Internationalisierung und Großevents - Golfclub Bad Saarow
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Internationalisierung und Großevents – Golfclub Bad Saarow

Zukunft des Golfs | Golf Post im Gespräch mit Betreibern von Golfanlagen. Dieses Mal mit Saskia Zieschank vom Golf Club Bad Saarow.

Seit 2004 betreibt A-Rosa die Golfplätze in ihrem Golfresort am Scharmützelsee. (Foto: A-Rosa)
Seit 2004 betreibt A-Rosa die Golfplätze in ihrem Golfresort am Scharmützelsee. (Foto: A-Rosa)

Der Wandel des Golfsports ist in aller Munde. Der gesellschaftliche Wandel beeinflusst die Bedürfnisse auf dem Golfmarkt und in den Golfclubs selbst. Bei Golf Post lesen Sie wie sich Golfclubs den Sport in Zukunft vorstellen. So einzigartig wie jeder Club, sind auch die Ansätze zur Bewältigung der kommenden Aufgaben. Die Betreiber der unterschiedlichsten Golfplätze im Gespräch mit Golf Post, dem Digitalen Zuhause für Golfer.

Golf Club Bad Saarow

Das A-Rosa Resort am Scharmützelsee, auf dessen Gelände sich der Golfclub Bad Saarow befindet, wurde im Juni 2004 eröffnet. Doch eine Autostunde von Berlin entfernt war der vornehme Kurort, seitdem dort Heilquellen erschlossen wurden, ein Anziehungspunkt für Künstler und gestresste Großstädter. Der russische Schriftsteller Maxim Gorki erholte sich hier von einer Lungenkrankheit. Box-Weltmeister Max Schmeling heiratete Anny Ondra in der Dorfkirche. Die Golfanlage selbst liegt wie das Resort in einem 300 Hektar-Parkareal am süd-westlichen Ufer zwischen Reichenwalde und Wendisch Rietz.

Mit drei abwechslungsreichen 18-Loch-Plätzen für Golfer in jeder Spielstärke steht in Bad Saarow eine der größten Golfanlagen Deutschlands. Designed wurden der Stan Eby Platz, der Arnold Palmer Kurs und der Nick Faldo Platz vom jeweiligen Namensgeber. Dazu kommen der Jake Mc Ewan 9-Loch-Kurzplatz sowie zwei Driving Ranges. Insbesondere der Faldo Course ist ein Highlight. Der naturbelassene Par-72-Kurs bietet schottisches Links-Design mit 133 tiefen Pot-Bunkern, dünenähnlichen Fairways und ondulierten Grüns. Der 6486 Meter lange Platz eröffnete bereits 1996 und war Austragungsort für Veranstaltungen wie der German Open 1998 und 1999, der Amateur World Championship sowie der Mannschafts-Weltmeisterschaft 2000 und der European Senior Tour 2001.

Highlight des Golfangebots in Bad Saarow ist der Faldo Course im schottischen Links-Design. (Foto: A-Rosa)

Highlight des Golfangebots in Bad Saarow ist der Faldo Course im schottischen Links-Design. (Foto: A-Rosa)

„Wir wollen heute wieder dahin zurück, wo wir hergekommen sind und verstärkt große Turniere austragen“, erklärt Saskia Zieschank, Managerin Golf und Sport des GC Bad Saarow. Die Brandenburgerin ist seit 2017 wieder in Bad Saarow tätig. Nachdem sie im A-Rosa Resort ihre Ausbildung als Sport- und Fitness-Kauffrau absolvierte, war sie zunächst Assistentin der Clubleitung im GC Schönbuch, Clubmanagerin im GC Ebersberg, Assistentin des Direktors im schottischen Gleneagles Resort, in dem der Ryder Cup 2014 ausgetragen wurde sowie Golfverantwortliche auf einem Kreuzfahrtschiff.

Wieder große Turniere austragen

Zwar trafen unter anderem bei den Mannschaftseuropameisterschaften 2018, die besten 16 Golf-Mannschaften Europas auf dem Faldo Course aufeinander und der Big Bang, das größte Einzelturnier Deutschlands mit 333 Teilnehmern fand 2019 am Scharmützelsee statt, aber die Phase der großen Profiturniere fällt in die Zeit bevor A-Rosa die Anlage übernahm. Als Kempinski Hotel lief der Betrieb des Golfresorts in Bad Saarow seit 1997. Zwar bewegten sich die meisten Hotelnutzer ziemlich locker in Golfkleidung, kurzen Tennis- oder in Reithosen, dennoch schottete man sich ab. In dieser Zeit versperrte eine Schranke samt Pförtner den Eingang auf das Gelände. „Viele Bewohner der umliegenden Gemeinden haben das bis heute nicht vergessen“, erklärt Zieschank und so speisen sich aus dieser Zeit die Vorurteile auch gegenüber dem heutigen Betreiber, der faktisch jedoch sowohl die Sportanlage als auch das Hotelrestaurant für jedermann geöffnet hat.

Saskia Zieschank sieht das Potential des Golfresorts auf vielen Ebenen: unter anderem als Golf Club, als Hotelbetrieb und als Turnieraustragungsort. Doch auch wenn Größe und Vielseitigkeit sowie Lage und Historie der Anlage ideal erscheinen, um ein Resort zu betreiben, birgt Tradition auch Verpflichtung, die in alle Ebenen problematisch hineinwirken kann und aufwendig, teils diplomatisch gelöst werden muss.



So arbeitet Zieschank derzeit noch auf Club-Ebene an den Nachwirkungen der Fusion des A-Rosa Golfclubs mit dem Sporting Club Berlin, die gemeinsam zum Golf Club Bad Saarow geworden sind. „Die Idee des Angebots von Segelsport, Tennis und Golf des Sporting Clubs Berlin ist keine schlechte, aber 2017 hatte der Club keine 300 Mitglieder mehr. Die meisten waren wohnhaft in Berlin, so dass die Nutzung nicht zu einer Auslastung führen konnte. Mal abgesehen davon, ist eine Clubmeisterschaft, an der keine 30 Personen teilnehmen, nicht wirklich ein Highlight“, erklärt Zieschank. Zudem galt der Sporting Club als Elitär: Aufnahmegebühr, Gebührenordnung uns so weiter: „Wannsee kann sich das erlauben, für uns war es aber nicht mehr zeitgemäß“, so Zieschank weiter.

Deshalb gründete man 2004 den A-Rosa-Golfclub als Resort Club als erweiterndes Angebot. Der geringere Beitrag rechtfertigte sich durch geringere Leistungen und dadurch sei eine Art zwei-Klassen-Gesellschaft auf der Anlage entstanden. Die unterschiedlichen Vereine waren Thema im Clubhaus und führten zu Interessenskonflikten. „Ausserdem führten zwei Vereine zu doppeltem Aufwand in allen Bereichen. Also haben wir sie zusammengeführt“, so Zieschank. Der GC Bad Saarow ist als GmbH gegründet. Zwar würden einige Mitglieder den Wegfall des formellen Mitspracherechts bedauern, die meisten freuten sich aber, dass sie im Ehrenamt entlastet würden. „So ganz ohne Ehrenamt geht es aber nicht. Abgesehen davon, dass das ehrenamtliche Engagement einen großen Teil zur Identifikation mit dem neuen Club beiträgt, bin ich auf die Hilfe der Mitglieder bei der Turnier-Organisation angewiesen“, erklärt Zieschank. In der zweistufigen Mitgliedschaft ist noch zu erkennen, dass der neue Club aus unterschiedlichen Vereinen geboren wurde. Und innerhalb des Resorts gibt es auch heute einen Yacht- und einen Tennisverein, die durch Kombiangebote auf von Golfern genutzt werden können.

Der Arnold Palmer Platz liegt am nächsten zum Hotel und bleibt den Winter über geöffnet. (Foto: A-Rosa)

Der Arnold Palmer Platz liegt am nächsten zum Hotel und bleibt den Winter über geöffnet. (Foto: A-Rosa)

Der Hotelbetrieb des A-Rosa Resort erhielt bereits drei Jahre nach der Übernahme des Kempinski, im Oktober 2007, und als erstes Golfresort die Klassifizierung „5 Sterne Superior“ des Bundesverbands Deutscher Golfanlagen und wurde immer wieder ranghoch ausgezeichnet: mehrmals in Folge „Europas bestes Golfhotel“ oder „Germany’s Best Golf Hotel“ der World Golf Awards. Dennoch stehen Tradition und Größe anscheinend in einem gewissen Mißverhältnis zum Ertrag. Denn eine 63-Loch-Anlage bedeutet einen enormen Aufwand. „Wir haben tatsächlich einmal überlegt auf 54 Löcher zu verkleinern. Grundsätzlich sind nicht alle Anlagen den Winter über geöffnet. Nur ein Platz geht nicht in den Winterschlaf“, so Zieschank. Von Dezember bis Februar bleibt der Arnold Palmer Platz geöffnet, da er sich am nächsten zum Hotel befindet. Auch der Jake Mc Ewan 9-Loch-Kurzplatz bleibt geöffnet.

„Aber nicht nur die Auslastung ist problematisch, auch geeignetes Fachpersonal zu bekommen ist eine Herkulesaufgabe“, erklärt Zieschank, die seit längerer Zeit zwei Stellen nicht besetzen kann, weil geeignete Bewerber fehlen. „Obwohl es im Resort eigene Wohnungen für Angestellte gibt“, ergänzt sie. Der Fachkräftemangel herrscht – trotz besten Renommees – überall im Golfresort: im Restaurant, in der Hotellerie und auf dem Golfplatz. Die anderen Mitarbeiter seien entsprechend überlastet.



Golfnahe Angebote ausweiten

So müssen GC Bad Saarow und A-Rosa ihr Potential noch weiter zu nutzen lernen. Das Portfolio wird mit golfnahen Angeboten – Adventure Golf oder Swing Golf – ausgebaut. Die Gruppenangebote werden aufgestockt. Vor allem in die Plätze wird in naher Zukunft noch viel investiert. Anders als die generelle Tendenz, Plätze immer einfacher zu machen, wird der Faldo-Platz bald sportlicher. Erika und Ginster werden ihn wieder zu einem echten schottischen Links-Kurs machen, ihn sozusagen in seinen Originalzustand versetzen. „Wir haben zwei weitere 18-Loch-Plätze, da können wir einen doch etwas schwieriger machen“, erklärt Zieschank. Außerdem werde der Faldo Course nunmehr durchgängig für E-Carts befahrbar gemacht. „Dann kann man auch den Faldo-Platz noch besser für Turniere nutzen.“

Wasser hinter Bunker und erhöhtem Grün, das ist der Stan Eby Platz in Bad Saarow. (Foto: A-Rosa)

Wasser hinter Bunker und erhöhtem Grün, das ist der Stan Eby Platz in Bad Saarow. (Foto: A-Rosa)

Auch in der Werbung für die Anlage wird sich etwas ändern. „Wir haben uns zu sehr auf Deutschland fokussiert. Aus Skandinavien gibt es aber hervorragende Flugverbindungen nach Berlin. Schon heute gibt es viele Schweden, die bei uns golfen. Das ist sicher aber noch ausbaufähig“, so Zieschank. Grundsätzlich müsse die Entwicklung in Richtung Internationalisierung gehen. „Wir kommen von der Ryder Cup Bewerbung, da muss man nicht tiefstapeln.“ Zieschank denkt beim Thema Ausbau des Turnierbetriebs an die Ladies European Tour, den Solheim Cup aber auch die European Tour der Herren. „Ausserdem ist Berlin immer wieder ein Kandidat für die Olympischen Spiele. Da böte sich Bad Saarow als Austragungsort des Olympischen Golfs doch an.“

Der DGV und A-Rosa hatten sich 2015 mit dem Faldo-Platz um die Austragung des Ryder Cup 2022 beworben. Und der Schlag, dass Italien und nicht Deutschland den Zuschlag für die Austragung des Ryder Cups 2022 bekam, saß und sitzt tief. Auch Nick Faldo, der entscheidend in die Bewerbung Bad Saarows involviert war, zeigt sich immer wieder von der Entscheidung gegen seinen Platz betroffen. Die Golflegende ist auch sonst stark mit Bad Saarow verbunden. Seine Faldo Series der besten deutschen Nachwuchsspieler findet jedes Jahr am Scharmützelsee statt. 2015 fand hier sogar das internationale Weltfinale der Faldo Series statt.

Förderung für Nachwuchsgolfer im Golfclub Bad Saarow

„Eine grundsätzlich nachwuchskräftige Anlage sind wir nicht. Wir haben eine andere Ausrichtung, da die Gegebenheiten dafür nicht passen“, so Zieschank. Zwar kooperiere man mit drei Schulen im Projekt „Abschlag Schule“, außerhalb des schulischen Rahmens und der Faldo Series sei es aber schwierig Nachwuchsarbeit zu betreiben, da es bis zu diesem Jahr keine Bushaltestelle vor dem Resort gab. „Auch heute fährt der Bus selten und die Fahrt dauert lange. Deshalb sind Kinder auf Eltern und Verwandte und deren Fahrdienste angewiesen“, so Zieschank. Dennoch werde aussichtreichen Junggolfern aus einkommensschwachen Familien das Equipment gesponsert und auch für die Kids Sport Camps in den Sommer- und Herbstferien gäbe es Fördermöglichkeiten bei entsprechender golferischer Leistung.



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