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Tommy Fleetwood: Vom Platzrekord-Halter zum Champion Golfer?

Allerlei von der Open: Kisner und Johnson unter einem Dach, McIlroy denkt um, Vorwürfe gegen Woods, ein Golf-Nerd namens Stone.

Tommy Fleetwood spielte am Freitag die beste Runde der bisherigen Open Championship. (Foto: Getty)
Tommy Fleetwood spielte am Freitag die beste Runde der bisherigen Open Championship. (Foto: Getty)

Der Mann mit dem geschenkten Regenschirm träumt vom ganz großen Coup: „Wenn ich mir ein Turnier aussuchen könnte, das ich gewinnen darf,“ sagte Tommy Fleetwood gestern nach seiner makellosen 65er Runde, „dann ist es die Open.“ Es wäre der erste englische Triumph beim weltältesten Major seit Nick Faldo 1992, und die Buchmacher haben den 27-Jährigen umgehend auf den Schild gehoben, zumal Fleetwood seit der Alfred Dunhill Links Championship im vergangenen Herbst mit 63 Schlägen Inhaber des Platzrekords auf den Carnoustie Golf Links ist. Genug Gründe also, die Nummer 10 der Welt zum Favoriten zu küren: Fleetwood rangiert mit einer Quote von 11:2 vor Zach Johnson (13:2), Rory McIlroy (7:1), Jordan Spieth (8:1), Rickie Fowler (9:1) und Kevin Kisner (12:1).

Dabei musste Fleetwood gestern beinahe mehr Fragen zu seinem Regenschirm aus dem Merchandising-Shop beantworten als zu den sechs Birdies auf dem regenfeuchten Geläuf, mit denen er sich von 1 über auf 5 unter Par katapultierte. „Ich habe schlichtweg keinen Ausrüster für solche Sachen“, grinste der Engländer. „Also musste ich mir einen Schirm schenken lassen.“ Und fügte sehr ernst hinzu: „Es wäre schon speziell, hier das erste Major zu gewinnen, das kann ich nicht bestreiten. Aber gemach, wir sind erst bei der Halbzeit.“ Vergangenes Jahr bei seinem Heimspiel in Royal Birkdale war Fleetwood geteilter 27., bei der US Open in Shinnecock Hills musste er sich trotz einer 63er Finalrunde mit einem Schlag Rückstand hinter Brooks Koepka einreihen.

A closer look at Tommy's round 👀

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Kisner und Zach Johnson „in da house“

Unter einem Dach: Wohngemeinschaft scheint zu beflügeln, jedenfalls Kevin Kisner und Zach Johnson, die aktuell mit jeweils 6 unter Par an der Spitze dieser 147. Open Championship rangieren.



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Die beiden Amerikaner teilen sich ein angemietetes Haus mit Rickie Fowler und Jordan Spieth, beide auf T11 (-3) ebenfalls vorn dabei, sowie Jason Dufner und Jimmy Walker. Lediglich Justin Thomas dürfte nach seinem verpassten Cut bereits ausgezogen sein. „Das sind alles dufte Typen“, sagte Kisner, der gestern eine alleinige Führung von -8 im Barry Burn versenkte und die 18 mit einem Doppel-Bogey beendete.

OUCH Kevin Kisner shoots into the Barry Burn to finish his round with a double bogey

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„Alle sind ziemlich entspannt, wir kicken abends und haben eine Menge Spaß.“ Überdies sei es sehr hilfreich, „wenn man mitkriegt, wie sich solche großartigen Spieler über den Platz, die Strategie oder die Schlägerwahl an bestimmten Löchern austauschen“.

McIlroy: Weg von der Ergebnisdenke

Scharmützel am Rande: Rory McIlroy hatte in der jüngsten Vergangenheit so seine Probleme auf den Grüns, und Trainer-Legende Butch Harmon glaubt zu wissen, woran es liegt. „Er sieht aus wie ein Roboter, wenn ich ihn Übungsputts spielen sehe. Das ist alles viel zu mechanisch“, sagte Experte des TV-Senders „Sky Sports“ in Carnoustie. McIlroys Konter ließ nicht lange auf sich warten: „Er hat keine Ahnung, woran ich bei meinem Schwung konkret arbeite und was ich damit im Sinn habe – da kann man leicht urteilen.“ Der Nordire hat sich nach dem Masters eine neue Strategie zurecht gelegt. „Ich habe mir in der Vergangenheit zu viele Gedanken über das Ergebnis gemacht und war zu wenig auf den Prozess fokussiert, der dafür nötig ist“, führte McIlroy aus. „Der Finalsonntag von Augusta hat mich wieder mal viel gelehrt, auch wenn ich nicht gewonnen habe. Ich muss meine Gedanken einfach nur auf den Schwung und die Hingabe an jeden Schlag ,reduzieren‘.“ In Carnoustie zahlt sich das aus, nach zwei 69er Runde ist der vierfache Majorsieger vor dem „Moving Day“ bei der Open-Musik.

Confidence is high for @rorymcilroy after a second successive 69

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Spieth via Zuschauer wieder auf Open-Kurs

Rückmeldung mit Beule: Jordan Spieth ist wieder da. Nach seinem „Gehirnfurz“ vom Auftakt an der 18 überstand der Titelverteidiger das Finale von Carnoustie deutlich unbeschadeter, kassierte lediglich auf der 16 ein Bogey, aber das Par 3 ist ohnehin schwierigstes Loch des Platzes, das Feld liegt hier noch ein paar Prozentpunkte mehr über Par als auf dem mörderischen Schlussduo. Auf dem Weg zur 67 (-4) musste auf dem zehnten Fairway übrigens auch ein Zuschauer „dran glauben“, dem Spieth mit einem verirrten Drive eine Kopfnuss verpasste. Die BBC vermeldet dass der Ball ein Tempo von 225 km/h gehabt haben soll…

A great round from the 2017 Champion Golfer @jordanspieth 🏌️‍♂️

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Woods: „Habe Fans extra zur Seite gewinkt“

Üble Nachrede: Nach Tiger Woods‘ zweiter Even-Par-Runde sah sich der 14-fache Majorsieger gestern absurden Vorwürfen ausgesetzt. Angeblich soll er auf Bahn zwei absichtlich in die Zuschauer geschlagen haben, die sich nach seinem verirrten Drive ins rechte Rough an dieser Stelle versammelt hatten. Dabei hatten sowohl die mitlaufenden Sicherheitsleute als auch Caddie Joe LaCava und Woods selbst die Fans mehrfach gebeten, Raum zu geben. „Ich habe sie um fast 40 Meter zur Seite gewinkt“, sagte Woods, der angab, sich wegen seines Stands und der Lage des Balls auf einen Quick-Hook eingestellt zu haben. „Deswegen habe ich das Schlägerblatt so weit wie möglich geöffnet.“ Womöglich wirkte das, als habe er auf die Zuschauer gezielt. Woods selbst („Es hatte sich ziemlich viel Gras um den Schaft gewickelt“) war froh, dass der Ball noch weit genug flog, „um dann ein Wedge aufs Grün zu spielen“ und mit einem Bogey Schadensbegrenzung zu betreiben.

„D. J.“ und Thomas raus: Platz an der Weltspitze wäre frei

Einladung: Das Ausscheiden von Dustin Johnson und Justin Thomas – trotz gelochten Monsterputts (siehe Video) – bringt zusätzlich Würze ins Wochenende auf den Carnoustie Golf Links. Die beiden Amerikaner, noch Nummer eins und zwei der Weltrangliste, haben mit ihrem verpassten Cut nämlich die Tür weit geöffnet für ein neues Gesicht auf dem Platz an der Sonne. Brooks Koepka oder Justin Rose müssen allerdings gewinnen, um „D. J.“ abzulösen. Realistische Chancen freilich hat allenfalls der amtierende Doppel-US-Open-Champion Koepka mit fünf Schlägen Rückstand auf die Spitze, bei Olympiasieger Rose sind es schon deren neun.

When the putt‘s so long you have to post the video full screen

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Sunesson unterbricht für Scott den Ruhestand

Ein Paar für eine Woche: Adam Scott und seine Caddies sind eine Geschichte für sich. Seitdem Steve Williams in Rente gegangen ist, hat der Masters-Sieger von 2013 keinen festen „Looper“. In Carnoustie trägt nun jemand Scotts Tasche, die nicht weniger prominent ist als Scott selbst: Fanny Sunesson, die Schwedin, die bei vier der sechs Majorsiege von Nick Faldo an der Seite des Engländers war, zudem für Sergio Garcia und Henrik Stenson arbeitete, hat ihren von einem kaputten Rücken erzwungenen Ruhestand für die Open-Woche unterbrochen. „Fannys Erfahrung hilft mir unwahrscheinlich“, sagte Scott. „Sie hat mein Spiel sofort verstanden und wir sind auf einer Wellenlänge. Schade, dass es nur für diese Woche ist.“

Adam Scott and Fanny Sunesson embrace

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Verbände wollen „Grün-Bibeln“ einschränken

Einschränkung: Ab 2019 tritt bekanntlich eine Erleichterung der Golfregeln in Kraft. Für Teilnehmer an offiziellen Ligen und Meisterschaften oder für Tour-Professionals freilich wird‘s ab andererseits etwas schwieriger. R&A und USGA wollen der inflationären Entwicklung der „Green-Reading Books“ einen Riegel vorschieben, die sich zu millimetergenauen Landkarten mit detaillierten Angaben zu Slopes und Breaks entwickelt haben, auf denen nahezu jeder Grashalm verzeichnet ist. „Wir glauben, dass die Fähigkeit ein Grün zu lesen, integraler Bestandteil des Putt-Vermögens ist und bleiben sollte“, heißt es vom R&A. Kritiker der „Grün-Bibeln“ hatten immer wieder angeführt, dass damit Slow Play gefördert und das berühmte Händchen auf dem Grüns, der Touch, aus dem Spiel genommen werde.

Stone und die Hickory-Erfahrung

Zum Schluss: Und dann war da noch Scottish-Open-Sieger Brandon Stone, der nach seiner feinen 68er Auftaktrunde in Carnoustie mal schnell die 40 Kilometer nach St. Andrews rüber fuhr, um nachmittags den Old Course mit klassischen Hickory-Schlägern zu spielen. Wie war das noch: Du merkst, dass du golfverrückt bist, wenn...?

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