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Ben Hogan, Jack Nicklaus, Tiger Woods: Die größten Comebacks im Golf

Die Genesis des Superstars vom Schmerzpatienten zum Tour-Championship-Sieger ist surreal – solche Storys schreibt nur das Leben.

Tiger Woods schafft mit seinem 80. Sieg auf der PGA Tour eines der größten Comebacks in der Golf-Geschichte. (Foto: Getty)
Tiger Woods schafft mit seinem 80. Sieg auf der PGA Tour eines der größten Comebacks in der Golf-Geschichte. (Foto: Getty)

Man hätte sich an den Kopf getippt und ziemlich surrealen Quatsch moniert, wenn dieser Plott von einem Drehbuchautoren ersonnen worden wäre: Ein Held namens Tiger Woods, gespielt von einem gewissen Eldrick Tont W., kommt nach fünf sieglosen Jahren seit dem Gewinn des WGC – Bridgestone Invitational 2013, vier Rückenoperationen und mindestens drei persönlichen Krisen auf die Turnierbühne zurück, um – begleitet von seinen zwei Kindern – wieder die Nummer eins im Golf zu werden.

Den ersten Ryder-Cup-Auswärtssieg im Visier

Die Handlung kulminiert vorläufig im East Lake Golf Club zu Atlanta, wo der Protagonist am vergangenen Sonntag ausgerechnet das Finale der PGA Tour gewinnt und unter den Zuschauern prompt eine Massenhysterie auslöst. Vor einem Jahr hatte Woods noch offenbart, dass es in seiner Leidenszeit Tage gab, an denen er ohne fremde Hilfe nicht aus dem Bett kam, keinen Schritt ohne Schmerzen tun konnte, dass der Gedanke an Profigolf so weit weg war wie Alfs Planet Melmac, pure Fiktion mithin.



Ausgerechnet diese reinkarnierte Recke tritt nun eine Woche später mit einem haushoch favorisierten US-Team zum Ryder Cup in Paris an, um seiner Bilanz des Kontinentalduells mit dann acht Teilnahmen seit 1997 erstmals einen Auswärtssieg beizufügen. Es ist eine surreale Genesis, solche Storys schreibt nur das Leben! Daheim bejubeln die amerikanischen Medien derweil das sensationellste Comeback der Golf-, wenn nicht gar der gesamten Sportgeschichte. Aber ist Woods‘ Wiederbelebung wirklich das größte Ding „ever“?

Kaum einer polarisiert wie der Tiger

Jein! Der 42-Jährige ist vor allem die polarisierendste Figur, wohl des gesamten Sports. Allenfalls Fußballer Cristiano Ronaldo kann dem 14-fachen Majorsieger diesbezüglich das Wasser reichen. Im Golfsport jedoch ist Woods unerreicht. Keiner, nicht Jordan Spieth, nicht Rory McIlroy und sonst schon gar niemand, zieht dermaßen die Fans an, vereint in Sympathie oder Antipathie gleichermaßen, wie der Tiger. Die Tour Championship verzeichnete am Sonntag eine Steigerung der TV-Quoten gegenüber 2017 um sage und schreibe 206 Prozent! Bloß, weil der Mann, dem „einst das Spiel gehörte“ (der TV-Sender „ESPN“ in seinem Online-Portal), wieder auf Siegkurs war.



Eine ähnliche Popularität kennt die moderne Golfwelt bislang lediglich vom 2016 verstorbenen Arnold Palmer, der in den 1960er Jahren mit fliegendem Hemdzipfel, schnaufend, schwitzend und wie ein Berserker auf den Ball hauend zum Gesicht des Spiels wurde. Aber der „King“ war ein Idol, ausnahmslos geliebt und verehrt, nicht allein von seiner „Arnie‘s Army“. Palmer indes löste als dominierenden Golfer einen ab, der in Sachen größtes Comeback ein gewichtiges Wort mitreden könnte: Ben Hogan (1912 bis 1997). Was den neunfachen Majorsieger aus der Bahn warf, war im Gegensatz zu Woods freilich nicht großteils selbst verschuldet.

Fürchterlicher Autounfall, schwerste Verletzungen

Am 2. Februar 1949 fuhr das Ehepaar Hogan von Phoenix heim nach Fort Worth, als ihnen östlich von El Paso auf einer Brücke im Morgennebel ein Greyhound-Bus auf ihrer Spur entgegenkam. Es gab keine Ausweichmöglichkeit, der Cadillac krachte frontal in den Bus. Hogan warf sich schützend über seine Frau Valerie auf dem Beifahrersitz. Das rettete ihm das Leben, denn die Lenksäule durchbohrte den Fahrersitz.



Aber die Karriere des Golfers, der seit 1940 insgesamt 52 Turniere, davon drei Majors, gewonnen hatte, schien zu Ende. Eigentlich. Doppelter Beckenbruch, gebrochener Knöchel, gebrochenes Schlüsselbein, eine zersplitterte Rippe, später noch eine lebensbedrohliche Thrombose: Dass dieser Mann den fürchterlichen Autounfall und diese schwersten Verletzungen überlebt hatte, grenzte an ein Wunder. Laufen würde er nie wieder können. Sagten die Ärzte. Geschweige denn Golf spielen.

Unter Schmerzen zum US-Open-Triumph

59 Tage später wurde Hogan aus dem Krankenhaus entlassen. So eisern und manisch, wie er trainierte, betrieb er seine Rekonvaleszenz. 16 Monate nach dem beinahe tödlichen Crash, im Juni 1959, gewann der Texaner die US Open in Merion. Hogan war damals 37 Jahre alt, konnte nur unter Schmerzen laufen und quälte sich durchs Turnier und sogar durch ein 18-Loch-Stechen, bis er seine zweite „Offene Amerikanische“ sicher hatte. Er ließ weitere fünf Majors folgen, darunter 1953 den bislang unerreichten „Hogan Slam“, den Gewinn von Masters, US Open und Open Championship in einem Kalenderjahr, und machte damit wie zuvor Gene Sarazen sowie nach ihm nur noch Jack Nicklaus, Gary Player und Tiger Woods überdies den Karriere-Grand-Slam perfekt.

„Verbraucht, fertig, ausgelaugt“

Apropos Nicklaus. Der „Goldene Bär“ beendete seine Karriere auf der PGA Tour wie er sie begonnen hatte: mit einem Majorsieg. Pummelig und als „Fat Jack“ verhöhnt gewann er 1962 im Oakmont Country Club die US Open, ausgerechnet im Play-off gegen Arnold Palmer; als ältester Masters-Sieger aller Zeiten hörte er 1986 im Alter von 46 Jahren auf. Er war nicht verletzt, hatte auch keinen Unfall, doch selbst ihn, den „Jahrhundert-Golfer“, hatte man als „verbraucht, fertig und ausgelaugt“ schon in Rente geschickt. Dann feierte Nicklaus den sechsten Triumph im Augusta National Golf Club und das bis heute unerreichte 18. Major seiner einzigartigen Karriere.



Woods ist mit seinem Comeback also mindestens in bester Gesellschaft – und, siehe Nicklaus, es gibt noch eine Menge zu tun!

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