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SPACECURL: Training wie im Weltraum für Stabilität und Balance

Ursprünglich für Astronauten entwickelt, bringt der SPACECURL heute Golfer ins Gleichgewicht. Nina Westphal weiß, wie es funktioniert.

Beim Training im Spacecurl werden verschiedenste Muskelgruppen beansprucjt und der Gleichgewichtssinn gefördert. (Foto: Spacecurl Hamburg)
Beim Training im Spacecurl werden verschiedenste Muskelgruppen beansprucjt und der Gleichgewichtssinn gefördert. (Foto: Spacecurl Hamburg)

Nina Westphal. (Foto: Spacecurl Hamburg)

Nina Westphal. (Foto: Spacecurl Hamburg)

Nina Westphal ist Sportwissenschaftlerin und war früher als erfolgreiche Leistungsportlerin als Mittelstrecklerin, Tri- und Duathletin unterwegs. Mittlerweile ist die aktive Ausübung von Sport nur noch Hobby, der passive Teil dafür aber Beruf und Berufung. Die 45-Jährige betreibt in Hamburg die sportwissenschaftliche Praxis beWEGung - für mehr Gesundheit. Unter anderem bietet sie Training im SPACECURL an, das Golfer zu mehr Stabilität, besserer Balance und weniger Rückenbeschwerden verhelfen soll. Ihr Motto: "Bewegung ist der beste Weg zur Gesundheit."

Golf Post: Nina Westphal, man kennt Spacecurl eigentlich nur von der NASA oder aus dem Freizeitpark. Was ist es und wie setzen Sie es ein?

Westphal: Der Spacecurl ist ein Medizinprodukt made in Germany, auch wenn es einen englischen Namen hat. Ein Team von Medizinern, Sportwissenschaftlern, Biomechanikern und Physiotherapeuten hat dieses weltweit einzigartige System des dreidimensionalen Trainings entwickelt. Die Belastungsanpassung kann individuell gesteuert werden, egal ob da ein großer Mann drin steht oder eine kleine Frau. Auch Golfer können von diesem dreidimensionalen, medizinischen Trainingsgerät profitieren. Das Training im Spacecurl ist für den gesamten Körper gut. Ich habe es über Rückenpatienten kennengelernt, bei denen es um die Verbesserung der posturalen Stabilität ging. Posturale Stabilität meint den Körper im Gleichgewicht, stabil und aufrecht zu halten. Das Training im Spacecurl zeigt mögliche Dysbalancen. Er wird für das Gleichgewicht eingesetzt, sowohl präventiv als auch rehabilitativ. Das Interessante ist, dass man in drei Dimensionen trainiert, wenn alle drei Ringe geöffnet sind. Das ist dann ganz physiologisches, effektives und spaßiges Training.

Golf Post: Wie funktioniert das Training im Spacecurl?

(Foto: Spacecurl Hamburg)

(Foto: Spacecurl Hamburg)

Westphal: Man stellt sich in den Spacecurl hinein, dann werden die Füße festgemacht und die Hüfte fixiert. Wenn nur ein Ring auf ist, geht es vor und zurück. Wenn zwei Ringe auf sind geht es vor, zurück, nach rechts und nach links und man kann kreisen. Bei drei Ringen kommt die dritte Dimension dazu, bei der ist noch mehr Arbeit gegen die Schwerkraft nötig. In dem Trainingsgerät arbeitet die Muskulatur auf reflektorische Art und Weise. So wird auch die Tiefenmuskulatur trainiert. Denn die lässt sich nicht willentlich anspannen, sondern sie reagiert nur reflektorisch. Auch Schmerzpatienten können darin trainieren, weil der Reflex schneller kommt als die Meldung vom Nerv zum Gehirn: "Da tut etwas weh." Die Muskelkoordination, die kleinen, feinen Muskeln vor allem an der Wirbelsäule werden angesprochen und trainiert. Die Wirbelsäule ist gerade beim Golf ein Schwerpunkt im Hinblick auf Rückenprobleme. Es gibt keinerlei Einschränkung der möglichen Bewegungsrichtung, der Ausschläge und der Geschwindigkeit.



Golf Post: Können nach gezieltem Training Muskeln besser, aktiver angesteuert werden?

Westphal: Ja, das ist eine schnellere Aktivierung. Die Muskelkoordination verbessert sich. Schmerzen können gelindert und beseitigt werden, damit die Dysbalancen ausgeglichen werden. Wenn man in dem Spacecurl steht und sich gleichmäßig auf beide Füße stellen soll, zeigt der Ring an, dass zum Beispiel das linke Bein mehr belastet wird, weil der Ring dann nach links kippt. Die Person, die darin steht, muss dann das Gewicht ein wenig nach rechts verlagern, selbst wenn es einem zunächst komisch vorkommt. Es wird einem angezeigt, wie es sein sollte, damit rechte und linke Seite im Gleichgewicht sind. Gerade Golfer haben ja ihre Schokoladenseite und neigen eher zu Dysbalancen als jemand, der nur spazieren geht.

Golf Post: Für welche Bereiche des Golfspielens hilft der Spacecurl konkret?

Westphal: Das macht sich besonders bei der Schlägerkopfgeschwindigkeit bemerkbar. Diese wird dadurch positiv beeinflusst, dass Rumpf und Gesäß trainiert werden. Die Hüfte wird stabilisiert, das hilft bei der Drehung, die von unten aus dem Gesäß, der Hüfte und über die schräge Bauchmuskulatur kommt. Dadurch, dass die posturale Stabilität, das Körpergefühl und die Haltung verbessert werden, hält man besser bis zum Ende der Runde durch und hat weniger Beschwerden. Manchmal möchte man an Loch 16 noch voll durchziehen, kann das aber nicht, weil etwas weh tut.



Golf Post: Wie oft sollte man im Spacecurl trainieren um einen Effekt herbeizuführen?

Westphal: Zunächst empfiehlt es sich, zweimal pro Woche zu trainieren. Zum Erhalt der Fähigkeiten wird es dann auf einmal, später auf einmal alle zwei Wochen reduziert. Das sind immer 30 Minuten bei einem Eins-zu-Eins-Termin mit mir. Ich stehe immer daneben, gebe Aufgaben und Hinweise, erschwere die Übung oder mache sie leichter. Es ist quasi Personal Training in einem, auf Deutsch gesagt, "geilen" Trainingsgerät.

Das Interview führte Tobias Hennig.

Video: Nina Westphal im Spacecurl in Aktion

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