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Putter glüht wieder, aber Jordan Spieth schweigt eisern zum Rezept

Allerlei vom Masters: Spitzenreiter ist in bester Gesellschaft, Amateur mit zwei Eagles, Heimwerker Fowler und ein Bier „auf Ex“.

Jordan Spieth führt nach dem ersten Tag des US Masters. (Foto: Twitter.com/UAGolf)
Jordan Spieth führt nach dem ersten Tag des US Masters. (Foto: Twitter.com/UAGolf)

Diese Nachricht ist eigentliche keine: Jordan Spieth wird jetzt von den Buchmachern als alleiniger Masters-Favorit geführt. „Ach was!“, möchte man mit Loriot sagen. Sollte der Texaner zum zweiten Mal nach 2015 ins grüne Sakko schlüpfen, zahlen die Wettbüros bloß noch 2:1. Was wunder, bei der vor allem auf den Grüns brillanten Auftaktvorstellung des 24-Jährigen, der seine Liebe zum kürzesten Schläger im Bag offensichtlich neu entfacht hat. Der Putter jedenfalls glühte gestern: Spieth hatte im Durchschnitt 1,33 Putts, der Rest des Felds lag bei 1,67, das sind Welten. Dabei rangierte er vor ein paar Wochen noch im hinteren Bereich der entsprechenden Statistiken auf der PGA Tour. „Ich habe da ein paar Ansätze gefunden, die sich offenbar positiv auszahlen“, sagte Spieth, mochte mehr aber nicht verraten: „Wenn all die kleinen Geheimnisse zu etwas Besonderem führen, dann werde ich das eines Tages aufschreiben.“

Die Chancen stehen nicht schlecht. Mit der gestrigen 66 platzierte sich der dreifache Majorsieger zum neunten Mal in seinen bislang 17 Masters-Runden an der Spitze des Leaderboard. Besser waren nur Arnold Palmer, der 14 Mal führte und vier Mal triumphierte sowie der sechsfache Augusta-Rekordgewinner Jack Nicklaus (13 Mal). „Ein schneller Start ist bei jedem Turnier gut“, sagte Spieth zu seiner Führung. „Dann hast du dein Schicksal erst mal selbst in der Hand und bist nicht auf die Hilfe anderer angewiesen.“
Bei den Wettquoten liegt übrigens ansonsten nur noch Rory McIlroy mit 5:1 im einstelligen Quotenbereich. Es folgen weit abgeschlagen Phil Mickelson und Matt Kuchar (14:1) sowie Henrik Stenson und Rickie Fowler (16:1).

Amateur Ghim mit zwei Eagles

Unter dem Radar: Bei einem derart bunten und interessanten Masters-Auftakt wie diesem 2018er Donnerstag rangieren Eagles schon mal unter „ferner liefen“, selbst wenn sie vom Augusta National Golf Club mit Kelchgläsern aus Kristall belohnt werden. Zwei davon nennt seit gestern Doug Ghim sein eigen. Der US-Amateur-Vizemeister lochte bei seinem 72er Umlauf auf der Par-5-13 zum doppelten Schlaggewinn und versenkte auf der Par-4-18 aus fast 164 Metern seinen Annäherungsschlag:



Zufriedener McIlroy vermutet „Subversives“

Zustandsbeschreibung: Rory McIlroy, der mit seinem selten guten Start ausgesprochen zufrieden war, glaubte nach dem ersten Tag dieses 82. Masters an „subversive“ Aktivitäten des Augusta National Golf Club. „Es war heute ein völlig anderer Kurs als während des Trainings. Das unterirdische Belüftungssystem muss die ganze letzte Nacht gelaufen sein“, vermutete der Nordire. „Aber das weiß man, wenn man hierher kommt: Augusta ist hart und schnell.“ Seine 69 war der beste Auftakt seit der 65 vor sieben Jahren, das gibt Selbstvertrauen für den vierten Angriff auf den Karriere-Grand-Slam: „Wenn man sich hier hetzen muss, um an der Spitze dran zu bleiben, dann fängst du an, Fehler zu machen. Diese Position jetzt erlaubt es mir, geduldig zu bleiben, und das ist ein sehr angenehmer Luxus für die nächsten Tage.“

Rickie Fowler: Vorbereitung mit dem Malerpinsel

Heimwerker: In der beliebten Serie „Was macht eigentlich...?“ ist heute Rickie Fowler dran. Ja, was machte der Kalifornier eigentlich gestern, auf dessen ersten Majorsieg und damit „endendgültigen“ Durchbruch nicht nur er wartet? Die Nummer acht der Welt spielte immerhin eine 70er Runde mit vier Birdies, davon drei in Serie auf den Bahnen 15 bis 17, und rangiert auf T11. Da scheint sich die teilweise alternative Vorbereitung auszuzahlen: Während der Houston Open hatte sich der 28-Jährige im Rahmen einer Wohltätigkeitsaktion für die Familie Gilbert an der Renovierung ihres Hauses beteiligt, das durch den Hurrikan Harvey schwer beschädigt worden war. Fazit: Mit dem Malerpinsel kann er es auch…



Augusta National und die „wilde 13“

„Was soll ich dazu groß sagen?“: Titelverteidiger Sergio Garcia brachte seine gestrige „wilde 13“ knapp, aber treffend auf den Punkt. „Ich habe keinen einzigen Fehlschlag gemacht. So einfach ist das“, resümierte der Spanier sein „Achtfach-Bogey“. Zur Ehrenrettung sei vielleicht noch angemerkt, dass die Fahnenposition auch besonders fies gewählt und die Grün-Umgebung viel kürzer „rasiert“ war als in früheren Jahren. Dennoch ist Garcias Score an der 15 mit Abstand unerreicht in der Masters-Historie. Die klassische Unglückszahl gab‘s zuvor zwei Mal, als Tom Weiskopf 1980 auf der Par-3-Zwölf fünf Bälle im Wasser versenkte und Tommy Nakajima zwei Jahre zuvor auf der 13 eben diese Ziffern auf der Scorekarte notieren musste.

Woods erwartet zum Finale ein dichtes Leaderboard

Erleichterung? Irgendwie hatte man den Eindruck, Tiger Woods sei froh gewesen, diesen von aberwitzigem Hype begleiteten ersten Masters-Durchgang halbwegs glimpflich überstanden zu haben. „73 ist in Ordnung. Die Runde hätte mir auch komplett entgleiten können, aber ich habe sie ja gerettet“, bilanzierte der „Comebacker“. „Es wird ein dicht besetztes Leaderboard und einen Haufen Jungs mit Siegchancen geben. Bei diesem Set-up des Platzes ist es schwierig, davon zu ziehen, aber sehr einfach den Anschluss zu verlieren.“ Pünktlich zum ersten aktiven Auftritt des 14-fachen Majorsiegers in Augusta National seit 2015 hat Bekleidungsausrüster Nike übrigens ein durchaus ansehnliche „Welcome-Back“-Video rund um den Tiger veröffentlicht:





Ein Becher Bier mit Ball: Cheers!

Mix-Getränk: Ein Becher heimisches Bier kostet beim Masters drei Dollar. Beigaben gibt es ab und an ebenso unverhofft wie kostenlos. Und man lernt neue Menschen kennen. So wie der Patron am Rande des ersten Grüns, der mit seiner Schulter Jason Days etwas verirrten und von einem Baum abprallenden zweiten Schlag auffing und den Ball von dort aus in seinen Bierbecher tropfen ließ. Unabsichtlich natürlich. Also hieß es, den Becher „auf Ex“ zu kippen, damit der Australier seinen Ball identifizieren und frei droppen konnte. Day bedankte sich artig mit einem „thanks mate“ und spielte ein Bogey. Cheers!

Ex-US-Außenminister schütteln VIP-Hände

Freiwilligen-Dienst: Vor kurzem hat Augusta-National-Mitglied Rex Tillerson als amerikanischer Außenminister noch Staatsoberhäuptern die Hand geschüttelt, bis er von US-Präsident Donald Trump geschasst wurde. Beim Masters fungierte der ehemalige ExxonMobil-Chef und Freund von Phil Mickelson jetzt als „Grüßaugust“ für die Gäste des VIP-Zelts „Berckmans Place“. Insider Geoff Shackleford eröffnet in seinem Blog diesbezüglich ganz interessante Einsichten. Demnach habe „Tilly“ sich für jedwede Art von ehrenamtlichem Job beworben, alles sei besser als die Arbeit 2017 im Medien-Komitee, bot sogar Führungen durch den Weinkeller an. Clubchef Fred Ridley aber habe laut einer Quelle abgewinkt: „Das ist ein Job für neue Mitglieder wie Tim Finchem [Ehemaliger Commissioner der PGA Tour, Anm. d. Red.]. Der Vorsitzende glaubt, dass Rex wieder an den Umgang mit Leuten gewöhnt werden muss, die täglich arbeiten.“ Ob „Berckmans Place“, wo auch Außenamts-Vorgängerin Condoleezza Rice im „Green Jacket“ Dienst tut und ein Ticket 6.000 Dollar kostest, dafür der richtige Ort ist...

Einmal durch die Masters-Snack-Karte

Zum Schluss: Das US Masters ist nicht nur in Sachen Golf ein Genuss, sondern auch ein Schlaraffenland für alle Snack-Liebhaber. Dank der drei Großsponsoren und der TV-Einnahmen bietet Augusta National den Patrons seit Jahr und Tag ordentliche Verpflegung zu kleinen Preisen. Wer sich einmal komplett durch die Karte futtern will, ist mit 46 Dollar dabei. Die Daheimgebliebenen müssen sich aber trotzdem nicht grämen: Weil wir schon drüber berichtet haben, gibt es hier fürs perfekte Masters-Wochenende mit Rundum-Programm eine Anleitung zur Herstellung des berühmten Pimento Cheese Sandwich. Der Club selbst mag das Rezept nicht preisgeben, aber dieses kommt dem Original garantiert ziemlich nahe und stammt aus dem Buch „Par 3 Tea-Time at the Masters“ der Junior League of Augusta/Georgia. Nur die Mengenangaben sind noch umzurechnen:

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