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Augusta National und „Ike“ Eisenhower: Mit Brause-Power ins Weiße Haus

Der Masters-Club, sein politischer Einfluss und die lukrative Symbiose mit Coca-Cola – eine moderne Story aus den 1950er Jahren.

Dwight D. Eisenhower war als Präsident der USA ein Förderer des Augusta National GC (Foto: Getty)
Dwight D. Eisenhower war als Präsident der USA ein Förderer des Augusta National GC (Foto: Getty)

Klüngel. Der Duden definiert das als „Gruppe von Personen, die sich gegenseitig Vorteile verschaffen“. Salopp gesagt: Man kennt sich, man hilft sich. Also, es waren einmal ein Golfclub, eine mächtige Firma und ein Aspirant auf das Amt des US-Präsidenten... Nein, das wird keine Geschichte über den politischen Werdegang von Donald Trump, wenngleich die Story moderner kaum sein könnte.

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Wir sind vielmehr in den 1950er Jahren, und die Protagonisten heißen Clifford Roberts, Mitgründer und Chairman des Augusta National Golf Club; Robert Winship Woodruff, Chef von Coca-Cola und frühes Augusta-Mitglied; vor allem aber Dwight David Eisenhower, genannt „Ike“, amerikanischer Volksheld und leidenschaftlicher Golfer. Die Langfassung zu Eisenhower liest sich so: Absolvent der Elite-Militärakademie Westpoint, Army-General, Oberkommandierender der Alliierten im Zweiten Weltkrieg, Militärgouverneur der amerikanischen Besatzungszone, Generalstabschef der US-Armee, Präsident der Columbia-Universität, Oberkommandierender der NATO-Streitkräfte in Europa, schließlich 34. Präsidenten der Vereinigen Staaten – von Augusta Nationals Gnaden.

Beliebteste öffentlich Person in den USA

Dass der ebenso exklusive wie erzkonservative Club in Georgia mehr ist als nur eine geschlossene Gesellschaft golfender Gesinnungsgenossen, dürfte hinlänglich bekannt sein. Nie zuvor indes äußerte sich der politische Einfluss und die lobbyistische Wirkweise von Augusta National so offensichtlich wie im Fall von Sportsfreund Eisenhower, den Cliff Roberts und Konsorten mit Brause-Power ins Oval Office bugsierten.

Die Ursachen waren dabei nicht allein opportunistischer Natur. „Ikes“ Präsidentschaft basierte auf einer Mischung aus persönlicher Bewunderung, Vereinsmeierei und politischem Kalkül, gepaart mit Verdruss über den demokratischen Amtsinhaber Harry S. Truman und seine liberale Haltung. Dabei war Eisenhower ein völlig unpolitischer Mensch, erst die Seilschaft um Roberts und Woodruff hängte ihm das republikanische Mäntelchen um. Für die Amerikaner war er der Bezwinger Hitlers, ohnehin ein Offizier und Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle, galt 1950 als beliebteste öffentliche Person in den USA.


Millionen für die Bewerbungskampagne

„Einige von uns wollen ihn als Präsidenten sehen“, bekannte Coca-Cola-Boss Woodruff damals in einem Interview. „Also haben wir ihn fürs internationale Flair zur Nato nach Übersee geschickt und dann zum Präsidenten der Columbia-Universität gemacht, damit die intellektuellen ,Eierköpfe‘ ihn ebenfalls mögen.“ Lediglich die Frage, ob „Ike“ als Republikaner oder als Demokrat ins Rennen gehe, habe man noch nicht entschieden.



Kleinere Störfeuer während der Bewerbung löschte die „Grünjacken-Gang“ mit Augustas Gewicht und dem Nimbus des Masters im Rücken. Beispielsweise im Fall jenes Delegierten aus Virginia, der zum Rivalen Robert Taft tendierte und so lange mit Telegrammen bombardiert wurde, bis er sich auf den richtigen Kandidaten besann. Die Clique hielt Eisenhower in dieser Zeit nicht nur frei, sie brachte überdies das nötige Geld in siebenstelliger Höhe zur Finanzierung der Kampagne auf, großteils aus eigenen Mitteln. Selbst Bobby Jones, ruhmreiche Golf-Ikone, Grand-Slam-Recke und mit Architekt Dr. Alister Mackenzie Schöpfer von Augusta National, wurde als Eisenhower-Befürworter eingespannt.

Augusta-Chairman Roberts als Mädchen für alles

„Wer hat schon die Gelegenheit, einem Clubkameraden zur Präsidentschaft zu verhelfen!“, schreibt Clifford Roberts in seiner Quasi-Biografie „The Story of the Augusta National Golf Club“. Dabei war der Finanzmakler und Strippenzieher aus der New Yorker Wall Street weitaus mehr als nur Eisenhowers Wahlkampfhelfer. Er fungierte 21 Jahre lang Freund und Berater, ging im Weißen Haus ein und aus, kümmerte sich um „Ikes“ Geldangelegenheiten, hielt dem große Mann in Augusta die Fairways frei und die Presse vom Hals, sorgte für jedwede Ungestörtheit und begegnete möglichen unliebsame Schlagzeilen durchaus mal mit dem verlockenden „Maulkorb“ einer Mitgliedschaft. So despotisch Roberts zuweilen den Club führte, so fürsorglich umsorgte er „Ike“ und Gattin Mamie bei ihren Aufenthalten in Georgia.

Vor fast genau 70 Jahren, am 13. April 1948, betrat Eisenhower erstmals den „heiligen“ Masters-Rasen. Der große Mann war auf der Suche nach einem Urlaubsziel – und blieb elf Tage. Im Oktober 1948 trugen der Chairman sowie Club-Präsident Bobby Jones dem geschätzten Gast die ersehnte Vereinsaufnahme an.




Fade mit Tendenz zum Slice, lausiges Putten

Für Eisenhower wurde Augusta National zum Refugium, hier war er bloß „Ike“, spielte tagsüber Golf und abends Bridge. Er feilte mit Pro Ed Dudley am Schwung, malte in Öl und führte sogar die präsidiale Amtsgeschäfte von einem kleine Büro aus, das Roberts ihm über dem Pro-Shop eingerichtet hatte. 1949 bereits bekam er einen Angelteich mit Barschen und Brassen, der als „Ike‘s Pond“ heute zum Par-3-Kurs gehört; 1953 spendierten 50 Mitglieder ihm eine eigene Lodge, „Ike‘s Cabin“. Nur der „Eisenhower Tree“ hat die Jahre nicht überdauert. Die mächtige Kiefer auf dem 17. Fairway, die den präsidialen Bällen ständig im Weg stand, wurde 2014 bei einem Eissturm schwer beschädigt und musste gefällt werden.

Eisenhower war ein spätberufener Golfer, spielte erst  in seinen 40er Jahren regelmäßig. Wie 90 Prozent aller Golfer hatte er eine natürliche Tendenz nach rechts, bedingt durch eine Knieverletzung aus den Football-Aktivitäten in Westpoint wuchs sich der Fade gelegentlich zu einem gehörigen Slice aus. Zudem war „Ike“ ein miserabler Putter. Vielleicht ließ er deshalb das Puttinggrün auf dem Südrasen des Weißen Hauses einrichten. Dennoch hielt er von Augustas vorderen Abschlägen ein 18er Handikap und knackte sogar vier Mal die magische 80.

Idealer Botschafter für das Getränk aus Atlanta

Insgesamt 45 Trips unternahm Eisenhower nach Augusta, allein 29 während seiner achtjährigen Amtszeit, spielte dort 221 seiner rund 800 Runden als Präsident. Meist waren es vieltägige Visiten, und bis auf eine Ausnahme war Clifford Roberts stets als Gesellschafter und Impresario zugegen. Bei alldem forderten die Gentlemen in Grün zu keiner Zeit Gegenleistungen oder Vergünstigungen von ihrem prominenten Golfkumpel. „Es gab niemals Versuche, von unserer Verbindung zu profitieren“, schrieb Eisenhower viel später.





Dennoch fuhr die Club-Korona nicht schlecht mit dem General und späteren „First Golfer“. Eisenhower war der beste Botschafter, den sich Coca-Cola wünschen konnte. Schon während des Kriegs protegierte der Texaner das Getränk aus Atlanta als Symbol des amerikanischen Lebensstils, überreichte bei der Dreimächtekonferenz 1945 in Potsdam dem russischen Marschall Schukow gar ein Sechserpack als Gastgeschenk. Später besuchte „Ike“ auf seinen Reisen gern lokale Abfüllanlagen oder ließ sich im Weißen Haus werbewirksam beim Genuss der Brause durch einen Strohhalm fotografieren.

„Joroberts“ als Lizenz zum Gelddrucken

Für Clifford Roberts und Bobby Jones war die Verbindung mit Woodruff und Coca-Cola gleichsam sehr einträglich. Jones besaß schon 1939 eine Abfüllanlage in Massachusetts; er und Roberts gründeten außerdem nach dem Zweiten Weltkrieg die Firma „Joroberts“, die weltweit Coca-Cola-Werke betrieb. Das kam einer Lizenz zum Gelddrucken gleich. Fast alle 30 Teilhaber waren selbstredend Mitglieder von Augusta National, darunter auch „Ike“ und dessen Sohn John.

Dwight D. Eisenhower starb am 28. März 1969 an Herzversagen. Beim Trauer-Festakt in der „Washington National Cathedral“ saß seine „Gang“ direkt hinter der Witwe.

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