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Ryder-Cup-Finale: Brookline, Medinah und einige Fragen vor den Einzeln

Allerlei aus Paris: Jacklins großes Lob für „Moliwood“, Caseys Tränen, McIlroys Emotionen, Tigers Frust und Mickelsons Bauch.

Ryder Cup 2018 Splitter Tag 3 Einzel in Paris
Die euopäischen Fans wollen freilich kein amerikanisches Comeback sehen. (Foto: Getty)

10:6, das ist schon mal ein Brett und hätte so wohl kaum jemand gedacht: Europa braucht heute in den Einzeln 4,5 Punkte, um den Ryder Cup zu gewinnen, die Amerikaner müssen acht Matches für ein 14:14-Unentschieden holen, um den Pokal zu behalten. Das 10:6 ist aber wahrlich kein Grund, entspannt in den sonntäglichen Showdown zu gehen. Die Europäer haben 2012 in Medinah mit Teamchef José María Olazábal gegen Davis Love III‘s  Truppe selbst bewiesen, dass ein solcher Rückstand auch für eine Auswärtsmannschaft aufzuholen ist. Team Rot unter Ben Crenshaw wiederum war 1999 beim „Battle of Brookline“ ebenso im Hintertreffen und fertigte die von Mark James geführten Europäer noch ab. Beide Male war übrigens Amerikas heutiger Kapitän Jim Furyk mit von der Partie, beide Anlässe waren auch die größten Comebacks in der Historie des Kontinentalduells.

„Kommt Jungs, wir schaffen das! Wir haben das schon mal geschafft“, gab denn auch Jordan Spieth als Parole im Teamraum aus. Dafür freilich müssen sich vor allem auf beiden Seiten ein paar entscheidende Fragen klären. Zum Beispiel, ob Rory McIlroy gegen den selbstbewussten und famos aufspielenden US-Rookie Justin Thomas zu Hochform aufläuft? Ob Jon Rahm gegen Tiger Woods endlich seine gewohnte Performance von der Tour zeigen kann? Ob Tommy Fleetwood gegen Tony Finau auch ohne Francesco Molinari über sich hinauswächst? Ob Dustin Johnson gegen Ian Poulter ebenso verschlafen spielt und so schlecht puttet wie in den zwei Tagen zuvor oder doch endlich aufwacht? Ob Sergio Garcia gegen Rickie Fowler ebenfalls auftritt, als wäre der Spanier nie außer Form gewesen. Oder ob Henrik Stenson gegen Bubba Watson von seiner Ellenbogenverletzung nichts spürt?

Ein gutes Omen für Europa gibt es sowieso. Die USA haben ihren Vier-Punkte-Rückstand auf heimischem Grund wettgemacht. Und die drohende Nemesis des komplettierten Vierteljahrhunderts ohne Auswärtssieg haben die Roten auch im Hinterkopf…

„Moliwood“ erinnern an Ballesteros/Olazabal

Was für ein Kompliment! Der Siegeszug von Francesco Molinari und Tommy Fleetwood beim Ryder Cup mündete bekanntlich in den einmaligen Umstand, als bislang erstes Duo alle vier Matches der Team-Formate gewonnen zu haben. Tony Jacklin, Europas Ryder-Cup-Kapitän von 1983 bis 1989, erkannte in den beiden gar Merkmale des geradezu legendären Paares Severiano Ballesteros und José María Olazábal. „Je mehr ich von Molinari und Fleetwood sehe, desto mehr erinnern sie mich an die beiden großartigen spanischen Matadore, die ich erleben durfte“, sagte der 74-jährige Engländer. Fleetwood selbst befand nach dem gestrigen Erfolg über Tiger Woods und Bryson DeChambeau: „Wir waren heute so, so gut. Das ist wirklich emotional und wir haben erst Samstag.“ Warm anziehen, USA!



Casey: „Ich heule auch bei Filmen“

Zu Tränen gerührt: Paul Casey hatte unmittelbar nach dem 3&2 mit Tyrrell Hatton über Dustin Johnson und Rickie Fowler schon seinem Teamkapitän Thomas Björn in die Jacke geschluchzt und war auch bei den Interviews ziemlich nah am Wasser gebaut, als es um diesen so herbeigesehnten ersten Punkt des Ryder-Cup-Rückkehrers ging. „Dieses Event ist wie eine Droge. Wenn du es einmal geschmeckt hast, kannst du nicht mehr ohne auskommen. Es ist der absolute Wahnsinn“, sagt der 41-jährige Engländer, der auf Bitten von Thomas Björn von der PGA auf die European Tour zurückgekehrt war, um sich für Paris qualifizieren zu können, und in seinen beiden morgendlichen Einsätzen elf Birdies spielte, so viele wie kein anderer Europäer in den Fourballs. „Ja, es bedeutet mir unglaublich viel“, schämte sich Casey seiner Tränen nicht: „Ich bin stolz zu diesem Team zu gehören, mit den anderen elf Jungs in einer Reihe zu stehen, einen Punkt zu gewinnen. Aber macht um meinen Gefühlsausbruch nicht so viel Aufhebens, ich heule auch bei Filmen.“



McIlroy zeigt, dass er putten kann

Was zählt, ist auf‘m Platz: Gefühlsausbrüche gehören zum Ryder Cup, und die von Ian Poulter und Rory McIlroy sind besonders mitreißend. Gestern freilich hatte „Rors“ eine besondere Botschaft. Als er im letztlich doch verlorenen Foursome-Match mit Poulter gegen Jordan Spieth und den heutigen Einzelgegner Justin Thomas seinen Putt zum Birdie versenkte, um das dritte Loch zu teilen, da dreht sich der 29-Jährige zur Menge rund ums Grün und schrie: „Ich kann nicht putten? Wer kann hier nicht putten!“ Gefolgt von ein paar weniger zitierfähigen Ausdrücken. Offenbar war McIlroy vorher wegen seiner Vorstellung auf den Grüns angerüpelt worden – und da platzt ihm halt schon mal der Kragen…

Phil Mickelsons Ryder-Cup-Abgesang?

Abgesang: Es ist sein zwölfter Ryder Cup, niemand in den USA hat jemals mehr bestritten, und es dürfte wohl auch sein letzter auf europäischem Boden sein. Phil Mickelson spielt in Paris eine eher traurige Rolle. Als „Captain‘s Pick“ kommt der fünffacher Majorsieger am allerwenigsten mit dem Albatros-Kurs von Le Golf National klar, der präzise  und gerade Schläge erfordert, während „Lefty“ vom Abschlag streut wie der Winterdienst bei Schneeeinbruch. Gestern durfte Mickelson zum zweiten Mal in seiner Ryder-Cup-Karriere den ganzen Tag lang zuschauen und muss ausgerechnet gegen Open-Champion und Dreamteam-Hälfte Francesco Molinari auf einen versöhnlichen Abschluss hoffen.

„Ich habe mir mehr von ihm erwartet, aber so ist es nun mal und damit müssen wir umgehen. Es ist auf jeden Fall gut, jemanden wie Phil im Teamraum zu haben, er bringt halt viel mehr ein als nur sein Spiel,“ sagte US-„Skipper“ Jim Furyk über seinen langjährigen engen Freund, weiß aber selbst, wie höflich er damit gerade ist: „Falls diese Aussage Sinn ergibt.“ In Bezug auf einen, der zuvorderst auf dem Platz Punkte bringen soll, eher nicht. Einen Bauch, an dem man reibt, um sich Glück zu holen, hätte Mickelson auch als Vize-Kapitän mitgebracht:





„Dodo“ Molinaris Spott für Patrick Reed

Vorgeführt: Eigentlich wollte sich Patrick Reed nach Henrik Stenson in Gleneagles 2014 und Rory McIlroy in Hazeltine 2016 nun am Sonntag gern Europas „Mister Ryder Cup“ Ian Poulter vorknöpfen, aber die „blinden“ Einzelaufstellungen der beiden Teamchefs haben ihm Tyrrell Hatton beschert, über den ein Sieg sicher eher weniger prestigeträchtiger wäre. Es scheint aber, als habe der 28-jährige Texaner momentan ohnehin eher mit sich selbst zu tun: „Captain America hat seine Superkräfte verloren“, schrieb „Golf.com“ über den Masters-Sieger, der in Paris an der Seite von Tiger Woods sichtbar geschrumpft ist. Zu allem Überdruss musste er er dann auch noch auf Twitter den Spott von Edoardo „Dodo“ Molinari ertragen, der während des Vierballs gegen das Dreamteam mit seinem Bruder Francesco und Englands Tommy Fleetwood folgendes postete:

Tiger Woods und seine Bilanz mit Partnern

Negativbilanz: Ein mit dem 80. PGA-Tour-Sieg gekröntes, fast unwahrscheinliches Comeback; eine neue, nahbare, zugewandte Attitüde – der neue Tiger Woods offenbart Erstaunliches. Nur in einem ist der Superstar der Alte geblieben: Woods ist keiner, der im Team zur Höchstform aufläuft, sich vom Korpsgeist inspirieren und anstacheln lässt. In der achten Kontinentalduell-Teilnahme hat Woods mit Patrick Reed und Bryson de Chambeau die Partner Nummer 12 und 13 seiner Ryder-Cup-Karriere verschlissen; die persönliche Bilanz bleibt mit 19 Niederlagen bei neun Siegen und einem Unentschieden in den Partner-Formaten unterirdisch für einen Spieler seiner Güte. Was wundert es, dass sich der 42-Jährige vor dem heutigen Duell mit Jon Rahm gehörig frustriert zeigte: „Ich bin ziemlich angepisst von der Tatsache, dass ich drei Matches verloren habe. Und ich hatte nicht das Gefühl, schlecht gespielt zu haben.“

Zwiespalt im Hause Garcia

Hin und her gerissen: Der eine spielt für Europa und puttet phasenweise wie ein „junger Gott“, die andere trägt als Reporterin für den amerikanischen TV-Sender „Golf Channel“ eher das „Stars&Stripes“-Banner auf der Stirn und dürfte heimlich dem US-Team die Daumen halten. Dieser Ryder Cup in Paris ist für Sergio Garcia und seine Frau Angela Akins womöglich eine kleine Belastungsprobe in Sachen Loyalität. Andererseits ist Akins, die selbst ein respektables 3er Handikap spielt, in diesen Tagen vermutlich zuvorderst Spielerfrau, wie schon in Hazeltine 2016:

Zur Einstimmung auf den Showdown

Zum Schluss: Zur Einstimmung auf den heutigen Showdown ein bisschen „Powwow“, wie die Indianer sagen, Kriegsgesang und -tanz. Für den Rest muss Thomas Björns blaues Dutzend sorgen – Go Europe!

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