Der „Golf-Nomade“: Es braucht Oasen für die Zielgruppe des Zeitgeists
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Der „Golf-Nomade“: Es braucht Oasen für die Zielgruppe des Zeitgeists

Über Ansprache und Umgang mit einer schwierig greif- und erreichbaren Klientel in der modernen Freizeitkultur. Eine Betrachtung.

Golf-Nomaden: Clublos glücklich. (Foto: Getty)
Golf-Nomaden: Clublos glücklich. (Foto: Getty)

Ein Schreckgespenst geht um: der Golf-Nomade, huuuhh! Das ist irgendwie ein unschönes Wort, klingt nach Marodeuren, Messietum und Mietschulden; geprägt wurde der Begriff in den USA. Dabei sind bloß vereinsungebundene Golfer gemeint, die von Platz zu Platz ziehen, auf der Suche nach den grandiosen Grüns dieser Welt – oder wenigstens nach famosen Fairways in ihrem Lebensumfeld. Das ist an sich nichts verwerfliches, sondern schlichtweg golferischer Zeitgeist. An dieser Stelle war vor kurzem von der flüchtigen Spezies des „casual Golfer“ die Rede. Es meint dasselbe, ist indes wesentlich freundlicher ausgedrückt und positiver belegt.

Die Golfversion der Spaßgesellschaft

Aber vielleicht ist die negative Konnotation ja gewünscht: Den Amerikanern schmeckt die Vereinsflucht ihrer Golfer genauso wenig wie dem organisierten Golfsport hierzulande, der 2018 erstmals erkennbar ins Minus rutschte, weil die Zuwächse aus der Altersklasse der Baby Boomer das mangelnde Wachstum in den jüngeren Generationen nicht mehr kaschieren können. Letztlich ist die Vokabel auch irgendwie verräterisch. Sie stigmatisiert und verdeutlicht damit womöglich nur die Hilflosigkeit im Umgang mit einer schwierig greif- und erreichbaren Zielgruppe.

Der Golfnomade ist so ziemlich das Äquivalent bzw. die Golfversion der heutigen Spaßgesellschaft, die sich kaum noch einer Sache verschreibt und stattdessen – befeuert vom Überfluss des Entertainment-Angebots – hier mal ein bisschen Thrill nascht, da mal etwas Amüsement kostet, das Ganze möglichst verpflichtungsfrei, mit wenig zeitlichem Aufwand und trotzdem schnellstmöglichem Erfolgserlebnis. Der verschreibungspflichtige, weil komplexe Golfsport, für den es Zeit, Trainingsfleiß, Geduld und ein hohes Maß an Aufwand vielfältiger Art braucht und der ohnehin mit einem wenig coolen Image behaftet ist, hat da einen schwierigen Stand; Golfclubs, die – nach dem Motto „Das haben wir immer schon so gemacht“ – stur an Strukturen kleben, stehen eh auf verlorenem Posten.

Kaum noch Bock auf Club

Was hier seit Jahren fast mantrahaft gepredigt wurde, der Wandel in der Freizeitkultur nämlich, ist mittlerweile „common sense“. Und dass Golf keine Insel der Seligen ist, erleben Verbände und Vereine alljährlich auf schmerzhafte Weise – jedenfalls sofern ihr Konzept immer noch und unverrückbar die Selbstverwaltung tradierten Agierens zum Mittelpunkt hat. Marktforschungen bestätigen, dass hierzulande die klassische, beim Deutschen Golf Verband registrierte Mitgliedschaft die Golf-Organisationsform mit dem geringsten Wachstum ist. Oder kurz: Immer weniger Menschen haben Bock auf Club. Ebenso wenig auf langatmige 08/15-Turniere, auch dafür braucht es keine Analysten, allenfalls den Blick in die Praxis und auf die Startlisten.

Doch es gibt auch gute Nachrichten, denn die Lösung liegt auf der Hand, wenngleich natürlich einfacher gesagt als getan: Anreize schaffen! Im Marketingsprech heißt das Unique Selling Proposition, das einzigartige Verkaufsversprechen. Warum soll der Kunde ausgerechnet hierher kommen? Was findet der Gast hier, was er nicht an jeder Ecke findet? Klug geführte, nach kaufmännischen und marktwirtschaftlichen Prinzipien geführte Golfanlagen haben das längst erkannt und sich daran ausgerichtet, in praktischer Umsetzung bereits oder zumindest mit ihrem Konzept 2.0. „Best-Practice“-Beispiele gibt es zur Genüge, unter dem Claim „Golf im Wandel“ wollen wir sie künftig in loser Folge vorstellen.

Wow!-Faktor und Networking

Diesmal jedoch geht der Blick noch über den großen Teich, wo auch im Mutterland des Marketings das Umdenken eingesetzt hat. Mitgliederversammlung und Meisterbrett sind passé, jedenfalls dort, wo Betreiber und professionelle Manager das Sagen haben. Die Anlagen nehmen die Golfbälle von den Augen, denken über ihre Zielgruppen und deren Bedürfnisse abseits von Drive und Putt nach, rüsten um, erweitern ihr Angebot …



Zuvorderst ist da der Wow!-Faktor: sehenswertes, erlebenswertes, erzählenswertes. Das kann der Platz selbst sein. Oder Turnierformate fernab des Üblichen. Besondere Angebote, von den schönen Künsten bis zu Weinproben und kulinarischen Verkostungen, die überdies Bezug zu Erzeugern in der Region schaffen können, Stichwort Corporate Citizenship. Clubs im Club, die Wein-, Kulinarik- oder Literatur-Society. Vielleicht auch Business-Networking-Events, wenn man doch sowieso Golf-Geistesverwandte zu Gast hat. Das große Spektrum des Gäste-Beziehungsmanagements und der Service-Mentalität.

Reizthemen Preispolitik und Dresscode

Zum Schluss zwei Reizthemen: die Preispolitik mit der fatalen Neigung, sich dem Discount-Denken sowie der Geiz-ist-geil-Mentalität anzupassen und so in den Strudel der Abwärtsspirale zu begeben, statt eben ein besonderes, ein wertiges und genauso vermittelbares Produkt zu gestalten, das dann auch seinen Preis hat. Und: Vielleicht muss man doch darüber nachdenken, die eine oder andere rigide Regelung zu reformieren, um wenigstens eine Chance zu haben, jüngere Generationen, die vielzitierten Millennials oder Generation Z‘ler, anzusprechen. Ja, es ist von Bekleidungsetikette bzw. Dresscode, Handy-Handhabung oder Clubhaus-Ausstattung die Rede …

Noch mal zurück zum „Golf-Nomaden“. In der Begrifflichkeit liegt ja auch Perspektive, so volatil er sich zuerst anhört. Nomaden sind zwar wanderungswillig, allerdings kehren sie auch immer wieder an solche Stellen zurück, die ihren Bedürfnissen gerecht und ihnen angenehm waren. Oasen nennt man diese Fleckchen gemeinhin, grüne Refugien in der Wüste (der Beliebigkeit). Mehr muss man doch nicht sagen …



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