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Der letzte Caddie: Hans Gerling, der einzige deutsche Berufscaddie

Hans Gerling führt ein aufregendes Leben. Er ist der einzige deutsche Berufscaddie auf der European Tour. Ein Interview.

Hans Gerling bei der Porsche European Open der European Tour. (Foto: Golf Post)
Hans Gerling bei der Porsche European Open der European Tour. (Foto: Golf Post)

Hans Gerling ist der einzige Deutsche, der regelmäßig und mit einem festen Spieler auf einer der Serien der European Tour unterwegs ist. Auf der Staysure Tour, der ehemaligen European Senior Tour, betreut er das Bag des Franzosen Marc Farry, auf der European Tour bekommt er immer wieder andere Spieler. Ein Gespräch über eine glückliche Fügung, das Leben mit zwei Jobs und gemütliche Kneipenabende.

Golf Post: Hans, du bist der einzige deutsche Caddie, der dauerhaft auf der European Tour unterwegs ist. Wie bist du dazu gekommen?

Hans Gerling: Das ist eine lange Geschichte. Ich bin über das Fernsehen dazu gekommen. Der Sportsender Sky hat vor einigen Jahren unter dem Motto "Werde einen Tag Caddie von Bernhard Langer für die BMW International Open in München" Caddies gesucht. Da habe ich mich beworben. Ich hörte, es wären ungefähr 580 Teilnehmer gewesen. Ich bin unter die ersten Zwölf gekommen. Am Ende habe ich den ersten Ryder-Cup-Spieler Schwedens, Joakim Haeggman, gekriegt. Wir haben uns sehr gut verstanden und es war eine tolle Runde. Er hat dann eine Empfehlung für mich rausgegeben auf der Senior Tour, weil er dort einen schwedischen Spieler kannte. Nach dem zweiten Turnier bekam ich den Franzosen Marc Farry. Mit ihm toure ich nun seit sechs Jahren durch Europa. Früher hatte er drei Caddies, dann baute er dies ab auf zwei Caddies. Mich und jemand anderen, weil ich nicht das ganze Jahr auf die Tour will. Ich bin Versicherungskaufmann und seit 35 Jahren selbstständig und bin ca. drei Monate im Jahr auf der Tour unterwegs. Die meisten Turniere mache ich auf der Senior Tour und ca. acht bis neun Turniere bin ich auf der Main Tour. Dort habe ich überwiegend eingeladene Spieler, wie hier bei der Porsche European Open. So bin ich an den Job gekommen.

Golf Post: Du sagtest, du bist über die Sky-Aktion an den Job gekommen. Gab es eine Art Briefing, als du ausgewählt wurdest, oder gibt es immer mal wieder Briefings? Oder findet das nur zwischen dir und dem Spieler statt?



Hans Gerling: Jegliche Ansprache auf dem Platz, wie man sich verhalten soll, welche Aufgaben man bekommt, etc. sind unterschiedlich. Es gibt Spieler, die reden viel. Es gibt Spieler, die reden kaum. Es gibt Spieler, die alle Yards-Angaben wissen wollen. Ganz selten gibt es auch Spieler, die nur wollen, dass die Tasche getragen wird. Die merken schnell, wie stark ein Caddie ist. Wenn ich auf der Senior Tour bin, z.B. vor zwei Wochen beim Turnier in Schwerin, da arbeitet man mit Local-Caddies zusammen. Das ist für manche Spieler, die einen Local-Caddie kriegen, schon heftig. Da ist der Caddie überfordert damit, die Tasche überhaupt zu tragen und hat einen Trolley dabei. Da geht der Schuss manchmal nach hinten los. Aber das können die Spieler sich nicht aussuchen. Das ist schon ein Unterschied, ob man ein professioneller Caddie ist oder ein Local-Caddie. Für die Porsche European Open sind keine Local-Caddies zugelassen. Hier sind es alle professionelle Caddies.

Golf Post: Wie kommt der Kontakt zustande, wenn du nicht mit deinem Spieler unterwegs bist?

Hans Gerling: Es gibt die Möglichkeit, dass ich über den Turnierveranstalter oder die Caddie Organisation einen Spieler bekomme. Und ich habe mehrere Spieler in meinem Repertoire, die dann selbst anfragen. Das ergibt sich daraus. Ich war noch nie bei einem Turnier, wo ich keinen Spieler bekommen habe.



Golf Post: Machst du Unterschiede aus zwischen den Caddies auf den unterschiedlichen Touren? Oder gibt es die Unterschiede nur nach den Spielern?

Hans Gerling: Die Senior Tour ist gemütlicher. Das sind ja alles gestandene Männer, die schon ihre Millionen verdient und ihre Leistung gebracht haben. Obwohl die immer noch 63er, 64er, 65er Runden spielen. Ich bin gerne mit den Seniors zusammen, weil das meine Altersgruppe ist. Da kann man mal ein Bierchen zusammen trinken oder man wird zum Essen eingeladen. Das passiert für mich auf der European Tour ganz selten. Mein Spieler hier bei der Porsche European Open, Gavin Hall, hat mich am Donnerstagabend eingeldaen. Er ist zum ersten Mal in Deutschland und ich konnte ihm etwas über Hamburg beibringen. Das war eine andere Situation. Ansonsten fühle ich mich auf der Senior Tour sehr wohl und auf der Main Tour geht es anders zur Sache. Da gibt es weniger Lachen und man muss permanent konzentriert arbeiten.

Hans Gerling mit den Golf Post Redakteuren Robin Bulitz (r) und Tobias Hennig. (Foto: Golf Post)

Hans Gerling mit den Golf Post Redakteuren Robin Bulitz (r) und Tobias Hennig. (Foto: Golf Post)

Golf Post: Gibt es einen Spieler, für den du gerne mal Caddie sein würdest?





Hans Gerling: Ich habe keine Lieblingsspieler. Wenn ich einen großen Namen nennen würde, würde ich nicht drankommen. Die haben alle Berufscaddies und sind jahrelang mit denen unterwegs. Oder der Caddie funktioniert nicht mehr. Wenn man gut spielt, liegt's ja immer am Spieler und wenn man schlecht spielt, liegt's am Caddie. Letztes Jahr in Dubai haben fünf Berufscaddies keinen Job bekommen. Die sind auf eigene Kosten angereist und du bekommst deine Kosten nur erstattet, wenn du an der Tasche bist. Dann bist du im Plus und wenn derjenige den Cut schafft wirst du noch prozentual beteiligt. Aber das wird im Vorfeld mit dem Spieler ausgehandelt. Wenn man nach Dubai fliegt, z.B. von England aus, hat man erst einmal 2000 Euro Fixkosten. Das ist für einen Caddie ein hartes Brot.

Golf Post: Wie würdest du deine Art als Caddie beschreiben? Richtest du dich komplett nach dem Spieler oder hast du eine eigene Linie?

Hans Gerling: Ich habe immer meine eigene Linie. Meine Linie wird dann abgefragt. Ich messe jede Yard- oder Meterzahl aus. Man merkt das ziemlich schnell, wenn der Spieler danach fragt und viel mit einem spricht. Dann ist man auf einer Wellenlänge und gibt seine Yard- oder Meterzahl an. Wenn es dabei eine Übereinstimmung gibt, kommt man viel besser ins Gespräch. Man wächst immer mit seiner Aufgabe und mit dem was der Spieler einem zutraut. Der Spieler sagt manchmal auch erst hinterher, was er genau von mir erwartet. Manchmal auch während des Turniers. In dieser Woche haben wir zu spät gesprochen. Wir haben gestern die ersten drei oder vier Löcher sehr schlecht gespielt. Danach haben wir viel gesprochen und heute war es einfach ein schlechter Tag.

Golf Post: Was kann jemand tun, der sich für den Job als Caddie begeistert? Hast du einen Tipp?

Hans Gerling: Ich habe keinen Tipp. Ich habe selbst viel gelernt. Wir haben in Deutschland keine Caddieschule wie in England oder Amerika. Ich habe mir viel Golf angesehen und speziell auf die Aufgaben der Caddies geachtet. Learning by doing. Ich werde zwar zu mehreren Caddie-Lehrgängen eingeladen, aber nur weil ich schon mehrere Jahre dabei bin. Ansonsten habe ich bei Null angefangen und mich hochgearbeitet zu dem Status, den ich heute habe.

Das Interview führten Robin Bulitz und Tobias Hennig

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