Sport identifizieren, bleibt der Handel mit Schlägern, Bällen und Schuhen ein attraktives und ertragreiches Geschäft.

Darüber hinaus ist der geplante Börsengang ein positives Signal für den die amerikanische Wirtschaft, die in diesem Jahr einen neuen Negativrekord an IPOs verzeichnete. Mit Acushnet wagt erst das 85. Unternehmen diesen Schritt an die Wall Street. Im vergangenen Jahr waren es noch 170 Unternehmen, in 2014 sogar 275. Damit wird die Brisanz und Wagnisbreitschaft noch deutlicher und die Experten werden gespannt sein, wie sich Acushnet schlägt.

Was bleibt für Acushnet?

Titleist und Footjoy sind die erfolgreichsten Marken von Acushnet und könnten durch den Börsengang zur Nummer 1 auf dem Equipment-Weltmarkt werden. (Foto: acushnetcompany.com)

Titleist und Footjoy sind die erfolgreichsten Marken von Acushnet und könnten durch den Börsengang zur Nummer 1 auf dem Equipment-Weltmarkt werden. (Foto: acushnetcompany.com)



Ein Börsengang geht immer mit der Ausgabe von Unternehmensanteilen einher und soll Gelder freimachen, mit denen das Unternehmen normalerweise neue Investitionen tätigen kann. Dies wird bei Acushnet wohl nicht der Fall sein, wenn in dieser Woche knapp 19,3 Mio. Anteile ausgeschüttet und zum Handel angeboten werden. Bei einem geschätzten Preis von 21 bis 24 Dollar pro Aktie wartet ein Erlös von circa 435 Mio. Dollar, der jedoch nicht direkt ins Unternehmen fließen wird.

Nach Informationen des amerikanischen "Fortune Magazins" werden die Erlöse ausschließlich an Investoren vergangener Jahre gehen, die damit ihr Investment "zurückerstattet" bekommen. Dies mag zunächst negativ für Acushnet klingen, ist in der weiteren Betrachtung allerdings mit positiven Effekten verbunden. Mit der Tilgung von Darlehen könnte Acushnet nach dem Börsengang unabhängiger agieren. Dies erlaubt dem amerikanischen Unternehmen einen größeren Handlungsspielraum und könnte die Marken Titleist und Footjoy zu den größten unabhängigen Golf-Marken der Welt machen.

Es bleibt jedoch abzuwarten, wie sich der angestrebte Schritt tatsächlich gestaltet und welche Entwicklungen nach dem Börsengang zu beobachten sind. Wir werden Acushnet und seine Marken auf jeden Fall im Auge behalten.

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