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Jordan Spieth und die „Wilde 13“: Wenn Bogey die Open rettet

Das Geschehen aus der Sicht von Caddie Greller, Kuchars kleines Happy End und eine Golfshow auf der Reeperbahn. Die Back Nine.

Jordan Spieth auf Abwegen. Im Finale der British Open brauchte er einen lauten Knall, um den Sieg zu sichern. (Foto: Getty)
Jordan Spieth auf Abwegen. Im Finale der British Open brauchte er einen lauten Knall, um den Sieg zu sichern. (Foto: Getty)

Das Drama dauerte 22 Minuten und 30 Sekunden, als Jordan Spieth auf Loch 13 so wirkte, als würde er nach dem Masters 2016 auch diese 146. Open auf tragische Weise versemmeln. Durch den „schlechtesten Abschlag, den ich je bei einem Major gesehen habe“ (TV-Kommentar Johnny Miller) landete der Ball in der „bizarrsten unspielbaren Lage, die ich je gesehen haben“ (Trainerlegende Butch Harmon), 150 Meter rechts von der Spiellinie auf der Rückseite einer Düne. Nach scheinbar endlosem Hin und Her mit den Referees nahm der Texaner einen Strafschlag, definierte seinen Drop-Punkt sehr clever zwischen den Equipment-Trucks an der Seite der Driving Range, bekam Erleichterung und zirkelte den Ball vom Übungsfeld „blind“ in Richtung 13. Grün.

„Wir hatten keine Ahnung von der Distanz“, erzählte Caddie Michael Greller hinterher, der alles penibel auf einer Scorekarte notiert hatte (siehe Foto), „unsere Schätzung lagen um gut 30 Meter auseinander.“ Spieth, der am 27. Juli 24 wird, folgte ihm und lieferte „mit Abstand das Größte an diesem Tag“, sagte Greller über das Bogey. Trotz der folgenden Birdie-Eagle-Birdie-Birdie-Serie von Loch 14 bis 17 war dieses Bogey auf der „Wilden 13“ der Schlüssel zum Sieg. Dank Greller, der seinem Chef schon vorher etliche Male den Rücken gestärkt und ihn motiviert hatte. Entsprechend intensiv bedankte sich Spieth in der Siegerrede bei seinem Caddie und ließ ihn auch umgehend den Claret Jug herzen. Einen freundschaftliche „Männer-Knuff“ gab‘s schon direkt nach Abgabe der Scorekarte:

Der Siegerschluck aus dem Claret Jug

Verwendungszweck: Der Claret Jug ist halt eine Kanne (daher auch manchmal die Claret Jug) und grundsätzlich zur Aufnahme von alkoholischen Flüssigkeiten gedacht. Phil Mickelson trank teuren Rotwein daraus, fast stilecht, Rory McIlroy füllt gern Jägermeister in seine Pokale, aber was Jordan Spieth verkostet hat, ist nicht bekannt. Kumpel Justin Thomas bekam auf die entsprechende Frage als Antwort nur: „Fantastisch!“ Also haben er und Rickie Fowler bei der Siegesfeier offenbar selbst mal im „Jug“ nachgeschaut:

Jordan Spieth celebrating accordingly 🏆 (via 👻 jlthomas34)

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Kuchar war nicht genervt, aber „es tut weh“

(Foto: Getty)

(Foto: Getty)

Familiäres Happy End: Es war nicht der Sonntag, den Matt Kuchar sich vorgestellt hatte, natürlich wäre der Bronze-Gewinner von Rio gern als Champion Golfer von Royal Birkdales 18. Grün gegangen. Aber wenigstens warteten dort Ehefrau Sybi sowie den Söhnen Cameron und Carson. „Es war eine riesige und auch tränenreiche Überraschung“, sagte Kuchar, der seine Familie eigentlich daheim in Colorado wähnte, am Samstag noch mit seinen Lieben telefoniert hatte. Der Kommentar des 39-jährigen US-Pros war denn auch das klassische Statement des „zweiten Siegers“: „Du kriegst nicht so viele Gelegenheiten, Geschichte zu schreiben. Ich war so nahe dran, nur fünf Löcher fehlten und es schmeckte schon nach Sieg. Das tut weh und erdrückt.“ Bezüglich der Situation auf Bahn 13 wollte Kuchar übrigens kein schlechtes Wort fallen lassen. Er habe mit seinem Caddie John Wood gequatscht und einfach abgewartet: „Es hat mich absolut nicht genervt. Es war eine schwierige Situation, und ich hatte Verständnis für Jordan.“

Herr Li fährt zum Masters

Unter dem Radar: Bei all dem Trubel um Champion-Golfer Jordan Spieth und seine abenteuerliche Finalrunde mit Matt Kuchar ging einer fast unter, der Chinese Haotong Li. Die abschließende 63 im Flight mit Ernie Els bescherte dem 21-Jährigen aus Shanghai nicht nur Platz drei und die beste Platzierung eines Golfers aus dem Reich der Mitte bei einem Major, sondern auch eine Einladung zum Masters 2018. Sein Kommentar: „Wow, was für ein Geschenk!“ Bislang war der junge Herr Li vor allem dafür berühmt, dass seine Mutter bei der French Open den weggeworfenen Putter aus dem Teich retten wollte...

Übereifriger Fan verpasst Abklatschen

Dumm gelaufen: Er hatte die Hand schon am Champion, als Jordan Spieth mit dem Claret Jug gestern Abend die Runde machte, doch bei diesem Fan ging das Abklatschen leider im Wortsinn daneben:

Fans: Nur der Old Course toppt Birkdale

Rekord: Mit 235.000 Zuschauern an allen Tagen war der 146. Durchgang des weltältesten Majors die bestbesuchte Open Championship außerhalb von St. Andrews. Diese Marke hielt bislang Royal Liverpool, auch in Nordengland, wo 2006 rund 230.000 Menschen die Bahnen säumten. Selbst St. Andrews und der Old Course waren mit 239.000 Besuchern in 2000 und 237.000 vor zwei Jahren nur zwei Mal besser als Royal Birkdale. Besonders erfreulich: Es wurden heuer rund 30.000 Fans unter 25 Jahren gezählt, darunter allein 15.000 im Alter von 16 Jahren oder jünger, die freien Eintritt hatten.

Lexi Thompson kontert LPGA

Perfekte Antwort: Die neuen Bekleidungsvorschriften der LPGA haben unter den Proetten naturgemäß eine Menge Reaktionen hervorgerufen. Paige Spiranac gar meldete sich bei „Fortune.com“ mit einem ellenlangen Artikel zu Wort, in dem sie nach einem ausführlichen Plädoyer für sportliche, körperbetonte Kleidung letztlich zum Schluss kommt, dass der verschärfte Dresscode den notwendigen Kulturwandel im Golf verhindere und jungen Menschen den Zugang verleide. Schlichtweg perfekt indes war der Konter von Lexi Thompson. Die weltbeste Amerikanerin veröffentlichte einfach ein Foto von ihrem Vintage-Foto-Shooting anlässlich des olympischen Golf-Comebacks 2016 und monierte den Rückfall in die Anfänge des 19. Jahrhunderts unter anderem mit dem Hashtag „#throwbackthursday“.

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Golfstars auf der Reeperbahn

Knaller: Zur Einstimmung auf die Porsche European Open (PEO) auf dem Nord Course von Green Eagle in Winsen (Luhe) findet am morgigen Dienstag in Hamburg ein ganz besonderes Event statt. Die Reeperbahn in St. Pauli wird zur Golfarena, der Spielbudenplatz zur Golfbahn: Als Zweierteams messen sich die PEO-Stars ab 21 Uhr auf einem 45 Meter langen Nachbau des 17. Lochs in verschiedenen Spielformen. Am Start sind u.a. PGA Champion Jimmy Walker und Patrick Reed, Masters-Sieger Charl Schwartzel und Dylan Frittelli für Südafrika, die Dänen Thorbjørn Olesen und Lucas Bjerregaard und Alexander Knappe (Paderborn) sowie Lokalmatador Niklas Adank aus Lüneburg für Deutschland. Der Eintritt ist frei.

Kerzenduft gegen Entzugserscheinungen

Zum Schluss: Und wem das am Wochenende noch nicht genug Golf war, mit The Open und der eigenen Runde vielleicht, dem hilft das Start-up „Männerkerzen“. Unternehmerin Annika Köster bietet gegen Entzugserscheinungen die Duftnote „Golfplatz“ an. Es gibt die „Männerkerzen“ aber z. B. auch in den olfaktorischen Varianten „Whisky“ oder „Räucherspeck“. 

(Foto: www.maennerkerzen.de)

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Michael F. Basche
Michael F. Basche - Freier Autor für Golf Post

Als Journalist, Golfbetriebsmanager und notorischer Zu-Kurz-Putter ist Michael F. Basche auf vielfache Weise dem Golf verfallen. Nach Jahren als Tageszeitungs-Sportredakteur und im PR- und Marketinggeschäft berät er heute u. a. Golfclubs in Fragen der Corporate Identity. Und widmet sich schreibend den vielfältigen Facetten des Großartigsten aller Spiele.
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