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Golf und Yoga: „Das ist nicht das, was Sie sich vorstellen“

Verknotete Beine und Räucherstäbchen waren gestern. Heute passen Golf und Yoga maßgeschneidert zusammen. Probieren Sie es mit diesen Übungen selbst!

Golf und Yoga lassen sich durch wenige Modifikationen auf einander abstimmen. (Foto: Getty)
Golf und Yoga lassen sich durch wenige Modifikationen auf einander abstimmen. (Foto: Getty)

Was haben Yoga und Golf gemein? Es mag überraschen, aber es ist eine ganze Menge - beides verlangt und fördert körperliche Stabilität, Beweglichkeit und Balance, Konzentration und mentale Stärke. Darum geht es hier auch nicht um Räucherstäbchen und Mantras, nicht um verknotete Beine und Kopfstände. Yoga heutzutage ist vielschichtig, wandlungsfähig und flexibel. Und außerdem: für jeden ausführbar (dazu später mehr).

Wer sich einmal ernsthaft umschaut wird feststellen, dass Yoga mittlerweile sportwissenschaftlich basiert angeboten wird und etliche Leistungssportler (z.B. auch Tiger Woods, Mario Götze, Dirk Nowitzki) gern darauf zurückgreifen. So ist das auch im Yoga-Studio von Svenja Wilke. Neben "normalen" Yoga-Schülern betreut die 36-Jährige mit ihren Kolleginnen und Kollegen auch Leistungssportler und Vereine, darunter natürlich auch Golfer. "Yoga für Golfer ist nicht das, was Sie sich unter Umständen vorstellen. Mein Lehrer Dr. Ronald Steiner", erklärt Wilke, "ist Sportmediziner, und hat früher die Rudernationalmannschaft betreut. Bei seiner Art von Yoga legt er viel Wert darauf, dass die Tradition des Ashtanga (Ashtanga ist eine der vielen Traditionen des Yoga; Anm. d. Red.) mit den Erkenntnissen der Medizin und der Bewegungslehre verbunden werden."

Svenja Wilke: "Yoga ist nicht in Stein gemeißelt"

Svenja Wilke passt die traditionellen Übungen adressatengerecht an. (Foto: Yogability)

Svenja Wilke passt die traditionellen Übungen adressatengerecht an. (Foto: Yogability)

Yoga sei ein sehr wandlungsfähiges Bewegungskonzept, verdeutlicht Wilke: "Yoga ist nicht in Stein gemeißelt, er lebt. Die Yogis probieren viel aus, das haben sie seit jeher gemacht. Wenn etwas funktioniert, bleiben wir dabei, wenn nicht, weg damit. So ist das aus Erfahrung gewachsen." Deshalb ist es auch gar kein Problem, Yoga speziell für Golfer zu entwickeln.

Davon ist auch Steffen Bents, Headpro im Golfclub Gut Berge, begeistert. Er trainiert etliche Mannschaften und einzelne Spieler zwischen 5 und 78 Jahren und ist von Yoga für Golfer mittlerweile überzeugt: "Auch ich hatte Vorurteile", gibt er offen zu, "doch für mich ist wichtig, etwas zu finden, womit jeder seine körperliche Konstitution verbessert. Gewisse Yogaübungen bedienen genau das, was wir brauchen, um eine richtige Golftechnik auszuführen." Damit spielt Bents vor allem auf die vielen Positionen an, die die Beweglichkeit durch Rotation verbessern.




Mit Yoga können Sie sich selbst und ihrem Pro helfen

Doch Yoga kann Golfern noch viel mehr bieten, weiß das Vorstandsmitglied der PGA in Nordrhein-Westfalen: "Ein Teil geht in die körperliche Konstitution, das heißt Flexibilität und Kräftigung, mit denen Vorrausetzungen für die Technik des Golf geschaffen werden. Gerade die Verbindung aus Hüfte und Schultern macht die Explosivität eines Golfschlages aus. Das heißt also, wenn wir es hinbekommen, dass die Spieler besser vorbereitet in die Golfstunde gehen, fällt mir mein Techniktraining leichter." Anders gesagt: Mit Yoga nehmen Sie Ihrem Pro eine Menge Arbeit ab, verhelfen sich aber vor allem selbst zu mehr Möglichkeiten im Schwung.

Yogalehrerin Wilke weist zudem darauf hin, dass der sportliche Aspekt der Philosophie absolut individualisierbar sei: "'Jeder der atmet, kann Yoga machen', sagt mein Lehrer immer. Wenn Schüler zu mir kommen, die Handgelenksschmerzen haben, maßschneidere ich ihnen Übungen, bei denen sie sich nicht abstützen müssen. Wir arbeiten sehr viel mit Modifikationen, damit jeder gesundheitsbewusst üben kann. Wenn in unserem Studio Gruppen üben, sieht das äußerlich sehr unterschiedlich aus, obwohl alle dasselbe machen. So setzen wir auch beim Golfyoga Modifikationen ein, die zielgerichtet sind." Jede Position sei adressatengerecht veränderbar, zum Beispiel durch die Anpassung der Bewegungsamplitude.


Dem pflichtet auch Bents bei, denn beim Yoga sei die Intensität sehr gut zu steuern und das Workout damit für alle Altersklassen "gut umzusetzen. Wenn wir zum Beispiel die Rotationsübung im Vierfüßlerstand nehmen (siehe Fotostrecke), ist es eine Möglichkeit, sie mit 20 Grad Drehung zu machen, oder, wie Svenja das hinbekommt, sich einmal um die eigene Achse zu drehen und noch ein gutes Gesicht dabei zu machen", schmunzelt der 30-Jährige anerkennend.

Golf und Yoga sind "bewegte Meditationen"

Ein weiterer Aspekt des Yoga, den Golfer zu ihrem Vorteil nutzen können, soll nicht unerwähnt bleiben, denn ursprünglich dienen alle körperlichen Übungen nur dem Ziel, "zum inneren Wesenskern zurückzufinden oder wie viele sagen, 'Erleuchtung zu erfahren'", erklärt Wilke. "Wie oft ist der Geist irgendwo anders unterwegs? Aber auch der Erfolg beim Golfspiel hängt davon ab, was zwischen den Ohren passiert. Auch auf die mentale Komponente zielt Yoga für Golfer natürlich ab." Vor allem in akuten Situationen könnten Atemtechniken der indischen Lehre helfen, entflohene Gedanken wieder einzufangen und die Konzentration gezielt zu lenken.



"Ich mache eine bewegte Meditation", sagt Wilke über Yoga "und ich habe das Gefühl, wenn es auf dem Platz rund läuft, ist das auch eine bewegte Meditation."

Golflehrer Bents stimmt zu, ist aber nicht nur von den Einzelteilen der Philosophie überzeugt: "Es gibt den Mentaltrainer für das Mentaltraining, den Fitnesstrainer für die Fitness, den Techniktrainer für die Technik. Yoga schafft es, die Bereiche miteinander zu verbinden. Du bist nie so extrem im mentalen Bereich wie der Mentaltrainer, du bist wahrscheinlich auch nicht so im Fitness- und Ausdauertraining wie es der Fitnesstrainer ist. Du findest aber im Yoga eine Möglichkeit, alles miteinander zu verbinden. Und das macht es auch für den "normalen" Golfer so interessant."

Die Golf und Yoga Experten

(Foto: Yogability)

(Foto: Yogability)

Svenja Wilke ist Yogalehrerin AYI® Expert, BDY/EYU und leitet die Yogaschule bei Yogability. Als langjährige Schülerin von Dr. Ronald Steiner (Sportmediziner und Begründer von Ashtanga Yoga Innovation AYI®) verbindet Sie traditionellen Techniken des Yoga mit Erkenntnissen aus Medizin, Bewegungslehre und Forschung. Svenja bietet einen modernen Yoga an, der auf den jeweiligen Teilnehmer zugeschnitten ist. Spirituelles Verknoten war gestern – Yoga von Heute heißt: Ankommen im Hier und Jetzt!
Ganz neu bei Yogability ist Yoga für Golfer: Ein maßgeschneidertes Yoga Programm speziell auf Golfer abgestimmt, um z.B. die lange Saisonpause optimal zu nutzen. Hier können Golfer ihr Körpergefühl, Kraft und Beweglichkeit sowie mentale Fähigkeiten verbessern, um gut vorbereitet in die neue Saison zu starten. Perfekt geeignet in Ergänzung zum Techniktraining beim Golflehrer.

(Foto: Yogability)

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Steffen Bents ist Fully Qualified PGA Professional und arbeitet als Head Pro im Golfclub Gut Berge Gevelsberg/Wetter e.V. Er besitzt die höchste Gradierung der PGA (G1) und ist Vorstandsmitglied des Verbandes in Nordrhein-Westfalen. Sie erreichen Steffen Bents über seine Website www.bentsgolf.de.


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