Dass sich Thomas
Rosenmüller für den „American Way“ entschieden hat, was seine weitere
professionelle Karriere im Golf angeht, hat verschiedene Gründe, war jedoch zunächst
gar keine so einfache Wahl. Nach seinem hervorragenden Ergebnis bei der Big
Green Egg German Challenge powered by VcG im Wittelsbacher Golfclub, vor allem
am Finaltag, hätte es zwei Optionen gegeben: Thomas hätte sich für den
europäischen Weg entscheiden können, was bedeutet hätte, in noch zwei
verbleibenden Turnieren zwei Top-10-Platzierungen erzielen zu müssen, um eine
Chance auf die letzten drei Turniere der Saison zu haben, unter anderem auch
das Challenge Tour Grand Final. Unwahrscheinlich war das nicht, gerade wenn man
seine herausragende Form bei der German Challenge in Betracht zieht. Ein Risiko
besteht jedoch im Golf nun mal immer, und gerade das Set-up europäischer Plätze
ist nicht das, was Thomas bevorzugt. Doch dazu gleich mehr.
„Zwei Schläge
besser am Finaltag der German Challenge, und es wäre klar gewesen, dass ich in
Europa bleibe. Zwei Schläge schlechter, und es wäre klar gewesen, dass ich in
die Staaten gehe. So musste ich jedoch noch mal gut überlegen, was jetzt am
sinnvollsten ist.“
Die zweite
Option, für die Thomas sich dann nach Beratungen mit seinem Heimtrainer Ken Willams
und auch mit Bundestrainer Ulli Eckhardt entschieden hat, lautete: Qualifying
School für die Korn Ferry Tour. Bereits mit dem Erreichen der Final Stage hat
man hier seine Mitgliedschaft sicher, was eine hervorragende Ausgangsbasis ist. Und
es gibt noch weitere Punkte, die – jedenfalls für Thomas Rosenmüller – für die
USA sprechen.
„Die amerikanische Kultur ist sehr stark auf Sport
aufgebaut. Egal wie schlecht es den Leuten hier gehen mag, Sport ist das, woran
sie sich wieder hochziehen können.“
Zu dem, was
jährlich bei den Waste Management Phoenix Open abgeht, kann man durchaus
unterschiedlicher Meinung sein, und nicht umsonst wird dieses Turnier als „the
greatest show on grass“ bezeichnet. Wenn an Loch 16, einem Par 3 mit echter
Stadionatmosphäre, abgeschlagen wird, gleicht das eher der Geräuschkulisse
eines American-Football-Spiels. Für manche europäischen Golfbegeisterten mag
das seltsam anmuten, für Thomas Rosenmüller ist das einer der Faktoren, die den
besonderen Stellenwert des Golfsports in den Vereinigten Staaten verkörpern.
„Auf den Glasplattengrüns in den Staaten geht der
Ball rein, wenn er auf der Linie ist und die Geschwindigkeit passt. In Europa sind
Golfplätze durch die klimatischen Bedingungen sehr oft gehandicapped, sodass
auch manchmal gute Putts nicht belohnt werden .“
Der dritte Grund,
warum Thomas Rosenmüller in den USA so happy ist, liegt schlicht am bereits
angedeuteten Unterschied, den für ihn das Set-up und Design sowie der
Pflegezustand der Golfplätze macht, gleiches gilt für die Trainingsbedingungen
und insgesamt auch für die Art und Weise, wie Golf in den USA gespielt wird. Als
Thomas im Interview berichtet, dass die eher schlechteren Trainingsbälle auf
der Range immer noch Titleist-Bälle und ProV1 eher der Standard als die Ausnahme
sind, bin ich schon ein wenig neidisch. Doch damit nicht genug: Auf vielen
Plätzen werden die Grüns mit der Hand gemäht, und das verwundert auch gar
nicht, wenn man weiß, dass die Philosophie in den Staaten eben eine ganz andere
ist. Da wird nicht, berichtet Thomas, einfach wild auf Fahnen gespielt, sondern
eher auch mal defensiver von den Fahnen weg, Richtung Mitte des Grüns. Die
Grüns sind meistens erhöht und gut durch Bunker und Hindernisse geschützt,
zudem möchte man nicht auf der kurzen Seite verfehlen, wenn die Grüns so hart und
schnell sind. Das Talentlevel im Golf ist so hoch und so dicht beieinander,
dass es eine echte Herausforderung ist, hier zu bestehen.
Dass seine
Putting Skills deutlich besser geworden sind, hat Thomas übrigens auch in
seiner deutschen Golfheimat Eichenried festgestellt, einem der Plätze, auf
denen die Grüns tatsächlich auch eher nach seinem Geschmack, also recht schnell
sind. In der nun startenden Saison wird er jedenfalls um die nach dem Winter
noch eher langsamen Grüns beispielsweise auf Turnieren in Skandinavien
herumkommen, mit denen er sich, wie er sagt, im letzten Jahr noch eher schwer
getan hat. Aktuell nutzt er in den Staaten auch die vielfältigen Trainingsmöglichkeiten
in den Bereichen Fitness und Verletzungsvorbeugung und -vermeidung. Ich wage zu
behaupten, dass eine Vielzahl an Däumchen hier in Deutschland gedrückt sein
wird, wenn Thomas im Januar auf den Bahamas in die Saison der Korn Ferry Tour
startet.