Neue Golfschläger braucht der Mann – ein Fitting-Tag mit Honma
Aktuell. Unabhängig. Nah.

Neue Golfschläger braucht der Mann – ein Fitting-Tag mit Honma

Exquisite Handarbeit von Griff bis Kopf: Seit knapp 60 Jahren betreibt die japanische Edelschmiede „Schlägerbau als Kunstform“.

Fitting-Center: Bei Honma schraubt man ungern an Köpfen und Schäften herum, die Testschläger stecken in allen machbaren Varianten in den proppevoll gepackten Bags und erwarten ihren Einsatz auf der Driving Range. (Fotos: Michael F. Basche)
Fitting-Center: Bei Honma schraubt man ungern an Köpfen und Schäften herum, die Testschläger stecken in allen machbaren Varianten in den proppevoll gepackten Bags und erwarten ihren Einsatz auf der Driving Range. (Fotos: Michael F. Basche)

Standard. Standard. Standard. Die Kreuze auf dem Erfassungsbogen stehen senkrecht wie das Lot. Ich bin Standard. Was in persönlicher Hinsicht vielleicht wenig erstrebenswert sein mag, macht hier die Sache einfach. Einzig bei der Griffstärke weicht das gefühlte Bedürfnis nach vier Lagen Tape von der tatsächlichen Handgröße ab. Diesbezüglich wäre ich vermutlich ebenfalls Durchschnitt. Alles andere als Standard freilich ist das, was sich zuvor im Golf Club Hamburg Holm abgespielt hat: beim „Personal Fitting“ von und mit Honma. Neue Schläger braucht der Mann, vor allem leichter sollen sie sein. Das Alter halt... Auf der Treppe zum Clubhaus erwartet mich Dennis Schieder, Honmas gut gelaunter Repräsentant für Norddeutschland, „Territory Sales Manager“ steht auf der Visitenkarte. Noch weiß ich nicht, was mich erwartet; es ist sowieso meine erste golferische Maßkonfektionierung.

Wie beim Doc: Honma-Fitting beginnt mit Anamnese

„Für ein gutes Fitting braucht man Zeit,“ erklärt Schieder. „Das gleicht dem Erstbesuch beim Arzt: Ohne gründliche Anamnese kann der nicht richtig behandeln. So ist das auch bei uns, damit wir die wirklich passenden Produkte ,verschreiben‘ können.“ Folglich plaudern wir, über Gott und die Golfwelt, über meinen Werdegang und meinen Way of Life als Golfer, nicht zuletzt über meine Ziele. „Dabei erkenne ich schon eine Menge“, sagt Schieder. „Daten müssen sein, aber sie sind nicht alles.“ Die kommen deshalb am Schluss, zuerst geht es auf den Platz, neun Loch sind angesagt. Schieder „mistet“ direkt mein Bag aus und packt mir einen Demo-Satz Honma BERES IS-06 in die Tasche.

60 Jahre ist es her, dass die Brüder Hiro und Mutsumi Honma ihre Leidenschaft für Golf entdeckten und in Yokohama eine Driving Range eröffneten. Mit dem für Japaner typischen Drang zur Perfektion und Makellosigkeit verlegten sich die Sprösslinge eines Kaufmannsgeschlechts, dessen unternehmerische Wurzeln bis ins 18. Jahrhundert reichen, schnell auf die Herstellung von Schlägern. 1959 begründeten sie die Honma Golf Club Manufacturing Co., um ihre Vision vom „Schlägerbau als Kunstform“ umzusetzen. Erst in Yokohama und seit den 1980er Jahren in der Hafenstadt Sakata, 500 Kilometer nördlich von Tokio, wo die Familie eine Sommerresidenz hatte.

Mitarbeiter in der dritten Generation

Von jeher werden alle Bestandteile eines Schlägers von Honma selbst konzipiert, angefertigt und verbaut, auf Basis intensiver Forschung sowie unter Verwendung hochwertigster Materialien. Die Köpfe sind in Größe, Form sowie Gewichtsverteilung für unterschiedliche Schwungtempi entwickelt, und besonders bei der Herstellung ihrer Schäfte als Seele des Schlägers haben es die Japaner zu weltweit unübertroffener Güte gebracht. Mit einem in punkto Gewicht und Flexibilität auf den jeweiligen Kopf abgestimmten Schaft versucht Honma, die perfekte Symbiose der beiden Komponenten zu erreichen. „Wir glauben, dass nur so eine dynamische Einheit entsteht“, heißt es.



2010 übernahm ein chinesischer Unternehmer die Manufaktur, begeistert von Qualität, Liebe zum Detail und Tradition. Trotz aller frischen Impulse wurde genau deswegen am Firmensitz in Sakata nicht gerüttelt. Rund 400 Menschen arbeiten dort, vielfach bereits in dritter Generation. Nein, „sie leben eine Berufung“, korrigiert Schieder lächelnd. Mit ihrer Expertise und ihrem Produktstolz sind die Honma-„Craftsmen“ das Rückgrat sowie das Kapital der Edelschmiede und personifizieren den Nimbus, die besten Schläger der Welt zu bauen.


Olympiasieger Justin Rose als Testimonial

Selbst die Veränderung meiner Griffstärke mag man nicht unbedingt einem Außenstehenden überlassen. Obwohl wegen meiner Standardmaße eigentlich alles aus dem europäischen Zentrallager in Amsterdam bedient werden könnte, das Honma im Zuge seiner Expansionsstrategie eingerichtet hat. Seit 2018 setzt man beispielsweise auf eigene Repräsentanten statt der früheren Distributoren; demnächst stößt der englische Olympiasieger und „Teilzeit“-Weltranglistenerste Justin Rose zum Team der bislang vornehmlich asiatischen Markenbotschafter und verleiht Honma in den neuen Zielmärkten Europa und USA ein populäres Profil.

Wenn sich „Zaiku“, die alte japanische Handwerkskunst, mit allerbesten Werkstoffen und modernem Spielverständnis verbindet, dann kommt etwas Besonderes heraus. Die Honma BERES IS-06 sind kleine Wunderwaffen. „Führig“ ist ein schönes Attribut: herrlich stabil bei aller Flexibilität, dazu enorm fehlerverzeihend. „Es kommt doch letztlich im Golf darauf an, wie gut deine schlechten Schläge sind“, verdeutlicht Schieder. „Viele Leute denken, sie seien nicht gut genug für Honma. Denen sage ich immer: Nein, Sie erleichtern sich mit unseren Produkten das Leben.“



Handgerollte und hingebungsvoll gebügelte Schäfte

Nach den ersten Schwüngen auf dem Fairway stellt sich bei mir das Vertrauen in die Leichtgewichte ein. Genau dafür sind sie gemacht:„Für Spieler, deren Schlägerkopfgeschwindigkeit nicht so hoch ist“, sagt Schieder. Mich überkommt ein leiser Abschiedsschmerz: Meine bisherigen Ben Hogan Apex mit den gewichtigen Stahlschäften haben über viele Jahre beste Dienste geleistet; jetzt indes muten sie in der Erinnerung vergleichsweise an wie „Spur Nose Heavy Irons“, jene groben Kellen, mit denen die Golf-Altvorderen ihre Featherie-Bälle aus unwegsamen Lagen droschen.

Findungsprozess: Auf der Range des Golf Club Hamburg Holm arbeitet sich der Autor durch die Schlägerpalette von Honma. (Foto: Michael F. Basche)

Findungsprozess: Auf der Range des Golf Club Hamburg Holm arbeitet sich der Autor durch die Schlägerpalette von Honma. (Foto: Michael F. Basche)

In den Karbonschäften zuvorderst steckt das Erfolgsrezept von Honma. Die speziell nach den Vorgaben der Manufaktur hergestellten, mit Kohlenstofffasern verstärkten Kunststoffstreifen werden in Sakata pedantisch Lage um Lage aufgetragen, hingebungsvoll von Hand gerollt wie eine edle kubanische Zigarre und schließlich mit Inbrunst gebügelt. Kein anderer Hersteller tut das, bei Honma ist es Standard.

Wo industriell hergestellte Stecken unter dem Mikroskop Lufteinschlüsse und -blasen zeigen, schmiegen sich bei Honmas ARMRQ-Schaft die Karbonlagen aneinander wie die Schichten im Gemüse-„Mille Feuille“ („Tausend Blätter“) eines Dreisterne-Kochs. Oder wie der zigmal gefaltete und verschweißte Stahl des berühmten Kriegerschwerts „Katana“, um mit der Metapher im Land der aufgehenden Sonne zu bleiben.





Knapp 5.000 Euro pro Schläger fürs High-End-Modell

Dank der sternförmigen Anordnung der Kohlefasern in der äußersten Lage bringen es die ARMRQ so auf extrem gute Torque-Werte. „Selbst Bälle, die nicht direkt im Sweetspot getroffen werden, haben kaum Längen- und Richtungsverluste“, unterstreicht Schieder die Wirkweise der edlen Stecken.

Die einzelnen Schaftversionen unterscheiden sich lediglich durch die Dichte der aktuell in zehn Achsen miteinander verwobenen Fasern. Je höher und enger verflochten der Karbon-Anteil in der Kunststoffmatrix ist, desto „führiger“ und verwindungssteifer, torsionsärmer ist der Schaft, desto mehr Sterne hat er. Gleichsam klettert allerdings der Preis. 4.979 Euro pro Exemplar kostet die ultimative Ausführung der BERES-Linie mit dem 5-Sterne-ARMRQ-X-Schaft. Egal, ob Driver, Eisen oder Wedge, die individuellen Gestaltungsmöglichkeiten sind dabei gar nicht eingepreist.

Länge, Loft, Lie – Flex und Co. sowieso: Alles wird probiert, begutachtet und gemessen, nichts bleibt dem Zufall überlassen. (Foto: Michael F. Basche)

Länge, Loft, Lie – Flex und Co. sowieso: Alles wird probiert, begutachtet und gemessen, nichts bleibt dem Zufall überlassen. (Foto: Michael F. Basche)

Unsere kurze Runde ist beendet, eigentlich könnte Schieder mich jetzt schon ausrüsten. Erkenntnisse hat er genug: Wie ich auf dem Platz agiere, in welcher Situation ich zu welchem Schläger greife; überdies sprechen Ballflug, Flughöhe, Schwungtempo und Divots eine deutliche Sprache. Auf der Range baut der gebürtige Hamburger mit dem gepflegten 3er Handicap natürlich dennoch sein Fitting-Center auf, drei Bags, proppenvoll mit Schlägermaterial. Bei Honma wird ungern geschraubt. Die verschiedenen Schaft-Typen stecken mit unterschiedlicher Grammatur als Hölzer und als Eisen 7 in den Taschen.

Ich probiere den 2-Sterne-ARMRQ, dann den 3-Sterne-Schaft, den ich zuvor schon auf dem Platz gespielt habe, beide in diversen Gewichtungen. Dazu die E-Köpfe mit den etwas breiteren Sohlen und die S-Klingen. Beim 43-Gramm-Schaft und dem E-Kopf beispielsweise „ging der Ballflug zu hoch und nicht nach vorne", urteilt mein Fitter. Übrig bleiben der 47-Gramm-Schaft in „Regular“ und der sportlichere S-Kopf. Gewicht und Flex lassen sich für den geübten Fitter eh fast mit dem Auge eingrenzen, der „FlightScope“ bestätigt per Messergebnis, was Dennis Schieder beim Blick über meine Schulter bereits prognostiziert hat.

Dem Lie-Board sei Dank: Desaströses Ende knapp vermieden

Mit einem Mal wird's finster. Im übertragenen Sinn. Sei es Vorführeffekt, zu viel denken oder der Ehrgeiz, es besonders gut machen zu wollen, was auch immer: Ich beginne übel zu streuen, zeige das gesamte hässliche Schlagrepertoire, Sockets, Shanks, Push-Fades, Benzinger. Mit jedem Versuch wird‘s schlimmer und mir peinlicher. Je peinlicher es mir wird, umso schlechter wird der Schwung. Wie war das mit den Leuten, die denken, sie seien zu schlecht für Honma-Schläger?

Ganz der „gute Doktor“ schlägt Schieder eine Pause zur Entspannung vor, erinnert mich an meinen „guten, dynamischen Schwung“ auf dem Platz: „Der sah doch prima aus!“ Das geht runter wie Öl, viel besser wird es danach trotzdem nicht. Selbst der Ablenkungsversuch des scherzhaften Tipps verfängt nicht, mir ein Tee hinters rechte Ohr zu stecken. Der Tag droht im Desaster zu enden.

Es ist vollbracht: Honma-Repräsentant Dennis Schieder und der Autor nach vollbrachtem Fitting-Tagwerk. (Foto: Michael F. Basche)

Es ist vollbracht: Honma-Repräsentant Dennis Schieder und der Autor nach vollbrachtem Fitting-Tagwerk. (Foto: Michael F. Basche)

Wie gut, dass es ein paar weitere Daten zu erfassen gilt. Schieder hat wegen meiner Hackerei einen Lie-Winkel von „2 Grad up“ veranschlagt, weil ich bei dem Gemurkse immer von außen an den Ball gekommen bin. Zur Absicherung schiebt er mir das „Lie-Board“ vor die Füße und klebt Markierungspapier unter die Schlägersohlen. Auf dem glatten Parkett des Bretts verfliegen alle Probleme wie durch Zauberei. Ich mache wieder, was die Schläger können; die Bälle fliegen, wohin sie sollen. Die Schleifspuren auf dem Markierungspapier zeigen: Von wegen „2 Grad up“, der Adept ist wieder Durchschnitt. Nie habe ich die Einordnung so gern gehört wie in diesem Augenblick.

Die Sache mit dem Maulwurf im Logo

Bloß die Frage mit dem Maulwurf im Honma-Logo wäre abschließend noch zu klären. Vielleicht, mutmaßt Schieder, während er die Spezifikationen notiert und mein künftiges Golfbesteck definiert, haben sie früher in Japan auf Maulwurflöcher gespielt. Das hört sich an wie Nippons Version des Märchens vom gelangweilten schottischen Schäfer, der mit dem gekrümmten Ende seine Hirtenstabs Kieselsteine in Kaninchenlöcher gekickt und so Golf erfunden haben soll. Im Honma-Prospekt heißt es hingegen: „Maulwürfe sind bekannt für ihre Strebsamkeit und Entschlossenheit. Sie suchen mit Beharrlichkeit nach Erfüllung und finden schließlich ihre Lösungen … Diese Eigenschaften gelten ebenso für Honmas beständige Streben nach Perfektion in der Kunst des Schlägerbaus.“

Ich kann‘s kaum erwarten, das in der Praxis zu erleben. Doch das ist eine andere, alsbald zu erzählende Geschichte.

Hinweis: Der Schlägersatz Honma BERES IS-06, Eisen 5 bis 11, wurde von Honma Golf Europe kostenfrei zur Verfügung gestellt.

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Geben Sie uns doch ein kurzes Feedback.

Noch keine Kommentare Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab