Ryder Cup: Kapitän Harrington hat Matthias Schwab im Visier
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Ryder Cup: Kapitän Harrington hat Matthias Schwab im Visier

Unschuldslamm Pepperell, furchtsamer Reed, beleidigter Norman, ambitionierte Saudis und dazu Betonplatten-Golf. Die Back Nine.

Einer der Aufsteiger der Saison wird nun mit dem Ryder Cup in Verbindung gebracht: Matthias Schwab. (Foto: Getty)
Einer der Aufsteiger der Saison wird nun mit dem Ryder Cup in Verbindung gebracht: Matthias Schwab. (Foto: Getty)

Wenn der Ryder Cup naht, lohnt es sich immer, die Turnierauftritte des jeweiligen Kapitäns besonders zu beachten. Gern lassen sich die Skipper mit künftigen Teammitgliedern oder potentiellen Picks in einen Flight stecken, um sich die Kandidaten aus der Nähe anzuschauen und sie besser kennen zu lernen. Padraig Harrington, Europas Chefdirigent für Whistling Straits 2020, macht da keine Ausnahme. Und so drehte der Ire an den ersten beiden Tagen der Turkish Airlines Open seine Runden mit dem späteren Zweiten Matthias Schwab und dem Franzosen Victor Perez, Gewinner der Alfred Dunhill Links Championship. Es sei durchaus als „Test“ zu verstehen gewesen, sagte der fünffache Majorsieger später. „Ich komme nächstes Jahr um zwei, drei Rookies nicht herum, und beide haben sich auch unter diesem Druck wacker geschlagen. Besonders Matthias spielte sehr gut, das war ein gutes Zeichen. Er beherrscht auch diese Situationen.“ Der Anfang für das Ryder-Cup-Debüt des Österreichers ist gemacht.

Pepperell droht wohl empfindliche Strafe der Tour

Nachspiel: Das „Bälle-Bad“ von Eddie Pepperell an Tag drei der Turkish Airlines Open dürfte nicht ohne Folgen bleiben. Dem englischen Profi, der auf Loch 4 bei der Annäherung etliche Kugeln ins Wasser drosch, anschließend angab, leer geschossen zu sein, und daraufhin disqualifiziert wurde, dürfte eine empfindliche Strafe seitens der European Tour drohen. Nach seiner seltsamen Aktion, die fraglos mit den mangelnden Turnier-Perspektiven nach einigen Bogeys zuvor zu tun hatte, gab der 28-Jährige selbst natürlich das Unschuldslamm. „Es ist nicht der Rede wert, die Leute mögen sagen, was sie wollen, aber mir sind einfach die Bälle ausgegangen. Mehr war‘s nicht“, erklärte Pepperell. Auf die Frage, wie viele Bälle er überhaupt dabei gehabt habe, antwortete er ausweichend: „Es waren schon etliche, aber ich habe auch zuvor schon einige verloren.“

Patrick Reed und der Presidents Cup: Hai-Alarm

Ambivalenz: Natürlich hat sich Patrick Reed über die Wildcard von Teamchef Tiger Woods gefreut, aber was „Captain America“ beim Stichwort Australien zuerst in den Sinn kommt, sind weder der Austragungsort Royal Melbourne noch die Gegner im internationalen Team von Ernie Els, sondern: Haie! Er sei total begeistert und freue sich auf seinen ersten Australien-Trip überhaupt, sagte Reed am Rand der Turkish Airlines Open, zumal er soviel Gutes über den fünften Kontinent gehört habe und die Australier auf der Tour allesamt dufte Typen seien. „Doch vom Ozean werde ich mich definitiv fern halten. Ich mag diese Art Meer nicht, ich mag Haie nicht. In Australien gibt‘s offenbar jede Woche Hai-Alarm, aber das einzige, was ich an Angriff erleben will, sind die Attacken des US-Teams auf dem Platz.“

Lucy Li wird prophylaktisch Profi

Vorbereitung: Lucy Li ist 17 und schon eine Art Golfgröße, seit sie 2014 Lexi Thompson überflügelte und sich im Alter von 11 Jahren als jüngste Spielerin aller Zeiten für die US Women's Open qualifizierte. Jetzt hat Li die Q-School bestritten und einen limitierten Zugang zur Symetra Tour gesichert, der Damen-Liga unterhalb der LPGA Tour. Obwohl die Kalifornierin mit chinesischen Wurzeln frühestens in einem Jahr mit Golf Geld verdienen darf – sie wird am 1. Oktober 2020 erst 18 Jahre alt – ist sie schon mal prophylaktisch ins Profi-Lager gewechselt. Als Amateur und zwischenzeitlich Weltranglisten-Dritte war Li bereits abseits der Fairways durch eine gewerbliche und damit verbotene Anzeigenkampagne mit Apple aufgefallen, war aber von der USGA nicht sanktioniert worden.

Tiger Woods: Um Ruhm ging es mir nie

Außen vor: Greg Norman ist sauer auf Tiger Woods.  Nach dessen Masters-Triumph im April schickt der „Große Weiße Hai“ aus Australien dem nunmehr 15-fachen Majorsieger und Nachbarn in Florida einen handschriftlichen Glückwunsch und gab diesen persönlich beim Wachmann vor Woods‘ Anwesen ab. Freilich, das Schreiben blieb bis heute unbeantwortet, und Norman fühlt sich ignoriert, ja missachtet. Immerhin gebe es eine Art Anstandsregel, auch was den Umgang der Golfgenerationen miteinander betreffe. Aber, so Norman: „Vielleicht hat er den Brief erst gar nicht bekommen, oder er kann mich einfach nicht leiden.“ Derweil hat Woods gegenüber dem Sender „CNN“ im Rahmen eines Interviews zum Presidents Cup erklärt, dass ihn Ruhm nicht interessiere: „Darum ging es mir nie. Deswegen spiele ich nicht Golf.“ Vielleicht liegt‘s ja auch daran …



Mitgliederschwund: Historische Clubs fusionieren

Überflügelt: Wer hätte das gedacht: Der „kleine“ Nachbar Golfing Union of Ireland hat erstmals mehr organisierte Mitglieder als das Golf-Mutterland Schottland. Im jüngsten „ Golf Participation Report for Europe“ der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG werden 182.000 irische und nordirische Club-Golfer gegenüber 180.000 schottischen aufgelistet. Vor sechs Jahren lagen die Schotten noch mit fast 210.000 um 10.000 Golfer vor den beiden Irlands. Im Gesamtranking liegt England mit 645.151 Clubgolfern weiterhin vor Deutschland (642.240), Schweden (461.404) und Frankreich (412.726), das durch den Ryder Cup einen leichten Anstieg verzeichnete.

Montrose Links an der schottischen Ostküste: 1562 erstmals erwähnt und damit fünftältester Golfplatz der Welt. Foto: David Basche

Montrose Links an der schottischen Ostküste: 1562 erstmals erwähnt und damit fünftältester Golfplatz der Welt.  (Foto: David Basche)

Dazu passt, dass gerade an der schottischen Ostküste zwei historische Clubs fusionieren, um Aktivitäten zu bündeln, Aufwand zu optimieren und Kosten zu sparen. Der Royal Montrose Golf Club, neuntältester Club der Welt (1810 gegründet), und der Montrose Mercantile Golf Club von 1879 schließen sich zum Royal Montrose Mercantile Golf Club zusammen. Das Clubhaus des „Mercantile“, dessen Mitgliedschaft in den vergangenen zehn Jahren von rund 1.000 auf 400 gesunken ist, wird verkauft und der Erlös in die Renovierung des anderen Vereinsheims investiert. Der genutzte Golfplatz ist übrigens der Montrose Golf Links, wo seit 1562 gespielt wird und der damit der fünftälteste Kurs der Welt ist.

Saudis wollen im Golf-Business mitmischen

Big Player: Saudi Arabien will offenbar unbedingt auf der großen Golfbühne mitmischen. Im Anschluss an das European-Tour-Turnier Saudi International, wegen Menschenrechtsverletzungen, mangelnder Gleichstellung und nicht zuletzt der Verwicklung in die Ermordung des Journalisten Jamal Khashoggi ohnehin umstritten, soll nun Anfang Februar 2020 in der King Abdullah Economic City ein „Golf Saudi Summit“ stattfinden. Bei dem Golf-Business-Gipfel wollen die Gastgeber ihre Erfolge bei der Golfentwicklung im Königreich sowie ihre „Vision 2030“ darstellen und mit den weltweiten Golf-Entscheidern netzwerken. Mal sehen, wer alles hinrennt und sich mit dem Regime gemein macht …

Auf den Trainer gehört und disqualifiziert

Der Coach hat nicht immer recht: Diese Erfahrung machte Collegegolfer D. A. Regala bei der Meisterschaft des Bundesstaats Maryland, als er nach seiner Runde die Scorekarte mit seinem Trainer verglich und der eine 5 notiert hatte, obwohl Regala eine 7 gespielt hatte. Regala gab dem Übungsleiter trotz Zweifels nach, sah dann hinterher die falsche Gesamtschlagzahl auf der Ergebnisliste, meldete seine Zweifel bei der Turnierleitung – und wurde wegen Abgabe einer falschen Scorekarte disqualifiziert. Überdies wurde beim Spirit International in Texas, einem internationalen Wettbewerb für Amateur-Zweierteams das US-Damenduo Emilia Migliaccio und Kaitlyn Papp vom Turnier ausgeschlossen, weil sie im Fourball ein Lochergebnis beim falschen Namen eingetragen hatten.



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