Links geht‘s lang – Golf erlebt eine Renaissance der Ursprünglichkeit
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Links geht‘s lang – Golf erlebt eine Renaissance der Ursprünglichkeit

Urwüchsige Plätze, „gute“ Gräser statt Überwässerung und Überdüngung: Der Ursprung des Spiels wird zum ökologischen Trend.

Der Renaissance Club in Schottland gehört zu den beliebtesten Links-Golf-Plätzen. (Foto: Getty)
Der Renaissance Club in Schottland gehört zu den beliebtesten Links-Golf-Plätzen. (Foto: Getty)

Irish Open, Scottish Open, British Open: Die Golfwelt ist gerade ziemlich „Links lastig“, sogar US-Stars wie Justin Thomas, Rickie Fowler oder Matt Kuchar kommen über den großen Teich, um sich an den Küsten der britischen Inseln auf die Open Championship in Royal Portrush einzuschießen. Vor einem halben Jahrhundert war das noch ein verwegener Trip, und bis heute zieht Linksgolf zuvorderst Traditionalisten und Puristen in seinen Bann. Doch die genuine Form des Spiels ist  moderner denn je, ist wieder State of the Art. Golf erlebt eine Renaissance der Ursprünglichkeit.

Golf ist kein Umweltschmarotzer mehr

Das liegt nicht zuletzt am ökologischen Geist, der Einzug gehalten hat. Denn Golf ist längst kein Umweltschmarotzer mehr, der Flächen frisst, Naturlandschaften verschandelt, kostbares Nass verplempert und mit Chemiekeulen Boden und Grundwasser kontaminiert. Im 21. Jahrhundert kehrt das Spiel zu den Wurzeln zurück, auf denen seine Begründer ihm den Boden bereitet haben.

„Links“, definiert das Oxford Dictionary, „ist flacher oder gewellter Sandboden an der Küste, bewachsen mit Rasen oder grobem Gras.“ Links, so wird vermutet, stammt vom altenglischen „hlinc“, gleich unfruchtbar, dürr. Linksland war nutzloses Land, damals in Schottland, die Verbindung (link) zwischen der See und den Humusböden, zwischen Wellenschlag und Stadtmauer. Kaninchenland. Von Wind und salzigem Wasser heimgesucht. Allenfalls karge Weide für anspruchslose Schafe.


Urwüchsige, ungekünstelte, spröde Spielflächen

Linksland liegt immer an der offenen See, an großen und kleinen Buchten. Bretthart im Sommer, durch den Sandboden bestens entwässert in Niederschlagsphasen. Bewachsen mit Strandhafer und Schwingelgras, Heidekraut und Ginster. Linksland kann küstentypischen Baumbestand, muss aber keine Dünen haben. Hier ist Golf entstanden.

Die Spielflächen sind wie das Land, das sie trägt. Urwüchsig, ungekünstelt, spröde. Naturbelassen. Links-Golfplätze „sind ein Erbe, das bewahrt und erhalten werden muss“, schreibt der australische Autor David Worley in seinem empfehlenswerten Bildband „Journey Through the Links“: „Sie verkörpern die Geschichte dieses Spiels.“



Erfolgreiche Zukunft durch den Reiz der Vergangenheit

150 bis 160 „echte“ Plätze gibt es noch, die meisten davon auf den britischen Inseln. Grandiose, ruhmreiche Spielwiesen, allen voran der Old Course in St. Andrews, die Alma Mater des Golfwesens, von der Natur geschaffen, vom Menschen nur verfeinert und seit jeher für Golfplatz-Designer heiliger Gral und Blaupause gleichermaßen. Dazu kommen 100 bis 120 Neuzugänge überall auf dem Globus, wunderschöne Anlagen, deren erfolgreiche Zukunft im Reiz der Vergangenheit liegt. Nicht selten entstehen sie auf Industriebrachen – das großartige Chambers Bay nahe Seattle im US-Bundesstaat Washington etwa ist in den Kessel einer ehemaligen Kiesgrube gepflanzt – oder auf Konversionsflächen wie der Golfclub Budersand im Süden von Sylt.

Erfolgreiche Zukunft durch den Reiz der Vergangenheit: "Neue“ Linkskurse wie Chambers Bay. Foto: Michael F. Basche Erfolgreiche Zukunft durch den Reiz der Vergangenheit: „Neue" Linkskurse wie Chambers Bay. Foto: Michael F. Basche

Sie alle sind gesuchte Raritäten, Sehnsuchtsorte für Puristen, Kleinode samt und sonders. Auch wegen des Naturschutzes oder der strengen Auflagen – und damit aktueller denn je. Vorbei sind die Zeiten, in denen auf Teufel komm raus gewässert und gedüngt wurde, um schmarotzende Gräser zu pimpen – Hauptsache, das Geläuf ist dickflorig und sattgrün. Moderne Golfplätze sind Refugien für Fauna und Flora, Rückzugsräume der Artenvielfalt.

„Golf trägt zum Naturschutz bei“

Sogar in den USA, wo auf seelenlosen Anlagen aus der Retorte früher die Gewässer blau und der Belag noch grüner eingefärbt wurden, werden Plätze mit nachhaltigen Grassorten neu eingesät, die signifikant weniger Wasser benötigen. Weltweit fördern die Golf-Institutionen diese Entwicklung mit Handlungsempfehlungen, Anleitungen, Studien. Der Deutsche Golf Verband (DGV) hat unter dem Titel „Golf und Natur“ seit gut zehn Jahren ein selbstverpflichtendes und proaktives Umweltmanagementsystem für Golfanlagen aufgelegt, einen Leitfaden zur umweltbewussten und nachhaltigen Arbeit. „Golf trägt zum Naturschutz bei, davon sind wir ganz fest überzeugt“, sagt DGV-Präsident Claus M. Kobold.

Beim Golfer selbst hat ebenfalls ein Umdenken eingesetzt. Lange bestimmte das Masters“ in Augusta den Blick aufs Golfplatz-Ideal, diese Art Bundesgartenschau mit pünktlich zum Erblühen gebrachten Azaleen, ausgeklügelten Bewässerungssystemen, Rasenheizung, Heerscharen hilfreicher Hände und nicht zuletzt einer weitgehenden Schonung des Ensembles über das ganze Jahr für diese eine besondere Woche. Linksland mit seinem genügsamen Bewuchs wie dem Schwingelgras Festuca indes braucht keine ausufernden Wasserbeigaben, seine Flora hat ihre Widerstandskraft schon lange vor Dünger und Pestiziden bewiesen.



„Wieder Natur in ausgeräumte Landschaften bringen“

Auf ökologisch sinnvoll gestalteten Parcours sind die Halme nicht immer grün, sondern manchmal gelb, gar bräunlich. Das lässt sich jetzt wieder allerorten beobachten. Und es liegt mitnichten an einer unbezahlten Wasserrechnung, sondern am natürlichen Verhalten „guter“ Gräser wie besagtem Festuca, die bei unwirtlichen Bedingungen, sei es Hitze, Trockenheit oder Kälte, schlichtweg Kraft sparen und eine Ruhepause einlegen, ohne dabei durch Dauerbewässerung vor dem Zugrundegehen gerettet werden zu müssen.

Aus der Golfgeschichte geformt: Die neuen Bahnen des Golf Club Föhr. Foto: Michael F. Basche Aus der Golfgeschichte geformt: Die neuen Bahnen des Golf Club Föhr. Foto: Michael F. Basche

Der Düsseldorfer Landschaftsarchitekt und Golfplatz-Designer Christian Althaus konzipiert solche Kurse. Auf Föhr beispielsweise, wo die Bahnen des GC Föhr in ihrer kunstvoll arrangierten Urwüchsigkeit wirken, als seien sie aus der Geschichte des Spiels geformt. Linksgolf eben. „Heutzutage werden Golfanlagen zumeist in ,ausgeräumten‘ Landschaften genehmigt, auf ehemals landwirtschaftlichen Flächen beispielsweise. Hier gilt es, die Natur zurück zu bringen, wieder Naturraum zu entwickeln“, erläutert Althaus, der wie jeder gute Architekt bei seinen Planungen penibel darauf achtet, „Bauweisen, Gras- und Pflanzenarten auszuwählen, die im Unterhalt günstiger und ressourcenschonender sind, d.h. weniger Dünger, weniger Wasser, weniger Treibstoffe, weniger Spritzmittel etc. erfordern“.

Staubbinder und Sauerstofferzeuger

Ohnehin geht der Trend zum bioaktiven Greenkeeping, bei der die Experten so exotisch anmutende Hilfsmittel wie fermentierte Algen oder kompostierten Waldbodenbelag einsetzen. Und apropos Wasser: Nach der Devise „Jeder Tropfen zählt“ ermöglichen computergesteuerte, auf meteorologischen Prognosen stützende Bewässerungssysteme den präzise gezielten Einsatz von Sprinklern.

Die Links von WINSTONgolf: Staubbinder und Sauerstoff-Produzent. Foto: Michael F. Basche Die Links von WINSTONgolf: Staubbinder und Sauerstoff-Produzent. Foto: Michael F. Basche

Wie sich das in Zahlen auswirkt, verdeutlich Jordan Tschimperle, der als Course Manager bei WINSTONgolf nahe Schwerin die Verantwortung für drei Top-Plätze mit insgesamt 45 Löchern trägt: „Unser Wasseraufwand liegt bei 90 Litern pro Quadratmeter im Jahr.“ Außerdem: „Das Wasser kommt aus eigens gebohrten Brunnen. Wir holen es aus dem Boden, und es geht in den Boden zurück.“ Bei sandigem Untergrund funktioniert der zudem noch als natürlicher Filter und Wasserreiniger.

In Deutschland belegen die insgesamt 730 registrierten Golfanlagen eine Fläche von rund 48.000 Hektar. Ihre Grasnarbe und Vegetation reduzieren die Erosion des Bodens auf nicht mal ein Prozent, binden jährlich ca. 500.000 Tonnen Staub und produzieren statistisch gesehen pro 18-Loch-Platz Sauerstoff für bis zu 7.000 Menschen. Damit trägt Golf längst zum ökologischen Fußabdruck bei.



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