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Wentworth vor Tour-Heimspiel: Vom Politikum zum Schmuckstück

Auftaktspielort für Debüt der „Rolex Series“ mit vielen Stars gründlich überarbeitet. Tour-Boss Keith Pelley zufrieden, Titelverteidiger Chris Wood begeistert.

Justin Rose, Martin Kaymer und Henrik Stenson (v.l.) gehören im neu gestalteten Wentworth Golf Club zu den Favoriten auf den Sieg bei der BMW PGA Championship.
Justin Rose, Martin Kaymer und Henrik Stenson (v.l.) gehören im neu gestalteten Wentworth Golf Club zu den Favoriten auf den Sieg bei der BMW PGA Championship. (Foto: Getty)

Was hat er gewettert, dieser Keith Pelley, über all die Unzulänglichkeiten vor der Haustür seines Hauptquartiers. Die BMW PGA Championship auf dem West Course von Wentworth sei eines Flaggschiff-Turniers nicht würdig, zu wenig Geld, ein in die Jahre gekommener, renovierungsbedürftiger Platz, kaum Glamour. Jetzt, sagte Keith Waters, als Chief Operating Officer die Nummer zwei der European Tour, vor einiger Zeit im exklusiven Gespräch mit Golf Post, sei der Boss ziemlich zufrieden: „Wentworth ist wieder ein Schmuckstück!“ Zudem als Premieren-Event der „Rolex Series“ finanziell ebenfalls ordentlich aufgehübscht. Und mit allerlei Entertainment „gepimpt“.

„Morgenröte“ aus China

Läuft für Pelley! Noch nicht ganz – Achtung, Wortspiel! – wie ein Schweizer Uhrwerk, weil der Kanadier für das bedeutendste Turnier auf europäischem Boden nach der Open Championship gern eine Dotierung von acht bis zehn Millionen Dollar hätte. Doch sieben Millionen „Bucks“ sind ja schon mal eine Hausnummer, immerhin rund 1,3 Millionen Dollar mehr als der bisherige Preisgeldtopf. „Inakzeptabel“ hatte Pelley den genannt.

Auf ihrer Internetseite preist die European Tour nun ebenso prosaisch wie folgerichtig die „Morgenröte einer neuen Ära“. Auch das lässt sich doppeldeutig interpretieren. Denn die Sonne geht bekanntlich im Osten auf, und ohne den chinesischen Besitzer von Wentworth wäre das „Remake“ des ehrwürdigen West Course kaum möglich gewesen. Tour-Vize Waters sprach von einer „großartigen Zusammenarbeit“, von generösen Partnern, die verstanden hätten, worum es gehe, mit denen man bei notwendigen Maßnahmen nicht wegen „ein paar zehntausend Dollar“ feilschen müsse.

Schlagzeilen über Mitgliederpolitik

2014 hatte die Reignwood Group mit Sitz in Peking den englischen Prestige-Club vor den Toren Londons und seine drei Championship-Plätze gekauft, blätterte dem Vorbesitzer, Minirock-Erfinder und Milliardär Richard Caring, 169,2 Millionen Dollar für das Resort in Virginia Water hin. In der Folge sorgten Reignwood-Patron Dr. Chanchai Ruayrungruang und seine Tochter Woraphanit zuvorderst durch ihre Mitgliederpolitik für Schlagzeilen. Der „Altbestand“ sollte durch saftige Beitragserhöhungen kräftig ausgedünnt werden, um Raum für eine neue, grundsätzlich millionenschwere Klientel zu schaffen. Begründet wurde das mit notwendigen Investitionen in die Plätze und sonstigen Einrichtungen.



Als die erbosten Mitglieder mit einer Klage drohten, sich sogar beim Parlament über eine „ernsthafte Belastung des englisch-chinesischen Verhältnisses“ beschwerten und überdies das britische Außenministerium sowie Chinas Botschaft involviert waren, wurde die Causa Wentworth endgültig zum Politikum. Schließlich legte Ruayrungruang seine Luxuspläne ad acta.

Alle Grüns saniert, Bunker entschärft

Investiert wurde trotzdem. Die Arbeiten am West Course begannen, kaum dass Chris Woods im vergangenen Jahr seinen Siegputt gelocht hatte. Unter der Federführung des Tour-Ablegers European Tour Design und in Zusammenarbeit mit Ernie Els Design – „The Big Easy“ hatte das ursprüngliche Werk des legendären Architekten Harry S. Colt schon 2005/2006 um 280 Meter verlängert und um 30 Bunker ergänzt – wurden alle Grüns „skalpiert“, ganz neu gebaut oder mindestens remodelliert, mit einer modernen Beregnungsanlage sowie einer unterirdischen Belüftung versehen und wieder eingesät.

Außerdem verschwanden 29 Bunker, die verbliebenen hat man entschärft. „Viele waren tief und schwierig, jetzt sind sie nicht mehr so unerbittlich. Aus einigen Fairway-Bunkern können wir sogar die Fahne attackieren“, befand unlängst Titelverteidiger Wood: „Und die neuen Grüns sind phantastisch. Gegenüber 2016 ein Unterschied wie Tag und Nacht. Wentworth wird dieses Jahr viel Spaß machen!“



Henrik Stenson und Justin Rose als Favoriten

Daran ändert auch das Fehlen von Rory McIlroy nichts. Anstelle des Weltranglistendritten, der seinen Rippen-Ermüdungsbruch auskuriert („Ich hätte den neuen Platz gern gespielt“), sind Open-Champion Henrik Stenson als Nummer 5 der Welt und Englands Top-Spieler Justin Rose (9.) in die Favoritenrolle geschlüpft. Die beiden Olympiahelden führen bei den Buchmachern deutlich. Bernd Wiesberger ist an Nummer 5 gesetzt, Martin Kaymer rangiert auf Platz 9.

Selbst Ian Poulter, eigentlich kein Wentworth-Freund, will‘s nach seiner golferischen Renaissance bei der „Players“ auf dem modifizierten West Course nochmals versuchen. Dafür fehlt Masters-Sieger Sergio Garcia. Aber der Spanier versuchte sich in den vergangenen 17 Jahren ohnehin nur zwei Mal (2013, 2014) im „Vorgarten“ der European Tour.

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