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Trainieren wie die Profis: Im Fitnessstudio am Schwung arbeiten

Kai Fusser hat Graeme McDowell und Annika Sörenstam fit für Majorsiege gemacht. Jetzt erklärt er Ihnen, warum grundlegende Fitness so wichtig ist.

Auch Natalie Gulbis schwört auf Fitnesstraining. (Foto: Getty)
Auch Natalie Gulbis schwört auf Fitnesstraining. (Foto: Getty)


Kai_Fusser_ProfilDer Autor: Kai Fusser ist Fitnesstrainer und lebt seit 1987 in den USA. Zu seinen Klienten gehör(t)en unter anderem Annika Sörenstam, Graeme McDowell, Sam Horsfield (Nr. 1 der Amateur-Weltrangliste) und Grant Hill (NBA). Die von ihm trainierten Golfer haben bereits 15 Majors und über 120 Turniere auf der PGA, LPGA, European und Japanese LPGA Tour gewonnen. Für alle, die an besserem und gesünderem Golfspiel interessiert sind, gibt Kai regelmäßig Seminare in Deutschland und Österreich.

Der Zusammenhang zwischen Fitness und Golf

Um den Zusammenhang von Golf und Fitness zu erklären, sollten wir zunächst einen Blick auf die Definition von Fitness werfen. Das Wörterbuch definiert Fitness als „den Zustand, körperlich intakt und gesund zu sein, vor allem als Resultat aus Bewegung und richtiger Ernährung“. In Bezug auf Sport (in unserem Fall Golf) bedeutet dies: Wir wollen kräftiger sein und in Kombination mit Schnelligkeit mehr Power haben, was wiederum zu mehr Weite führen sollte. Wir wollen bessere Beweglichkeit, was den Bewegungsradius vergrößert und zu noch größeren Weiten führen sollte. Wir wollen eine bessere Balance, um mehr Kontrolle zu haben. Wir wollen mehr Ausdauer, um ermüdungsfrei spielen zu können.

Diese vier Elemente der Fitness können einen signifikanten Unterschied in unserem Spiel machen, wenn sie richtig eingesetzt werden (wir alle kennen jemanden, der wirklich fit ist, aber keinen Ball trifft...). Das Gute ist, dass alle vier relativ einfach zu verbessern sind, wenn sie richtig trainiert werden – mit Arbeit und Ausdauer. Ich nenne diese Elemente gern “mechanical improvements”.

Bewegungsmuster sind entscheidend für die Golffitness

Des Weiteren gibt es unsere Bewegungsmuster, die nicht notwendigerweise mit unserem Fitnesszustand zusammenhängen. Diese Bewegungsmuster prägen ebenso die Qualität unseres Schwungs. Hier können wir einen besonders großen Fortschritt in unserem Spiel machen. Unsere Bewegungsmuster haben wir im Laufe unseres Lebens entwickelt: Die Art zu gehen, die Art zu heben, drücken, ziehen, rotieren oder (s)einen Körper oder Gegenstand zu beschleunigen oder abzubremsen. Auch wenn eines dieser Muster versagt, zeigt sich dies im Schwung (zum Beispiel ein steifes Bein, schiefe oder hängende Schultern, Verlust der geraden Körperachse, zu fester Griff, zusammengepresste Schulter oder Arme, zu geringe Schulter- oder Hüftrotation, zu wenig Beinarbeit, etc.).

Während die “mechanical improvements” mehr Zeit benötigen, um verbessert zu werden (sie sind außerdem eine langfristige Investition in unsere Gesundheit und sollten stets im Auge behalten werden), können die Bewegungsmuster relativ schnell verbessert werden.

Die ehemalige Annika Acadamy von Annika Sörenstam (Foto: Twitter.com @CaraRobbo)

Die ehemalige Annika Acadamy von Annika Sörenstam (Foto: Twitter.com @CaraRobbo)

In der Annika Academy sahen wir Golfer jeder Spielstärke, von Anfängern bis zu den besten, die je gespielt haben. Der durchschnittliche Gast blieb drei Tage, um seinen Schwung und sein Spiel zu verbessern. Ich konnte sie in dieser Zeit nicht „fitter“ machen, konnte aber mit einigen einfachen Übungen im Fitnessstudio ihre Bewegungsmuster einschätzen. Ich darf behaupten, dass die falschen Bewegungen aus dem Test in 99 Prozent der Fälle auch im Schwung auftauchten. Das ist nicht zuletzt durch die Beobachtungen unserer hervorragender Trainer Henri Reis, Charlotta Sorenstam und Mark Beriza belegt und dokumentiert wurden.

Deswegen ist Training ohne Schläger so wichtig

Nachdem ich die Fehler in den Bewegungen / im Schwung erkannt habe, kann ich korrektive Übungen an die Hand geben. Die Vorteile, Übungen im Fitnessstudio oder Zuhause (und NICHT auf dem Golfplatz) zu machen sind vielfältig: Man kann die Übungen langsam und kontrolliert machen, was der Konzentration und dem Lernen dient. Man kann sich zudem im Spiegel betrachten und so korrigierend eingreifen. Ebenso kann man mit größerer Last arbeiten (z.B. mit einer Hantel, Kabelzug, Gummiband, Medizinball) was das Feedback verbessert. Die Übungen können auch Zuhause gemacht werden. Am wichtigsten ist aber, dass man den „Ball-Effekt“ nicht hat – bewusst oder unbewusst bewerten wir immer die Flugbahn des Balles und reagieren mit dem Körper darauf.

Die richtigen Übungen führen dazu, dass die Korrekturen der Schwungfehler stärker greifen, als wenn man sie auf der Driving Range „behandelt“. Selbst wenn Sie nicht durch die harte Schule der „mechanical improvements” gehen wollen, tuen Sie sich den Gefallen, und machen Sie einige Übungen im Fitnessstudio oder Zuhause, um Schwungfehler zu korrigieren. Es wird Ihnen viel Zeit und Frust bei der Verbesserung Ihres Schwungs sparen.

Auf der anderen Seite wird ein gutes, altes “Work out” ihrer Gesundheit eine Menge Gutes tun.

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