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Rolex Series: Mehr Geld für Paris, weniger Stars in Deutschland?

Im Juni und Juli 2017 gibt es große Titel und viel Geld. Wer will da zwischen Majors, WGC's und der Rolex Series noch nach München oder Hamburg?

Keith Pelley (l) mit Vertretern des neuen Titelsponsors der Open de France HNA. (Foto: Getty)
Keith Pelley (l) mit Vertretern des neuen Titelsponsors der Open de France HNA. (Foto: Getty)

Mit der Open de France bekommt die erst vor zwei Monaten gegründete Rolex Series weiteren Zuwachs. Die offene nationale Meisterschaft Frankreichs wird als achtes Turnier in die Riege aufgenommen. Verbindlich für alle Turniere der Serie ist ein Gesamtpreisgeld von mindestens sieben Millionen US-Dollar.

Möglich gemacht wird die beinahe Verdopplung des bisherigen Gesamtpreisgeldes (3,5 Millionen Euro) bei der Open de France durch einen neuen Titelsponsor. Keith Pelley, Chef der European Tour, lobte die HNA Group, ein Unternehmen mit Fokus auf Tourismus, Logistik und Finanzservices, für ihr Engagement, "nicht nur auf die Open de France bezogen, sondern auf die European Tour im Allgemeinen." Der Sponsorenvertrag wurde zunächst über fünf Jahre geschlossen. Laut Pressemeldung der Tour ist es das erste Mal, dass ein "globales Unternehmen mit Sitz in China außerhalb des Landes ein Turnier" der europäischen Tour sponsert.

Ein "Meilenstein" für Paris - Und der Rest?

Was für das Turnier im Le Golf National bei Paris, auch Austragungsort des Ryder Cup 2018, und Golf in Frankreich ein "Meilenstein" ist, wie Pelley frohlockte, könnte für andere Events zum Problem werden. Denn mit Blick auf den Turnierkalender fällt auf, dass in den drei Wochen vor der 145. Open Championship mit der Open de France, der Irish Open und der Scottish Open gleich drei Turniere der hochdotierten Rolex Series stattfinden. Erfahrungsgemäß spielen die Topstars selten vier Wochen am Stück, erst recht nicht, wenn in der vierten Woche die Open ansteht.


Doch eben jene Stars sollten durch die Einführung der Rolex Series wieder für die heimische Tour begeistert werden. Nun wird man abwarten müssen, ob sich Spieler wie Rory McIlroy, Henrik Stenson oder Justin Rose durch Pelleys Reformprogramm überzeugen lassen. In Vorbereitung auf den Links-Kurs der Open im Royal Birkdale wären Starts in Irland und Schottland wohl die wahrscheinlichere Variante.



Wo finden die deutschen Turniere ihren Platz

Die besagte Konstellation könnte noch weitgreifendere Auswirkungen haben. Denn unmittelbar vor den drei Rolex-Turnieren und direkt nach der British Open finden mit der BMW International Open sowie der Porsche European Open zwei Events in Deutschland statt. Letzteres wird sich nach vier Wochen, in denen es insgesamt rund 31 Millionen US-Dollar zu verdienen geben wird, mit einem Preisgeldpool von zwei Millionen Euro behaupten müssen. Auch wenn beispielsweise der dreimalige Majorsieger Padraig Harrington die Euopean Open als einen "der Top-Titel auf der Tour" bezeichnet und die Organisation 2016 in Bad Griesbach absolute Spitze war.

Mit Dominik Senn, der Turnierdirektor der European Open und Inhaber einer Spielerberater-Agentur ist, dürfte man jedoch auf der sicheren Seite sein, was die Verpflichtung von namhaften Spielern angeht - zumindest die aus Senns Agentur.

Zwar hat man bei der BMW International Open in München-Eichenried und Köln seit Jahren Erfahrung mit dem Termin in der Woche nach der US Open, doch waren die folgenden Turniere nicht mit dem dreifachen Preisgeld ausgestattet. 2016 kamen unter anderem Henrik Stenson und Masters-Sieger Danny Willett in den Lärchenhof. 2017 werden sie es sich wohl besonders gut überlegen und hoffentlich trotzdem kommen.



Mehr Geld für mehr Weltranglistenpunkte

Während vorallem die großen Namen kleinere Preisgelder auch mal durch Antrittsgagen ausgeglichen bekommen, ist ein weiterer Punkt nicht mit Barem aufzuwiegen. Wollen sich die Europäer in der Weltrangliste nicht abhängen lassen, müssen sie zwangsläufig jene Turniere spielen, die gut besetzt sind. Denn die Stärke des Feldes beeinflusst die Zahl der zu verteilenden Weltranglistenpunkte erheblich - viele Topspieler im Feld gleich viele Weltranglistenpunkte.

Im Durchschnitt gibt es bei einem um Majors und WGC-Events bereinigten Turnier auf der European Tour 32,9 Punkte für den Sieger, auf der PGA Tour sind es 50,6. Auch wenn das "Official World Golf Ranking" nicht jedem Fan wichtig ist, die 50 Besten sind sicher bei drei der vier Majors dabei. Es liegt also im Interesse aller, wenn sich die Besten messen.

Pelleys Plan, mit der Rolex Series mehr Geld auf die European Tour zu bringen, ist simpel, wird aber funktionieren. Nur so werden viele Topspieler auf dem heimischen Kontinent spielen und nur dann werden sie auch in der Weltrangliste dranbleiben. Die BMW International Open und die Porsche European Open werden ihren Platz zwischen Majorehren und dicken Schecks finden müssen.
Neben jenen Dingen, die in der Verantwortung der Tour- und Turnierorganisatoren liegen, haben es aber auch die Fans, Clubs und Städte in der Hand, bei kleineren Turnieren eine Atmosphäre zu schaffen, die unbezahlbar ist. Es steht uns in vielerlei Hinsicht ein spannender Sommer bevor.


Die Turniere der Rolex Series im Überblick

Turnier Termin Preisgeld (bisheriges Preisgeld)
BMW PGA Championship 25.05.-28.05.2017 7 Millionen US-Dollar (5 Mio. Euro)
Open de France 29.06.-02.07.2017 7 Millionen US-Dollar (3,5 Mio. Euro)
Irish Open 06.07.-09.07.2017 7 Millionen US-Dollar (4 Mio. Euro)
Scottish Open 13.07.-16.07.2017 7 Millionen US-Dollar (3,25 Mio Pfund)
Italian Open 12.10.-15.10.2017 7 Millionen Euro (3 Mio. Euro)
Turkish Airlines Open 02.11.-05.11.2017 7 Millionen US-Dollar (7 Mio. US Dollar)
Nedbank Golf Challenge 09.11.-12.11.2017 7 Millionen US-Dollar (7 Mio. US Dollar)
DP World Tour Championship 16.11.-19.11.2017 8 Millionen US-Dollar (8 Mio. US Dollar)

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