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Vor ersten Fourballs: Jim Furyk und sein Prinzip „Teile und herrsche“

Allerlei vom Ryder Cup: US-Duos bei „Bookies“ vorn, Woods und sein Mount Rushmore, McIlroys Lehren, dazu zwei Augenbrauen-Roller.

Ryder Cup 2018 Splitter Tag 1 Jim Furyk Kapitän Team USA teile und herrsche
Jim Furyk hat für den ersten Auswärtssieg seit 25 Jahren eine besondere Taktik parat. (Foto: Getty)

„Teile und herrsche!“ Ludwig XI. von Frankreich unter anderem soll diesen geflügelten Begriff geprägt haben, das passt ja zum 42. Ryder Cup nahe Paris. Und auch wenn damit die Spaltung gegnerischer Gruppen in harmlose, lediglich noch miteinander rivalisierende Grüppchen gemeint ist, so hat Jim Furyk gut aufgepasst und daraus seine eigene Taktik entwickelt, um nach 25 Jahren, nach The Belfry 1993, wieder einen amerikanischen Auswärtssieg zu landen. Mit der Aufteilung des kongenialen, in Hazeltine 2016 so erfolgreichen Duos Jordan Spieth und Patrick Reed für die heutigen Fourballs hat der US-Kapitän allerdings nur bedingt für eine Überraschung gesorgt.

Aus Eins mach Zwei dürfte seine Devise lauten: Die erwartbare Kombination von Spieth mit dem „Sandkasten“-Freund Justin Thomas sowie „Captain America“ Reed an der Seite des gestern bei der Eröffnungsfeier mit stehendem Ovationen bedachten Tiger Woods könnten sich in der ersten Session auf Le Golf National für die europäischen Gegner als ziemlich hart zu knackende Nüsse erweisen. Ohnehin gehen die amerikanischen Duos in den Wettbüros als 3:1-Favoriten in die vier ersten Matches, lediglich Justin Rose und Jon Rahm haben für die Buchmacher in Las Vegas eine klare Erfolgschance.

„So wichtig wie Kriegseinsatz in Vietnam“

Einzigartig: Diese besondere Atmosphäre am ersten Abschlag, das ist es, was vor einem Ryder Cup alle Akteure beschäftigt. Golf-Talkmaster David Feherty hat es 1991 in Kiawah Island selbst erlebt und seither rund 50 Ryder Cupper interviewt, die samt und sonders bestätigt haben, dass der Druck und die Emotionen so intensiv sind wie nirgendwo sonst im Golf. „Die Anspannung hier ist größer als bei der Open“, bestätigte jetzt Champion-Golfer Francesco Molinari: „Um ehrlich zu sein, kann man das nicht mal annähernd vergleichen.“ Gewohnt martialisch blicken die Amerikaner aufs anstehende Kontinentalduell. „Der Ryder Cup ist so wichtig wie der Kriegseinsatz meines Vaters in Vietnam“, sagte Bubba Watson. Kein Kommentar…

Woods lobt die heutigen Gegner

Aus berufenem Mund: Das verbale Ballyhoo hat begonnen, und es war Tiger Woods, der dem Gegner mal ein bisschen den Nerv gefühlt hat. „Tommy und Francesco sind zwei der besten ,Ball Striker‘ auf der Tour, und der Albatros-Kurs hier ist ein Platz für solche ,Ball Striker‘, definitiv!“, meinte Woods vor dem heutigen Fourball-Match mit Patrick Reed gegen das europäische Duo Fleetwood/Molinari. Wer aber in den Olymp des Golfsports gehört, das hat der 14-fache Majorsieger schon zuvor kundgetan, als er gebeten wurde, seinen persönlichen Mount Rushmore, das Berg-Monument mit den US-Präsidentenköpfen in South Dakota, zusammen zu stellen und ziemlich schnell vier Namen beisammen hatte: „Snead, Jones, Nicklaus – ich!“



McIlroy hat aus Hazeltine gelernt

Revanchegelüste: Rory McIlroy hat erzählt, dass er seit Hazeltine auf die Matches in Frankreich brenne; die Niederlage habe seine Entschlossenheit nur bestärkt, diese fünfte Teilnahme in seinen vierten Ryder-Cup-Erfolg zu verwandeln. „Das Gefühl ist da, seitdem vor zwei Jahren die anderen mit dem Champagner herum gespritzt haben“, sagte der 29-jährige Nordire, der fest entschlossen ist, sich bei „Skipper“ Thomas Björn für alle fünf möglichen Einsätze zu empfehlen. Dabei habe er aus der Niederlage im elektrisierenden Duell mit Patrick Reed eine Menge gelernt, als „Rors“ nach neun Löchern seines fünften Matches in Minnesota etwas die Puste ausging: „Es ist fraglos ziemlich ermüdend, über drei Tage auf diesem Niveau Golf zu spielen. Bei aller Aufgeputschtheit muss man darauf gefasst sein, ganz zum Schluss noch mal über sich hinaus wachsen zu müssen und deswegen Energiereserven in petto haben. In Hazeltine bin ich auf der Back Nine gegen die Wand gelaufen, das passiert mir nicht noch mal!“

Casey und Poulter erfreuen die Fans

Nahbarkeit: So macht man sich Freunde unter den Fans, die deutsche Fußball-Nationalmannschaft sollte genau hinschauen. Während Paul Casey trotz laufender Trainingsrunde eine Gesangs- und Tanzeinlage mit den „Schlachtenbummlern“ am Rand des Abschlags einlegte, erwies sich Ian Poulter mit einem tadellosen „Merci Beaucoup“ für die aufmunternden Sprechchöre als perfekter Gast in Frankreich. Ab heute gilt es dann, golferische Taten folgen zu lassen.

Augenbrauen-Rollen und Pingpong-Schläger

Die perfekte Welle: Seit Phil Mickelson auf Twitter unterwegs ist, gibt es eine Menge schräger Videos von „Lefty“; der fünffache Majorsieger scheut keineswegs davor zurück, sich auch „zum Horst“ zu machen. Hier versucht Mickelson den Wellenschlag mit den Augenbrauen nachzuahmen, den Bryson DeChambeau so perfekt beherrscht – trotz der positiven Einschätzung („I‘m sure I can do it too“) mit eher suboptimalem bzw. kurios anzuschauendem Ergebnis.



„Rookie“ DeChambeau hat übrigens erzählt, was seine wichtigste Anschaffung vor der Reise nach Paris war: Er kaufte sich für die Matches im Team-Quartier einen neuen Tischtennisschläger, „weil an meinem alten Ping-Pong-Paddel ohnehin der Belag hinüber war“. Ob der „Mad Scientist“ an der Platte auch so herum tüftelt wie am Golfspiel mochte DeChambeau freilich nicht verraten…

Blick hinter Europas Kulissen

Innenleben: Das Spektakel auf dem Platz und entlang der Spielbahnen ist eine Sache, der Blick hinter die Kulissen ein ganz anderer. Hier nimmt uns Anna Whiteley mit in die Umkleide der Europäer. Und „Skipper“ Thomas Björn erläutert, was es mit der Garderobe so Besonderes auf sich hat.





Gelbe Schleifen erinnern an ermordete Golferin

Erinnerung: „Tie a Yellow Ribbon round the Ole Oak Tree“ war Anfang der 1970er Jahre ein populärer Pop-Song, das gelbe Band gilt als Symbol für Solidarität und Unterstützung. Beim Ryder Cup tragen die Mitglieder beider Teams eine gelben Schleife als Hommage an die spanische Amateurgolferin Celia Barquin Arozamena (22), die am 17. September auf den Coldwater Golf Links in Ames/Iowa ermordet aufgefunden wurde. Als möglicher Täter sitzt der 22-jährige Colin Daniel Richards in Untersuchungshaft.

„Henkelmann“ aus Lego

Zum Schluss: Einen Gruß an Thomas Björn, den ersten europäischen Ryder-Cup-Kapitän aus Dänemark, haben die Landsleute von Lego mit diesem Pokal aus ziemlichen vielen gelben Steinen gebaut. Danke, sieht echt klasse aus, aber am Sonntag Nachmittags würden wir dann doch gern den echten „Henkelmann“ hier in Europa behalten!

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