Golf-Knigge für's Ausland: Die Dos & Don'ts in fremden Gefilden
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Andere Länder, andere Sitten: Kleiner Auslands-Knigge

In anderen Ländern herrschen auf dem Golfplatz andere Sitten. Für manche Situationen ist man besser vorgewarnt.

Ein Badegast beobachtet das Spiel der Pure Silk Bahamas LPGA Classic im Ocean Club auf den Bahamas. (Foto: Getty)
Ein Badegast beobachtet das Spiel der Pure Silk Bahamas LPGA Classic im Ocean Club auf den Bahamas. (Foto: Getty)

Golf, das ist Tradition, das ist Kultur - beides zeigt sich auch in der Etikette des Spiels. Weltweit spielen Menschen Golf und prägen das Spiel mit ihrer landeseigenen Kultur. Golfetikette ist also nicht gleich Golfetikette - andere Länder haben auf dem Platz andere Sitten als wir zahlenvernarrten Deutschen hierzulande.

Italien: Heilige Mittagspause

In italienischen Golfclubs geht es leger zu. Wenn nicht gerade ein Turnier stattfindet, kommt es sehr häufig vor, dass ein Flight vor Ihnen plötzlich verschwindet oder ein anderer auftaucht. Wetten, das ist an der Neun bzw. Zehn der Fall? Italienische Golfer haben es nämlich gern, nach den ersten Neun zu einem ausgiebigen Mittagessen ins Clubhaus einzukehren und dann den zweiten Teil der Runde anzugehen.

Südafrika: Caddie-Gehalt

Caddies sind eine Spezialität afrikanischer und asiatischer Länder. Die Männer oder Frauen verdienen damit ihren Lebensunterhalt. Erkundigen Sie sich vorab beim Caddie-Master, was in Sachen Caddie-Fee Pflicht und was die Kür ist. 100 Rand Trinkgeld sind in Südafrika umgerechnet nur neun Euro, im Land aber viel Geld.

Südafrika: Lake-Bälle nicht angeln

In Deutschland ist die Ballangel beinahe in jedem zweiten Bag ein unentbehrliches Accessoire. Rettet es doch viele Euros, indem man die Wasserbälle der anderen angelt. An Loch 12 auf dem Lost City Course in Südafrikas Sun City, einem mittleren Par-3, sollte man diese Unart lassen: Weder mit Angel noch mit der Hand. Hier wohnen die fettesten und größten Krokodile des Landes.

Thailand: Zocken mit Geldscheinen

Thailand hat eigene Gesetze - vor allem, was das Königshaus betrifft. Der lockere Umgang mit der Landeswährung kann verflixt problematisch werden. Treten Sie nie auf Geldscheine oder Münzen oder spucken Sie zum Spaß beim Zocken darauf. Der König ist auf jede Baht-Note gedruckt und Einheimische lassen keine Beleidigung ihres Königshauses zu.



Burma: Heilige Buddhas

Egal, ob Sie Burma, Birma oder Myanmar sagen: Beim Golfen dort sollten Sie aufpassen. Die Sonderplatzregel auf dem Golfplatz von Bagan besagt, dass Sie einen Freedrop bekommen, wenn Sie mit Ball oder Schläger im Spiel eine der vielen Buddha-Statuen berühren sollten. Nehmen Sie diese Regel ernst und verletzen Sie nicht die Religiosität der Einheimischen!

USA: Nicht mit Handicap vorstellen

Sie outen sich sofort als Deutscher, wenn Sie sich bereits am Abschlag mit Ihrem Handicap auf's Komma genau vorstellen. US-Golfer wollen „Fun“ haben und nicht Komma-Arithmetik. Also lassen Sie kleinliches Gefrage und schlagen Sie ab, wenn Ihnen der Einheimische am ersten Tee den Vortritt lässt.

USA: Zigarren und Alkohol

Amerika ist bekanntlich auch das Land der gewordenen Nichtraucher. Nicht so auf den Golfplätzen. Der US-Boy springt in Golfcart und hat nicht selten bereits eine dicke Havanna im Mund. Wenn dann die Barmaid mit ihrem mobilen Verpflegungswagen kommt, gibt der geneigte Bonvivant schon einmal eine Runde Bourbon oder anderes Hochprozentiges aus. Ein Nassauer, wer nur genießt und nicht einen ausgibt. Es kann ja auch ein Hot Dog sein. Mitgebrachte Getränke und Sandwiches auf dem Platz sind tabu!

Kanada: Kein Bier im Cart

In Nordamerika sind die Gesetze mit Alkohol am Steuer sehr streng. Dies betrifft auch Golfer, die sich am Steuer ihres Golfcarts schon mal ein Bier genehmigen. So lange dies innerhalb der Grenzen des Platzes geschieht – kein Problem. Sollte aber das Cart über eine öffentliche Strasse rollen und sei es nur für fünf Meter, ist Alkohol im Cart strafbar.



Schottland: Schnell spielen

Ein Schild an der 17 eines schottischen Golfplatzes gibt zu bedenken: „Wenn Sie bisher mehr als dreieinhalb Stunden gespielt haben, sollten Sie überlegen, ob Golf Ihr Spiel ist.“ Das meinen die ernst. Schotten spielen nicht nur bei Nieselwetter in kurzen Hosen und ohne Schirm, sondern verplempern auch keine Zeit mit großen Debatten, wer was am letzten Loch gespielt hat. Sie besprechen das nach der Runde bei einem Whisky, dann werden auch Wetten beglichen und Streitfragen geklärt. Man merkt eben, dass hier Handicap 20 die obere Grenze zum Dilettanten ist.

Tschechien: Erdhörnchen-Regel

Diese Sonderplatzregel dürfte ziemlich einzigartig sein: Im Golfclub Karlsbad, zwanzig Kilometer hinter der deutschen Grenze, stimmen sich Spieler und Zähler auch im Turnier darüber ab, ob sie einen Ball auf dem Fairway gesehen haben, der aber tatsächlich nicht mehr da liegt. Im positiven Falle, dass sich beide einig sind, gibt’s einen Freedrop. Des Rätsels Lösung: Vorwitzige Erdhörnchen klauen die Bälle und horten sie in ihren überall an den Löchern erkennbaren Erdbauten.

Welche sonstigen Sitten haben Sie im Ausland beobachtet?