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Rory McIlroy im Interview über Vorbilder, Freundschaften und das Aufgeben

An persönlichen Anekdoten und ehrlichen Antworten hat es Rory McIlroy noch nie gemangelt. Das bewies er nun einmal mehr in einem Interview.

Rory McIlroy Interview Teil 1
Rory McIlroy gewährt mit seinem Interview im Sunday Independent interessante Einblicke. (Foto: Getty)

Rory McIlroy ist im Umgang mit den Medien vor allen bekannt für seine Ehrlichkeit. Denn auch vor unangenehmen Wahrheiten, die ihn schon manches Mal in die Bredouille brachten, schreckt der Weltranglistenzweite nicht zurück. In einem Interview mit der irischen Zeitung "Sunday Independent" verriet er nun auf seine humorvolle, authentische Art seinem Interviewpartner Paul Kimmage mehr als nur den wahren Grund für seinen Widerwillen gegenüber Olympia. Er sprach unter anderem über seine Vorstellung eines perfekten Tages, über Idole, Prioritäten und Rückschläge.

Der perfekte Tag: Einfach mal "unsichtbar" sein

Wie sich eine Golfgröße wie Rory McIlroy einen perfekten Tag vorstellt? Ein Majorsieg vielleicht? Mitnichten! Nichtmal eine Freizeitrunde Golf fände in seiner Vorstellung eines perfekten Tages Platz, sagte der Nordire im Interview. Stattdessen liege sein Fokus auf ganz anderen Dingen: "Ich würde zu Hause im Bett neben Erica [seiner Verlobten Erica Stoll, Anm. d. Red.] aufwachen", so McIlroy. Wo das sei, das wisse er noch nicht, aber das Paar habe bereits begonnen, nach Häusern zu schauen. Nach dem Aufwachen - schon um sieben Uhr morgens - ginge er eine Stunde ins Fitnessstudio. Der Besuch im Studio sei für ihn keine Arbeit, sondern "ein Lebensstil". Danach würde er dann mit Erica gemeinsam frühstücken.

Was den weiteren Verlauf seines perfekten Tages anginge, so denke er "aus irgendeinem Grund an Florida", sagte der vierfache Majorsieger weiter. Dort habe das Paar einen Großteil seinen freien Zeit verbracht: "Ericas Eltern haben diesen Hund, Lilly, in den wir absolut vernarrt sind, also würden wir einen Spaziergang mit dem Hund machen und würden meine Eltern treffen, die gleich am Strand leben." Im Grunde also "alles, was dem Wochenende eines normalen Menschen ähnelt. [...] Ich würde nur gerne irgendwo zu Hause sein und mich in meiner Umgebung wohlfühlen und nicht nach einem Foto oder einem Autogramm gefragt werden. Einfach mal unsichtbar sein, denke ich."

Woods' nächtliche Nachrichten machen Erica "stinksauer"

Außerdem outete sich McIlroy im Interview als "einer der größten Tiger-Fans, dem Sie jemals über den Weg laufen werden." Er sei damit aufgewachsen, ihn spielen zu sehen, so der 27-Jährige, und erinnerte sich daran, wie er im Alter von acht oder neun Jahren sein erstes Turnier in Übersee spielte und auf dem 18. Fairway vom berühmt-berüchtigten "Blue Monster" dachte: "Wow! Tiger war hier. Er war auf demselben Fairway!" Woods gegenüber habe er sich aber mit Eingeständnissen, dass dieser "ein gewaltiger Held" für ihn gewesen sei, stets zurückgehalten: "Ich habe Sachen gesagt wie 'Du hast mich inspiriert', aber ich würde ihm keine Schwäche zeigen wollen", gab er lachend zu.



Allerdings werde er auch heute noch von ihm angezogen, immerhin sei er "ein faszinierender Charakter. Wenn er sich wohlfühlt und einem vertraut [...] ist er großartig. Er ist nachdenklich. Er ist klug. Er liest. Er kann nicht schlafen, also ist das alles, was er tut - er liest Sachen und bildet sich in allem weiter. Aber er hat Probleme zu schlafen, ich denke als Effekt von zu viel Training, also sage ich ihm manchmal, er soll runterfahren. Er schreibt mir um vier Uhr morgens: 'Bin auf und stemme Gewichte. Was machst du?'" Erica allerdings sei irgendwann wegen der frühmorgendlichen Nachrichten aus dem Fitnessstudio "stinksauer" geworden, so der Noch-Junggeselle, der für den April kommenden Jahres bereits das Hochzeitsdatum angesetzt hat.

Verhältnis zu Clarke "heute besser als früher"

Tiger Woods allerdings ist nicht die einzige Golfgröße, die auf den jungen Rory McIlroy einen beachtlichen Einfluss ausübte. Auch zu seinem nordirischen Landsmann Darren Clarke blickte er bereits als Kind auf, damals habe Clarke "wahrscheinlich den größten Einfluss" auf ihn gehabt. Kein Wunder also, dass sein Vater einst als ganz besonderes Geburtstagsgeschenk ein Treffen mit dem heute 48-Jährigen arrangierte - etwas, das McIlroy bis heute in guter Erinnerung geblieben ist. Mit den anderen nordirischen und irischen Golfern habe er hingegen zu dieser Zeit noch nicht viel zu tun gehabt.

Der Mann aber, unter dem er im vergangenen Jahr zum Ryder Cup fuhr, habe ihn geprägt: "Ich erinnere mich, als ich als Amateur eine Einladung zur Spanish Open 2007 bekam. Ich habe samstags bei ihm in London übernachtet, Golf in Queenwood gespielt, wo er Mitglied war, und dann sind wir mit einem Privatjet runter nach Spanien zum Tourevent geflogen."



Zwar sei das Verhältnis zu Clarke zunächst etwas abgekühlt, nachdem er 2011 seinem Management von ISM den Rücken gekehrt hatte - einem Unternehmen, das von Clarke's Freund Chubby Chandler ins Leben gerufen worden war - "aber Menschen müssen manchmal verschiedene Wege gehen und durch die ganzen Ryder-Cup-Sachen haben wir uns viel unterhalten und wahrscheinlich mehr geredet als je zuvor", sodass er heute sagen könne, er habe das Gefühl, dass die Beziehung zu seinem ehemaligen Teamkapitän "über die letzten 18 Monate hinweg sehr viel enger" geworden sei als früher.

Wie Rory McIlroy vom Golfsport genug hatte

Ein Glück, dass McIlroy nicht die Segel strich, als ihm einst - noch vor seinem Wechsel ins Profilager - das Golfspielen sprichwörtlich zum Halse heraushing. Im August 2006 war das, "ich war 16, hatte die 'West' und die 'Close' gewonnen und war im Grunde der beste Amateur in Irland. Ich war eine Menge unterwegs gewesen - bin mit meinem Vater in einem silbernen Mondeo quer durch Irland gefahren - und hatte gerade den Mullingar Scratch Cup gewonnen. Ich hätte glücklich sein sollen, weil ich im Jahr davor im Playoff verloren hatte, aber ich erinnere mich, wie wir zurückfuhren und ich, kurz hinter der Grenze, zu weinen anfing: 'Ich genieße das nicht mehr.' Ich begann, auf das Fenster einzuschlagen und hatte einen kompletten Gefühlsausbruch."

Er sei damals fast "abgestumpft" geworden, obwohl doch "zu siegen die ultimative Genugtuung ist - darum trainiert man - aber ich hatte alles gewonnen und bekam nicht mehr das gleiche Gefühl der Euphorie, das ich Monate zuvor hatte. Es war so eine seltsame Erfahrung: Ich hatte etwas gewonnen, ich hätte glücklich sein sollen, aber ich war's nicht - sehr komisch."





Seine Eltern aber hätten sehr verständnisvoll reagiert, sein Vater habe das Auto an den Straßenrand gefahren und nur gesagt: "'Hör mal, du hast die nächsten ein, zwei Woche nichts zu tun. Wir fahren nach Hause und du kannst dir ein paar Tage freinehmen und schauen, wie du dich dann fühlst.' [...] Also habe ich mir zwei, drei Tage freigenommen und...ja, bin zurück in den Golfclub gegangen." Seine Mutter habe ähnlich reagiert, aber innerlich, vermutet McIlroy, hätten die beiden sicher etwas gedacht wie: "Herrje! Er hat die Schule und alles aufgegeben, um dem nachzugehen. Und jetzt will er's nicht tun!"

"Ich saß weinend auf dem Bett"

Doch auch, als sich McIlroy schließlich zu einem Leben als Golfprofi entschieden und es auf die Tour geschafft hatte, hatte er einige Anlaufschwierigkeiten und musste in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in Asien nicht wenige verpasste Cuts verschmerzen. Besonders der in Südkorea ist ihm in unguter Erinnerung geblieben: "Ich erinnere mich, wie ich am Freitagabend zurück ins Hotel kam. Ich war noch nie in einem Land gewesen, das sich so fremd anfühlte. Ich hab mich so so weit weg von zu Hause gefühlt und erinnere mich, wie ich weinend am Fußende des Bettes saß, mit einer Box Pringles aus der Minibar", erzählte er Kimmage lachend, "und da waren gerade einmal vier Monate von der Saison 2008 rum."

Dann aber begann er, mit seinem Caddie "JP" Fitzgerald zu arbeiten, und mit Hilfe von vielen gemeinsamen Trainingsstunden folgte dann nach einigen weiteren Rückschlägen der weichenstellende Moment: "Wir fuhren in die Schweiz (zum Omega Masters). [...] Ich hab am ersten Tag eine 63 geschossen und dachte: 'Gott sei Dank!'" Zwar wurde er im Playoff geschlagen, trotzdem ist die heutige Golfgröße überzeugt, dass das der "entscheidende Moment" gewesen sei. Bei den nachfolgenden Turnieren machte er eine extrem gute Figur, "und am Ende des besagten Jahres - von Position 210 Anfang September aus - war ich die Nummer 40 der Welt" - und sein Durchhaltevermögen macht sich noch heute bezahlt.

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1 LESER-KOMMENTAR Geben Sie jetzt Ihre Meinung zu diesem Thema ab
  1. Brigitte Roessel

    danke !

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