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„Chico“ und Tommy: Europa hat sein neues Ryder-Cup-Traumpaar

Allerlei aus Paris: Garcias Gewinnmarge, Furyks Fehler, McIlroys Momentum, Mickelsons Makel, Koepkas Kick-off und Ryders Respekt.

Ryder Cup 2018 Splitter Tag 2 Tommy Fleetwood Francesco Molinari
Am ersten Ryder-Cup-Tag avancierten Francesco Molinari und Tommy Fleetwood zum europäischen Spitzen-Duo. (Foto: Getty)

Sie kamen, sahen und siegten: Mit Francesco Molinari und Tommy Fleetwood hat Europa sein neues Ryder-Cup-Traumpaar – so eins, wie die nach der Vierball-Pleite für nachmittags förmlich herbeigesehnten und brillant aufspielenden Justin Rose und Henrik Stenson. Das italienisch-englische Duo, von Tiger Woods zuvor schon als „zwei der besten Ball Striker auf der Welt“ gelobt, holte in der Morgensitzung gegen den Superstar und Patrick „Captain America“ Reed den einzigen Punkt für Team Blau und zerlegte im klassischen Vierer das Best-Buddies-Paar Jordan Spieth und Justin Thomas nach allen Regeln der Golfkunst.

„Ich denke, wir passen ziemlich gut zusammen“, bilanzierte Molinari, seit der British Open von Carnoustie der Champion Golfer of the Year, den Tag eher nüchtern: „Das war großartig, aber die Amerikaner werden am Samstag zurückschlagen wollen und es bleibt keine Zeit, um sich zu feiern, so lange da draußen noch ein Job zu erledigen ist.“ Etwas enthusiastischer äußerte sich Tommy Fleetwood, der unter den Augen seiner Eltern (siehe Video) einige ziemlich verwegene Putts gelocht hatte: „Es gibt zu dieser Atmosphäre da draußen nichts, aber auch gar nichts vergleichbares. Ich kann es kaum erwarten, wieder rausgehen und das erleben zu dürfen.“ Folgt man Europas Kapitän Thomas Björn, so hat der amtierende Race-to-Dubai-Champion dazu noch reichlich Gelegenheit. „Die beiden lieben es offensichtlich, zusammen auf dem Platz zu sein und zu spielen“, bilanzierte der Däne: „Ich glaube, dass sie eine sehr spezielle Verbindung entwickelt haben, die lange Zeit halten wird.“

Garcia zog gestern mit Langer gleich

Für die Bücher: Der Auftakt zu diesem 42. Ryder Cup, speziell die Nachmittagssession, hatte eine Menge Historisches. Nicht nur, dass die Europäer erstmals in der Geschichte des Kontinentalduells alle Matches des klassischen Vierers gewannen, in dem sie ohnehin schon immer dominant waren, weil das Format in den britischen Clubs oft gespielt wird. Mit seinem Sieg an der Seite von Alex Noren, der nie spielte wie ein Rookie, egalisierte Sergio Garcia, der spielte, als sei er nie außer Form gewesen, in Sachen gewonnener Foursomes die bislang allein von Bernhard Langer gehaltenen Elf-Siege-Bestmarke.

Die europäische Dominanz lässt sich auch daran ermessen, dass Team Blau den Nachmittag kombiniert in Vier unter Par, die USA indes mit 11 über Par beendete. „Mit dem Publikum im Rücken wirkte es, als könnte nichts schiefgehen“, meinte Kapitän Thomas Björn anschließend: „So ein ,Whitewash‘, ein Zu-Null-Erfolg, ist eine tolle Sache, aber nichts, auf dem man sich ausruhen kann.“



US-Kapitän Furyk schon schwer in der Kritik

Geröstet: Der 42. Ryder Cup war einen Tag alt, und schon machen die US-Medien dem amerikanischen Teamchef mächtig Feuer unterm Allerwertesten. Ellenlang beschäftigte man sich jenseits des großen Teichs mit den Fehlern von Jim Furyk, der sein „Dream Couple“ Jordan Spieth/Patrick Reed auseinander gerissen (siehe Meldung unten), ausgerechnet Debütant Tony Finau den allerersten amerikanischen Abschlag spielen ließ – der Ball ging knapp nicht ins Wasser –, aber vor allem für den klassischen Vierer am Nachmittag einige wenig nachvollziehbare Entscheidungen getroffen hatte.

Für Kopfschütteln sorgte besonders, dass ausgerechnet der formschwache Phil Mickelson mit seinem Negativ-Foursome-Rekord sowie der „wilde Schütze“ Bubba Watson, ebenfalls mit einer klaren Minusbilanz, für die „Alternate Shots“ aufgeboten wurden, wo es nun wirklich auf jeden präzisen Schlag ankommt. Da nutzt es wenig, dass Watsons Partner Webb Simpson als extrem starker Vierer-Spieler gilt, allein konnte er es ebenso wenig richten wie Bryson DeChambeau, dessen Rookie-Handikap noch zusätzlich von Mickelsons mangelnder „Ausgleichsfähigkeit“ belastet wurde. Derweil „durften“ Tiger Woods und Brooks Koepka pausieren, die vielleicht besten „Ball Striker“ der Amerikaner…



Woods und Reed: Wann zündet die Chemie?

Schwarzer Freitag: Für Tiger Woods lief dieser Auftakt Tag von Paris vermutlich völlig anders als erwartet. Morgens mit Patrick Reed als einziges US-Duo verlieren, nachmittags aussetzen, erstmals an einem ersten Tag in Tigers Ryder-Cup-Karriere übrigens – Woods wirkte vom Trubel rund um seinen Sieg bei der Tour Championship eher erschöpft denn motiviert. So ging der Plan von US-„Skipper“ Jim Furyk ziemlich in die Hose, der das in Hazeltine noch so „tödliche“ Team Reed/Jordan Spieth auseinander gerissen hatte, um zwei „Killer-Duos“ zu formen. Spieth, der bei allem Erfolg von „Captain America“ Reeds Intensität immer etwas verzehrt wirkte, fühlte sich an der Seite des Freundes seit Kindertagen Justin Thomas sichtlich wohl, brachte mit dem Rookie aber dennoch nur eine 1:1-Bilanz zustande.

Woods hingegen scheint prädestiniert, Energien wie die von Reed zu absorbieren, das ist der 14-fache Majorsieger durch all den Rummel gewohnt, der ihn seine Karriere lang begleitet. Reed wiederum passt vielleicht von allen im US-Aufgebot am Besten an die Seite des Tigers, weil er es liebt, vor großen, lauten Massen und im Trubel zu agieren. Gestern indes hat sich diese Chemie nicht entfaltet; Reed wirkte im Duett mit dem Idol seiner Golf-Jugend fast eingeschüchtert emotionslos und ziemlich geschrumpft.

McIlroy/Poulter war Last-Minute-Entscheidung

Auf den letzten Drücker: Nach dem Vormittags-Vierball war man geneigt, sich heftige Sorgen um Rory McIlroy zu machen. Als einziger Europäer beendete der 29-jährige Nordire seinen Umlauf mit Debütant Thorbjörn Olesen ohne Birdie. Nichts zu sehen war von dem „Rors“, der in den vergangenen Auflagen des Kontinentalduells so selbstverständlich in die Rolle des Team-Leaders geschlüpft war. Doch Ian Poulter („Es ist großartig, mit Rory zu spielen“) holte den vierfachen Majorsieger zurück ins Ryder-Cup-Leben. Nach dem wackeligen Start mit dem nassen Abschlag des Engländers legten die beiden einen furiosen Vierer hin und fertigten das US-Duo Bubba Watson/Webb Simpson mit 4&2 souverän ab.





„Wir haben in Medinah 2012 sowie in Gleneagles 2014 zusammengespielt, und es war toll, wieder mit ihm raus zu gehen und einen weiteren Punkt für Europa abzuliefern“, atmete McIlroy auf: „Es war allerdings eine quasi Last-Minute-Entscheidung, dass wir es zusammen versuchen sollten.“ Ein gutes Händchen der Teamleitung gehört halt dazu, wenn man beim Ryder Cup bestehen will. Kapitän Thomas Björn hatte ohnehin nie Zweifel an McIlroy: „Wenn ich an ihm zweifeln würde, wäre ich der falsche für diesen Job.“

Vernichtendes Urteil für Mickelson

Gegrillt: Neben US-Kapitän Jim Furyk bekam vor allem Phil Mickelson gestern sein Fett weg. Die Nachmittags-Niederlage gegen Sergio Garcia und Alex Noren mit „Rookie“ Bryson DeChambeau wurde zuvorderst ihm angelastet, während sein Partner als „Rookie“ Nachsicht erfuhr. „Die beiden“, tweetete beispielsweise Kodderschnauze David Feherty, „könnten nicht mal ein Radio ans Laufen bringen.“

Als „Lefty“, wahrlich kein Longhitter, auf einem Par 5 vom Abschlag aus nur vorlegen wollte und das Eisen dann auch noch ins Wasser schlug, reagierte die Fans im Netz auf spezielle Weise.

Und selbst die amerikanischen Medien haben bereits den Stab über den fünffachen Majorsieger gebrochen: „Was fängst du mit einem Spieler an, der seine Bälle notorisch ziemlich streut – und das auf einem Platz wie Le Golf National, wo Wasser und tückisches Grün auf jeden unpräzisen Schlag lauern“, schrieb „ESPN“: „Wenn die USA diesen Ryder Cup gewinnen wollen, sollte er [Furyk] ihn [Mickelson] bis zu den Einzeln am Sonntag auf der Bank lassen.“

Bubba Watson und der Ellenbogen-Gruß

Ansteckend? Bubba Watson zelebrierte gestern nach der Foursome-Niederlage mit Webb Simpson gegen Rory McIlroy und Ian Poulter ein seltsames Ritual. Statt des Handschlags streckte der zweifache Masters-Champion den Kontrahenten seinen rechten Ellenbogen entgegen. Das tut man gemeinhin, wenn man krank ist und höflich sein, aber niemanden infizieren will. Schon Anfang der Woche hatte Watson erklärt, nicht ganz auf dem Damm zu sein: „Etliche von uns fühlen sich angeschlagen. Aber wenn man so durch die Gegend reist, dann schleppt man immer was mit sich herum.“ Irgendwas scheint beim US-Team zu grassieren – vielleicht ja bloß der Virus eines möglichen erneuten Auswärtsscheiterns...

Brooks Koepka verletzt Zuschauerin

Schrecksekunde: Es kommt immer wieder mal vor, aber das macht‘s nicht besser. Gestern traf Brooks Koepka mit seinem Abschlag auf Bahn sechs eine Zuschauerin, die Frau bekam den Ball des zweifachen US-Open-Siegers ins Gesicht und wurde mit einer stark blutenden Platzwunde vorsorglich zu weiteren Untersuchungen ins Krankenhaus gebracht. „Ich habe mich echt schrecklich gefühlt, als ich das mitbekommen habe“, sagte Koepka. „Es tut mir wirklich außerordentlich leid. So was fühlt sich nie gut an. Eigentlich wollte ich nur weg. Gut, dass Tony Finau einchippen konnte und wir das Loch mit Anstand beenden konnten.“

Die Figur auf dem Deckel des Ryder Cup

Wussten Sie eigentlich: … dass die kleine Golferfigur auf dem Deckel des Ryder Cups den Golfprofi und Mentor Abe Mitchell des Wettbewerbsstifters Samuel Ryder darstellt? Der Brite, der mit dem Versand von Pflanzensamen in Papiertütchen viel Geld verdiente und als Therapie gegen Burn-out in seinen späten Jahren noch mit Golf begann, hatte Mitchell für die Organisation des Ryder Cup als Berater engagiert und begründete damit eine Freundschaft, die mit der Skulptur auf dem Pokal ein Denkmal erhielt.

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