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Sabine Koch „Das erste, was Kinder bei mir lernen, ist der Golferschritt“

Sabine Koch ist Autorin eines Ratgebers für Kindergolf. Im Interview berichtet sie, wie man Kinder bei Laune hält und was sie besser machen als Erwachsene.

Der Kindergolf Guide gibt wertvolle Tipps, wie auch die Kleinsten Spaß auf dem Platz haben (Foto: Getty / Grafik: Cover Golf Guide für Kinder)
Der Kindergolf Guide gibt wertvolle Tipps, wie auch die Kleinsten Spaß auf dem Platz haben (Foto: Getty / Grafik: Cover Golf Guide für Kinder)


Sabine Koch ist ehrenamtliche, regionale Jugendwartin des Bayrischen Golfverbandes und besitzt die B-Trainerlizenz des Deutschen Golf Verbandes. Im Allgäu spielt sie für ihren Golf Club in den Damenmannschaften der Jungsenioren und Senioren. In den letzten Jahren hat sie sich vor allem für Juniorenabschläge im Allgäu eingesetzt und damit einen weiteren Schritt zur Akzeptanz von Kindern auf deutschen Golfplätzen auf den Weg gebracht. Ebenfalls im letzten Jahr veröffentlichte Sabine Koch einen Ratgeber zum Thema Kindergolf. Golf Post sprach mit ihr über den Spaß am Spiel, das richtige Equipment für Kinder und sinnvolles Training.

Golf Post: Was hat Sie dazu bewogen, einen Ratgeber zum Thema Kindergolf zu schreiben?

Sabine Koch: Es ging mir darum, die Golfwelt für Kindergolf und dessen Förderung zu sensibilisieren. Die Akzeptanz hat sich inzwischen zum Glück geändert. Als ich vor 17 Jahren mit Golf begonnen habe, war Golf sehr reglementiert. Kleiderordnung und Etikette waren fast wichtiger als der Sport selbst, trotzdem war ich sofort von der Golfsucht befallen. Auch heute gibt es noch eine gewisse Etikette, die gewahrt werden muss, aber es ist nicht mehr ganz so streng. Die Zeiten der karierten Hosen sind vorbei. Golf ist sportlicher und athletischer geworden, darum wird es auch immer beliebter. Golf wird um seiner selbst willen gespielt. Als Mannschaftssportlerin stehe ich voll dahinter. Golf ist eine Leidenschaft und eine Sucht.

Golf Post: Rennen, toben und lärmen liegt in der Natur von Kindern. Wie verträgt sich das mit der Etikette auf dem Platz?



Sabine Koch: Das verträgt sich ganz gut, wenn man lenkt, wo und wann die Kinder ein wenig rumtoben können. Man sollte das nicht unbedingt direkt am ersten Abschlag zulassen. Es gibt immer abgelegenere Spielbahnen, auf denen man zum Beispiel auch einmal Speedgolf spielen kann. Wie heißt es so schön im Grundgesetz: Freiheit geht nur so weit, dass man die Freiheit des anderen nicht einschränkt. So sollte es auch auf dem Golfplatz sein. Die Kinder sollten keine Freikarte haben und auf dem Putting Green schreien und rennen, Fußstapfen und Divots hinterlassen. Die Kinder sollten lernen, dass man sich beim Abschlag des Mitspielers ruhig verhalten und Regeln aus Fairness und Respekt einhalten sollte.

Golf Post: Was ist das Wichtigste, um Kindern langfristig Spaß am Golfsport zu vermitteln?

Sabine Koch: Das Wichtigste ist, dass sie den Golfsport mit Leidenschaft ausüben. Sie sollten den Spaß und das Zocken kennenlernen und Golf als einen Sport sehen, nicht als Zwang, der von den Eltern kommt. Man sollte ihnen Golf spielerisch beibringen, indem man kleine Ziele setzt, Ergebnisse lobt, ein zielorientiertes Training durchführt und immer wieder neue Anreize schafft.



"Kinder brauchen Kinderschläger, nicht die abgesägten der Eltern"

Golf Post: Sie haben nicht nur Vorschläge zum Training in Ihrem Guide, sondern auch einen Abschnitt zum Equipment und den speziellen Bedürfnissen der Kinder.

Sabine Koch: Kinder brauchen spezielle Kinderschläger und nicht die abgesägten Schläger der Eltern. Die Kinderschläger sind leichter und auf die Größe angepasst. Deshalb sollten sie auch regelmäßig ausgetauscht werden, wenn das Kind wächst. Beim Skifahren gibt es auch spezielle Ski für Kinder und genauso wie es kleine Basketbälle gibt, gibt es auch Golfbälle für Kinder, die leichter sind, als der Standard. Dazu kommen verkürzte Plätze, damit auch Kinder Pars und Bogeys spielen können.

Golf Post: Die Nachwuchssituation im Deutschen Golf Verband ist derzeit schwierig. Ungefähr 10.000 Kinder und Jugendliche sind in den letzten zehn Jahren verlorengegangen. Wo sehen Sie die Ursachen?

Sabine Koch inmitten ihrer Schützlinge. (Foto: Sabine Koch)

Sabine Koch inmitten ihrer Schützlinge. (Foto: Sabine Koch)





Sabine Koch: Die deutschen Clubs stellen sich immer mehr auf Kinder ein. Es liegt eher daran, dass die Kinder nach der Schule keine Zeit mehr haben und überfordert sind. Es ist wichtig, die Schulen mit einzubeziehen. Aufgrund der vielen Ganztagsschulen haben die Kinder kaum noch Zeit, die nicht verplant ist. Sie brauchen Spaß, aber auch die musischen und sportlichen Aktivitäten dürfen nicht vernachlässigt werden. Dahin geht aber leider derzeit der Trend, deshalb sollte man diese Aktivitäten in die Schule mit einbinden.

"Kinder sollten ohne Druck und Stress lernen"

Golf Post: Welche Aspekte des Golfspiels haben im Training mit Kindern Vorrang?

Sabine Koch: Das zügige Spiel hat beim Platztraining mit Kindern Vorrang. Kinder sollten ohne Druck und Stress auf dem Golfplatz spielen lernen und nicht nur auf der Driving Range. Das zügige Spiel der Mitglieder und Gäste sollte man aber nicht behindern. Das erste, was die Kinder bei mir lernen, ist der Golferschritt. Wenn man zügig zum Ball geht, kann man in Ruhe seinen Schlag vorbereiten, das Ziel anvisieren, Gegebenheiten eruieren, sich den Schlag vorstellen sowie Probeschwung und Schlag durchführen. Das lernen die Kinder ganz schnell. Viele Erwachsene machen das leider falsch. Sie ziehen sich erst am Ball den Handschuh an und überlegen dann, welchen Schläger sie nehmen wollen. Diese Entscheidung muss man schon auf dem Weg zum Ball treffen.

Golf Post: Ist es für Sie wichtiger, dass zügig gespielt wird, als dass irgendein Score der Kinder aufgeschrieben wird?

Sabine Koch: Eine 18-Loch-Golfrunde sollte maximal dreieinhalb bis vier Stunden dauern, bei Kindern bieten sich eher sechs oder neun Löcher an. Wenn ein Fuchsbau oder ein anderes Abenteuer auf dem Platz wichtiger ist, reichen auch vier. Beim Training geht es nicht um den Score, sondern darum, Situationen auszuprobieren. Es kann auch sein, dass man von einer Stelle fünf Bälle schlägt, bis einer das Ziel erreicht hat und ausprobiert, ob ein hoher oder ein flacher Schlag in dieser Situation besser ist. Wenn die Kinder das durch eigenes Ausprobieren herausgefunden haben, sind sie souveräner und flexibler, wenn sie wieder in so eine Situation kommen. Dann wissen sie, wie sie welchen Schlag am besten durchführen. Kinder lernen in zwei bis drei Monaten viel mehr und viel schneller als Erwachsene. Es macht einfach nur Spaß, den Kindern bei ihren Fortschritten zuzusehen, sie an sportliches Turniergolf heranzuführen und dabei in die strahlenden Kinderaugen zu sehen.

Das Gespräch führte Tobias Hennig

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1 LESER-KOMMENTAR Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Elisabeth Luther

    Vielen Dank für die vielen nützlichen Erkenntnisse! Kinder sind eben doch viel mehr als nur kleine Erwachsene.

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