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Paul Casey und Co.: Vier Engländer und Wiesberger für Europa

Allerlei von der US Open: Schaulaufen der „Fowlers“, Absturz von Johnson, Kaymers kühler Kopf und hohes Gras, das jemandem nützt.

Paul Casey ist nach der ersten Runde der bestplatzierte Europäer bei der US Open 2017. (Foto: Getty)
Paul Casey ist nach der ersten Runde der bestplatzierte Europäer bei der US Open 2017. (Foto: Getty)

Auf einem fast britisch-linksmäßigen Kurs dominieren nach Tag eins der 117. US Open die „Kontinentalmatadoren“, Rickie Fowler, Patrick Reed und Co., dazu der Kanadier Adam Hadwin. Nur Australiens Marc Leishman (T7) sprengt bis Platz elf die Phalanx der Nordamerikaner. Und vier Engländer sowie ein Österreicher, die in Erin Hills Europas Fahne hochhalten: Paul Casey als geteilter Zweiter, Tommy Fleetwood (T4) sowie Andrew „Beef“ Johnston, Veteran Lee Westwood und der Wiener Bernd Wiesberger als geteilte Elfte. „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich bei einer US Open jemals so viel Spaß hatte“, bilanzierte Casey seinen ersten Tag, den er mit einem gelochten Wedge zum Eagle aus 68 Metern begann. Am Ende waren es 66 Schläge (-6) und die beste Majorrunde „ever“ des 39-Jährigen, der fernab des europäischen Rampenlichts auf der PGA Tour seit geraumer Zeit zur Hochform aufläuft, schon beim Ryder Cup in Hazeltine schmerzlich vermisst wurde und heute hinter dem neuen Top-Favoriten Fowler (3:1) als 6:1-Titelkandidat an den Abschlag geht.

Fowlers langer Marsch vom 18. Grün

Rickie Fowler mit seiner Freundin Allison Stokke. (Foto: Getty)

Rickie Fowler mit seiner Freundin Allison Stokke. (Foto: Getty)

Schaulaufen: Mit einer makellosen 65er Runde und dem Platzrekord von 7 unter Par hat sich Rickie Fowler gestern zu Jack Nicklaus und Tom Weiskopf gesellt, den US-Open-Helden mit dem niedrigsten Erstrunden-Score gegen Par. Und weil Erin Hills sich über monströse 263 Hektar erstreckt, auf denen man durchaus auch vier Golfplätze unterbrächte, hatte der Spitzenreiter einen langen Marsch vom 18. Grün zum Scoring-Zelt, den er Hand in Hand mit Freundin Allison Stokke absolvierte – ein Fest für die Kameras des TV-Senders „Fox“ und von allerhand Fotografen. Zumal Stokke (28) selbst nicht ganz unbekannt, sondern eine erfolgreiche Stabhochspringerin mit Uni-Titeln ist. Zu Olympia hat sie es allerdings noch nicht geschafft.

Statistisches zum US-Open-Auftakt

Zahlenspiele: Bei seiner 65er Runde erreichte Rickie Fowler 12 von 14 Fairways, also 86 Prozent und war damit 15., während der Durchschnitt des Felds bei 73 Prozent lag. Dazu traf er 15 von 18 Grüns in Regulation (4., 83 %, Durchschnitt 65 %), und benötigte 27 Putts, im Schnitt 1,5 Putts pro Loch. Damit war der 28-jährige Kalifornier 16. im Feld, das durchschnittlich 1,68 Putts benötigte. Die Top-Marken gemessen an ihrer Platzierung erzielten Hideo Tanihara (T45, Even) mit 14 getroffenen Fairways (100%,) und Brooks Koepka (T4, -5) mit 16 von 18 Grüns „in regulation“ (89 %). Bester Putter war Byeong Hun „Ben“ An (T29, -1) mit 24 Putts (1,33 im Schnitt), bester Abschläger der US-Amateur Cameron Champ (T18, -2) mit durchschnittlich 319,5 Metern. Das Feld brachte es auf 278,4 Meter im Schnitt, Rickie Fowler auf 273,8 Meter.

Dustin Johnson fällt ins Quotenloch

Vater-Kater? Während 44 der 156 Teilnehmer gestern unter Par blieben, so viele wie nie bei einem US-Open-Auftakt, erlebte Dustin Johnson einen rabenschwarzen Tag. Der Titelverteidiger und neuerdings zweifache Papa, ging als Favorit aufs erste Tee von Erin Hills und kam mit einer 75 (+3) als geteilter 102. ins Clubhaus – was die Buchmacher prompt mit einer Degradierung quittierten. Der Weltranglistenerste ist für heute bei den Quoten mit 40:1 nur noch Mittelmaß, so wird u. a. auch Bernd Wiesberger gehandelt. Interessant, dass „D. J.“ als Longhitter die vier Par-5-Bahnen nicht nur ohne Birdie, sondern sogar mit 2 über Par absolvierte. „Ich habe gar nicht so schlecht gespielt“, befand Johnson selbst. „Ich habe bloß nicht sonderlich gut geputtet.“ Stimmt, er brauchte 33 Putts, im Schnitt 1,83 pro Grün. Aber außer bei den Drives rangiert Johnson auch in allen anderen Statistiken hinter dem Feld.

Jordan Spieth lobt Martin Kaymer

Mitgefühl: Im Flight der US-Champions war Martin Kaymer mit seiner 72er Runde (Even Par) der beste und schlug sich auch auf den Grüns wacker, mit 30 Putts leicht unter dem Durchschnitt. Mitspieler Jordan Spieth (+1, T61) fand das erstaunlich. „Dustin Johnson und ich haben so schlecht geputtet, einfach keine Putts gemacht“, flachste der Texaner: „Ich habe mich gewundert, dass Martin sich vom Anblick dieses Debakels nicht beirren ließ, einen kühlen Kopf behalten hat und tatsächlich seine Bälle noch lochen konnte.“


Hadwin und sein Birdie-Feuerwerk

Noch ‘ne Bestmarke: Mit seiner Birdie-Serie von Loch 18 bis Loch fünf ist Adam Hadwin erst der dritte Spieler nach George Burns 1982 und Andy Dillard 1992, dem bei einer US Open sechs Schlaggewinne in Serie gelangen. Der Kanadier startete seine Runde auf der Back Nine und begann mit zwei Bogeys, bevor er zum Ende der Schleife heiß lief. Hadwin beendete die Serie dann mit einem Bogey an der 6, spielte auf der 8 aber erneut ein Birdie zur 68 (T7) und meinte anschließend: „So kann‘s kommen. Golf ist manchmal komisch.“ Recht hat er...

Aus Rough wird Heu fürs Vieh der „Amish“

Der einen Leid‘ ist anderer Leute Freud‘: Während das Rough von Erin Hills viel Kritik einheimste, ist die rund 80 Kilometer entfernt lebende Gemeinde der „Amish People“ ganz wild auf das Festuca-Gras, jedenfalls nach der Mahd im Herbst, dient es doch den Pferden und Rindern der Glaubensgemeinschaft als willkommenes, weil günstiges Futter. Als Gegenleistung für das Heu fertigen die „Amischen“, die abgeschieden leben, stark in der Landwirtschaft verwurzelt sind, ein strenges familiäres Rollenverständnis aufrecht erhalten und der Moderne mit ihren technischen Errungenschaften extrem kritisch gegenüberstehen, Schilder und Wegweiser, Bänke und sonstige Möbel für Erin Hills.


„Chef-Kritiker“ Na kam mit Erin Hills gut zurecht

Apropos Rough: Der Mann, der mit seinem Instagram-Video die Debatte über das hohe und dichte Gras am Rand der Erin-Hills-Fairways erst so richtig befeuert hat, zog sich gestern mehr als achtbar aus der Affäre. Kevin Na spielte einer 68er Runde (-4) mit sechs Birdies und zwei Bogeys und sortierte sich auf dem geteilten siebten Platz ein. Der in Korea geborene US-Pro wird übrigens nicht müde, dass seine Tirade über das „unspielbare Rough“ und die unfähige USGA, deren Job man „besser ein paar ehemaligen US-Open-Champions“ überlassen sollte, völlig falsch verstanden worden ist. „Mein Video sollte einfach nur witzig sein“, sagte Na dem „Golf Channel.

Zuviel Gras und Rough?

Das Letzte: Vor Risiken und Nebenwirkungen von zuviel US-Open-Konsum wird gewarnt, nicht dass es irgendwem vor lauter Gras und Rough bei der Wochenend-Golfrunde so geht wie diesem Sportkameraden:

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