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Mark Sandmann: Krafttraining, ein unabdingbarer Bestandteil im Golfsport

Golf ist ein Sport, welcher nicht nur aus Üben auf der Range oder dem Putten bestehen sollte. Dem Krafttraining wird kaum Bedeutung beigemessen, ein fataler Fehler.

Krafttraining ist ein sehr wichtiges Element im Golfsport, wie Mark Sandamnn (li.) weiß. (Foto: Henry Ost)
Krafttraining ist ein sehr wichtiges Element im Golfsport, wie Mark Sandamnn (li.) weiß. (Foto: Henry Ost)

Wer Golf mit Leidenschaft betreibt, wird sich früher oder später auch mit den Trainingsmethoden auseinandersetzen, um seine Leistung Schritt für Schritt zu steigern. Auf der einen Seite stehen da die technischen Ansprüche: Schlagqualität, mentales Training, Körperposition und noch viele andere Einflüsse. Die Schlagweite und Schlägerkopfgeschwindigkeit findet in dem Moment tatsächlich Beachtung, wenn die Weite des Schlags nicht ausreicht. Und wer ist schon mit seiner Länge wirklich zufrieden? Häufig wird dann intensiv an der Technik und Körperposition gefeilt. Ein oder mehrere neue Accessoires, teurere Schläger und Equipment werden gekauft. Genau darauf zielt die Golfindustrie ab.

Hohe Bedeutsamkeit des Krafttrainings im Golfsport

Auf einen wirklich wichtigen Punkt jedoch, das Trainieren der eigenen Kraft, kommen nur sehr wenige Golfer. Da Golf als besonders elegant gilt, wird gern vergessen, dass es sich hierbei um einen Sport handelt, der im Leistungsbereich besonders hohe physische sowie mentale Anforderungen an die Athleten stellt. Aber warum ist Krafttraining so entscheidend für einen Golfer? Und warum wird es bewusst oder unbewusst seit ewigen Zeiten ignoriert? Selbst die Tatsache, dass die Profis sich im Kraftraum ablichten lassen und viel über ihr echtes Training verraten, scheint nicht wahrgenommen zu werden. Intelligente Trainer und Sportler haben sich längst gefragt: wie kann ich länger werden?

Dazu muss man wissen, woraus ein Golfschlag besteht und wie Muskulatur funktioniert. Die "hervorragende" Fitnessindustrie verspricht ihren ahnungslosen Kunden die schier wahnsinnigsten Wunder, welche aus wissenschaftlicher Betrachtungsweise weder Hand noch Fuß haben. Erstaunlicherweise gibt es wenig bis nahezu keine Erfolge, von dem Vergessen der Methode aufgrund von Unwirksamkeit mal ganz zu schweigen. Doch es gibt eine Trainingsform, welche bereits seit über 100 Jahren besteht und seit Anfang des Jahrhunderts wieder mehr und mehr in den Fokus zurückkehrt.

Das klassische Krafttraining mit freien Gewichten

Doch nicht nur Krafttraining ist entscheidend, sondern auch die Aspekte Gleichgewicht und Technik. Aber der Golfer kann so viel Gleichgewicht haben wie er möchte, wenn er keine Struktur hat (also funktionelle Muskulatur) welche das auch umsetzt, dann wird ihm das nicht helfen. Die Technik wird beim Golfspielen bzw. trainieren selbst verbessert und nicht in den Arealen eines Fitnesstudios. Auch, wenn viele diesen Aspekt im ersten Moment nicht direkt einsehen werden, bedarf der Schlag sehr gut koordinierter und konzentrierter Kraft. Ein Mensch, der wenig oder keine Kraft besitzt, schlägt nicht weiter als jemand, der bei gleicher Technik, mehr Kraft besitzt.



Mein Sportfreund und Trainerkollege Fabian Bünker hat in seinem Artikel ("In 8 Wochen 20m länger- ein Selbstversuch") sehr schön beschrieben, wie sehr ihm das inter- und intramuskuläre Training geholfen hat, die "PS auf die Straße zu bringen". Besitzt man Kraft, so wird vieles leichter. Gleiches Prinzip gilt bei allen anderen Sportarten.

Ist Kraft im Sport tatsächlich alles?

In einem Vortrag spricht der Professor Jürgen Weineck, einer der wohl renomiertesten Sportwissenschaftler unserer Zeit, von dem Einfluss großer Kraft auf die "muskuläre Differenzierungsfähigkeit" anhand des Beispiels Golf. Und es sollte klar werden: je mehr Kraft, desto besser. (Und nein, es gibt nicht zu viel Kraft! Und noch einmal NEIN: Viel Kraft schadet nicht!)

Er führte Tiger Woods als Beispiel auf. Tiger Woods ist dazu in der Lage, den Golfball 450 Meter weit zu schlagen. Wenn er jedoch ein Loch in nur 250 Meter als Ziel anpeilt, fällt es ihm deutlich leichter seine Kraft "zu steuern" und viel präziser zu schlagen, als sein Gegner, der beispielsweise mit Mühe und Not 270 Meter im Durchschnitt schlägt. Dieser befindet sich mit 250 Meter schon in dem Bereich, in dem die Kraft nur noch mühsam punktgenau vorhanden ist. Ein Gewichtheber, der regelmäßig 200 kg zur Hochstrecke bringt, benötigt für einen 50kg Sack weniger Mühe als ein Mensch, welcher nie Lasten hebt, und mit 50kg schon an seine Leistungsgrenze stößt. Doch nun aber zurück zu den Feinheiten und der Bedeutung von Kraft im Golfsport.



Wie definieren wir Kraft im Sport?

Kraft bezeichnet per Definition die Fähigkeit des Nerv-Muskel-Systems durch Muskelkontraktion Widerstände zu überwinden (konzentrische Arbeit), ihnen entgegenzuwirken (exzentrische Arbeit) oder sie entgegengesetzt der Schwerkraft zu halten (statische Arbeit).

Nehmen wir den Golfschlag auseinander:
Der Durchschwung ist die Hauptphase, in der die eigentliche Bewegungsaufgabe gelöst wird. Das Endglied der Gliederkette des Körpers, hierbei der Schlägerkopf, wird durch einen Kraftimpuls resultierend aus dem gesamten Körper beschleunigt (vgl. Meinel/Schnabel, 1987, zitiert nach Letzelter, 2002, S. 152).

Zur Verbesserung des eignen Spiels, trainiert Henry Ost eifrig seine Kräfte. (Foto: Henry Ost)

Zur Verbesserung des eignen Spiels, trainiert Henry Ost eifrig seine Kräfte. (Foto: Henry Ost)

Der Golfschwung lässt sich in vier Phasen unterteilen: Erstens, die Startstellung und Vorbereitung. Zweitens, der Rückschwung. Drittens, der Abschwung bis zum Treffmoment und zu guter Letzt der finale Durchschwung.





Hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Maximale Kraft auf den Punkt genau zu leisten um den Impact möglichst effektiv, also kraftvoll, zu gestalten. Wer noch immer glaubt, Kraft habe im Golf, respektive im Golfschwung nichts zu bewirken, der sollte sich kurz überlegen: Wenn eine dynamische Bewegung nichts mit Kraft zu tun hat, wieso bewegt sich der Schläger überhaupt? Richtig, weil wir Kraft brauchen, um ihn zu bewegen. Und wir sprechen auch von Kraft, wenn wir wenig Kraft nutzen. Denn egal ob viel oder wenig: Kraft bleibt Kraft. ABER: Je mehr Kraft, desto leichter ist es.

Der Schein der Fitnessindustrie

Und somit sind wir da angekommen, wo viele Golf Pros längst sind. Im Kraftraum. Nur hier können wir die spezifische Kraft für Golf entwickeln. Natürlich ist auch hier die Fitnessindustrie bereits eingekehrt und verführt mit teuren Bändern, Vibrationsplatten und EMS Geräten die gut betuchten Kunden. Dieses "Irreführen" von Menschen, die sich darauf verlassen optimal beraten zu werden, ist in meinen Augen äußerst verwerflich. Zurück zum Krafttraining. Es ist einfach, um nicht zu sagen: brutal einfach. Denn es geht hierbei um tatsächlich "funktionelles Training". Um den Begriff gleich ein wenig zu entschärfen: Es gibt kein funktionelles Training. Der Begriff "Funktionelles Training" steht für das Ergebnis eines Trainings. Nicht für die Methode.

Die Schritte zum Erfolg

Was wir im Kraftraum machen müssen, um erfolgreich zu sein, ist ein Fundament errichten. Unabhängig von der sportartspezifischen Bewegung wird hier ausschließlich an der Kraft in den Grundübungen gearbeitet. Wie qualitativ gut der Schlag technisch wird, hängt nicht vom Training im Kraftraum, sondern allein vom Training auf dem Platz oder der Driving Range ab. Hierfür zeichnen sich die ausgebildeten Golf Coaches verantwortlich. Die Kraft ist nur das Fundament für die Schnelligkeit und Technik im Golfspiel. Sofern wir also unsere Muskulatur befähigen, Bewegungen optimaler und kraftvoller zu gestalten, werden wir auch im technischen Bereich des Golfschlags massive Fortschritte machen.

Wer jetzt unbedingt mein Training kennenlernen möchte, der schreibt mir einfach eine Email an [email protected] oder ruft mich direkt an. KONTAKTDATEN FINDEN SIE HIER
(Text: Mark Sandmann)

Der Autor: Mark Anthony Sandmann

Strength & Conditioning Coach
Mark ist als S&C mit DOSB- A-Lizenz im Gesundheits-, Amateur- und Leistungssport tätig. In seinem Kraftsportstudio, dem Powersports Gym Hannover, betreut er Individual- und Mannschaftssportler. Er war unter anderem Athletiktrainer für den Golfverband Niedersachsen (gemeinsam mit Fabian Bünker), den Deutschen Handballbund (Jugend- Junioren Nationalkader), die TSV Hannover- Burgdorf "Recken", die 7er und XVer Rugby Nationalmannschaften, TSV Victoria Linden, Hannover 78 (beide Rugby) tätig und ist ein gefragter Referent bei den Niedersächsischen Landesverbänden, Stadtsportbund Hannover, Landesschwimmverband LSN, Landesruderverband LRV, Niedersächsischer Rugbyverband uvm. Sein Buch, "Krafttraining für Kinder und Jugendliche" findet insbesondere bei Trainern großen Anklang.

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2 LESER-KOMMENTARE Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Es wäre super gewesen, wenn am Ende dieses Artikels vielleicht zwei bis drei Übungen für Otto-Normal-Golfer gewesen wären.

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    • Mark Sandmann

      Hallo Sanni,
      das haben wir bewusst ausgelassen da es den Rahmen des Artikels deutlich gesprengt hätte. Mein Tipp: Trainiere die Komplexen Grundübungen. Knieubeugen, Kreuzheben, Kraftdrücken, Dips, Klimmzug und Langhantelrudern. Mit dieser Auswahl wird für „Otto-Normal-Golfer“ ein sehr solides Fundament errichtet.
      Mit sportlichen Grüßen
      Mark

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