Derselbe Grund, andere Entscheidung
Als Reed 2022 zu LIV Golf wechselte, nannte er unter anderem die bessere Vereinbarkeit mit dem Familienleben als Grund. Das kürzere Turnierformat, weniger Reisen – das klang attraktiv. In der Praxis sah es anders aus. Seit 2022 spielte Reed in 27 verschiedenen Ländern, auf LIV, der DP World Tour und bei weiteren Einladungsturnieren.
Den Wendepunkt beschreibt Reed selbst so: ein Turnier in Dubai, ein Samstagabend auf der Driving Range. Die anderen Spieler gingen zum Abschlag, Reed war einer der letzten. Er merkte, dass er genau diesen Wettbewerb vermisst hatte.
„Ich stand dort in Dubai, die gesamte Range war voll, und dann verschwanden die Jungs einfach einer nach dem anderen. Ich war der letzte Mann auf dem Abschlag. Dann gehst du zum Tee, wirst als letzter aufgerufen, und du hast die Führung verloren, weil jemand 5 unter Par nach 8 Löchern ist. All diese Aufregung, diese Situationen – wieder so Golf zu spielen, wo du nicht nur gegen dich selbst kämpfst, sondern auch gegen die anderen auf der Bestenliste. Ich wollte das wieder haben, ich wollte dieses Adrenalin wieder spüren.

Kein Streit mit LIV – eine Entscheidung für die Familie
Zu diesem Zeitpunkt hatte Reed noch keinen neuen Vertrag mit LIV unterzeichnet. Reed betont, dass es keinen Konflikt mit LIV gab. Ein Angebot lag vor, er lehnte es ab. Die Begründung ist dieselbe wie beim Wechsel dorthin – nur mit anderem Ergebnis.
„Wir hatten einen Vertrag, hatten einen Deal. Aber am Ende des Tages war ich der Meinung, dass das Beste für uns war, zur PGA Tour zurückzukehren, damit ich näher bei zu Hause und bei der Familie sein kann."
Die PGA Tour spielt überwiegend in den USA. Für Reed, der mit seiner Familie in Texas lebt, bedeutet das kürzere Reisewege und mehr Zeit zu Hause. Genau das hatte er sich schon beim Wechsel zu LIV erhofft – und dort nicht gefunden.
Die vergangenen Wochen zu Hause beschreibt Reed als ungewohnt positiv. Er hat seinen Sohn zu Golflektionen begleitet, seine Tochter zu einem Volleyballturnier nach St. Louis gefahren. Beides Dinge, die in einem vollen Turnierkalender selten möglich sind.
„Es ist wunderbar, einfach Vater zu sein. Morgens früh meine Arbeit zu erledigen, zurückzukommen und die Kinder von der Schule abzuholen und eine tolle Zeit zu haben. Das ist etwas, das ich definitiv vermisst habe – nicht nur letztes Jahr, sondern auch früh in meiner Karriere, weil ich immer auf dem Sprung war und mich 24 Stunden täglich, 7 Tage die Woche auf Golf konzentriert habe."
27 Länder als Schule
Allein seit 2022 spielte Reed in 27 verschiedenen Ländern. Auf die Frage, wie ihn das geprägt habe, reagiert er zunächst mit einem Scherz – das mache ihn müde, das so zu hören – bevor er sachlich wird.„Ich bin der Typ, der, wenn er reist, die lokalen Orte aufsucht und die Kultur wirklich erlebt. Mit der Möglichkeit, weltweit zu spielen und ein weltweiter Spieler zu sein, wirklich einzutauchen und die Kulturen, die verschiedenen Küchen, die verschiedenen Gebiete zu erleben – das ist etwas, das mir wirklich am Herzen liegt."
Sportlich bewertet Reed das Reisen als nützlich. Wechselnde Böden, Zeitzonen und Spielbedingungen hätten sein Spiel robuster gemacht.
„Wenn du um die Welt reist, fühlst du dich manche Tage großartig, manche Tage nicht – wegen anderer Betten, anderer Zeitzonen, was auch immer. Ich glaube, das wird mir helfen, wenn ich zurückkomme und gegen diese Jungs spiele."
Sportliche Ambitionen bleiben
Auf die Frage nach seinem Vermächtnis antwortet Reed ungewohnt persönlich. Siege und Titel nennt er, aber nicht zuerst.
„Ich möchte mehr dafür bekannt sein, was ich abseits des Platzes tue – als Vater, als Ehemann – als nur als Golfspieler. Jeder weiß, dass ich Golf spielen kann."
Den sportlichen Ehrgeiz hat er trotzdem nicht abgelegt. Sein grünes Jackett vom Masters 2018 ist sein bisher einziges Major. Das soll sich ändern.
„Das eine Jacket wird langsam einsam. Vielleicht brauche ich noch eines."
