Golfreisen

Machrihanish Golf Club – Genius Loci und der Geist des Godfather of Golf

21. Mrz. 2026 von Michael F. Basche in Machrihanish, Schottland

„Best Opening Hole of Golf in the World“, jedenfalls laut Jack Nicklaus: Auf Bahn eins des Machrihanish Golf Club muss der Ball vom Abschlag erstmal über den Atlantik. (Foto: Michael F. Basche)

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Das Yardage Book ist nach diesem Golfvergnügen deutlich gezeichnet. Aber nein, es geht nicht um Notizen über Drive-Längen, Eisenwahl oder verpasste Putts. Sondern um gewellte Blätter, gespleißte Ecken, aneinander heftende Seiten. Das Dörren auf der Heizung hat es nicht besser gemacht, seither hat die Platzfibel was von Pergament. Passt irgendwie dazu: The Machrihanish Golf Club begeht heuer immerhin das 150-jährige Bestehen – Grund genug, den „Course Guide“ aus dem Archiv zu holen und sich einer in mehrerlei Hinsicht denkwürdigen Runde zu erinnern.

Battery ist klassisches Risk-and-Reward-Design

Der Regen kam kurz nach dem ersten Loch namens Battery, das als bestes der Welt gerühmt wird, weil man von der Teebox hinter dem Pro-Shop erstmal ein Stück Strand überspielen muss, an das die Ausläufer atlantischer Wellen schwappen. Je weiter nach vorn man zielt, desto mehr Fairway wird aus dem Spiel genommen – klassisches Risk-and-Reward-Design. Man sollte sich bloß nicht überschätzen: Er ist meistens kürzer als man glaubt, der Abschlag.

Als hilfreich erweist sich wiederum, dass rechts dank der ersten und der parallel verlaufenden 18. Bahn genug Raum ist, um den obligatorischen Fade nach lediglich drei hastigen Probeschwüngen aufzufangen. Ordentliches Aufwärmen wird ja gern völlig überschätzt. In der vorsorglich bereits übergezogenen Regenkleidung steigt die Körpertemperatur ohnehin rasch, was für die Beweglichkeit leider nicht gilt.

Von der Runde gezeichnet: Der „Course Guide“ des Machrihanish Golf Club auf der Halbinsel Kintyre an der Westküste von Schottland. (Foto: Michael F. Basche)

Acht  Honoratioren im Argyll Arms Hotel

Sei’s drum, der Auftaktschlag landet weder im Atlantik noch auf der Achtzehn, und nach einem netten langen Putt zum Par und zur Vier, geht’s in die Dünenlandschaft an der Machrihanish Bay. Vor 150 Jahren hatte das hier nur zehn Loch und hieß noch Kintyre Golf Club, passend zur gleichnamigen Halbinsel an Schottlands Westküste.

Am 11. März war Geburtstag, und so wurde eine spezielle Flagge gehisst, ein Wettspiel veranstaltet – natürlich – und zu Dudelsack-Klängen ein Feuerwerk im Nachthimmel gezündet, um zu würdigen, dass sich seinerzeit acht lokale Honoratioren im nach wie vor existierenden Argyll Arms Hotel in der Inselkapitale Campbeltown trafen und einen Club „zum Zweck des Golfspiels in der Umgebung“ gründeten.

Ritterschlag von Jack „The Golden Bear“ Nicklaus

1879 heuerte man dann Old Tom Morris an, um ordentliche 18 Bahnen ins Gelände zu gießen. Der Godfather of Golf, längst ein arrivierter Handlungsreisender in Sachen Parcours und Platzpflege, leistete ganze Arbeit. Nicht nur wegen besagten ersten Lochs, das von Jack Nicklaus höchstpersönlich den Ritterschlag des „Best Opening Hole of Golf in the World“ erhielt. Was umgehend in Stein gemeißelt wurde.

Ein Morris-Meisterwerk: 1879 wurde Old Tom Morris nach Kintyre gebeten, der Handlungsreisende in Sachen Parcours und Platzpflege legte den heutigen Platz des Machrihanish Golf Club an. (Foto: Michael F. Basche)

Überhaupt: „Dieser Linkskurs ist einer der natürlichsten, romantischsten und unterhaltsamsten Orte zum Golfspielen auf den gesamten Britischen Inseln“, heißt es beispielsweise im Portal „Top 100 Golf Courses“, und dort weiß man die ursprüngliche Art des Spiels durchaus richtig einzuschätzen. Selbst der schottische Schnürlregen tut dem keinen Abbruch, der sich mittlerweile zu einem veritablen Landregen entwickelt hat und allmählich auch in Kragen und Bündchen der Jacke einsickert. Von der völlig tropfnassen Pudelmütze gar nicht zu reden, die mittlerweile ungefähr doppelt so viel wiegt wie die gut zwei Kilogramm schwere britische Edwardskrone.

Der golferische Genius loci von Kintyre

Egal, der Linksgolf-Aficionado fühlt sich in Machrihanish sowieso ein bisschen als „King of the World“. Das gilt für Morris’ Meisterwerk ebenso wie für das Machrihanish Dunes direkt nebenan und aus der Feder von David McLayKidd. Oder das skurrile Ensemble des Dunaverty Golf Club an der von Paul McCartney verewigten Long and Winding Road, offiziell eine Nebenstraße mit der Bezeichnung B842, die zur Südspitze der Halbinsel führt, zum Mull of Kintyre, dem der Ober-Beatle wiederum mit den Wings ein musikalisches Denkmal gesetzt hat. Und dann sind da noch die neun Loch von Carradale an der Ostseite, das den golferischen Genius loci von Kintyre vollkommen macht.


„Die ruhige Schönheit Schottlands hat mich schon immer inspiriert, und auch dieses Mal war es wieder der Ort, an dem ich Inspiration fand.“

Paul McCartney über die Entstehung des Songs The Long and Winding Road.


„You wanna quit?“, unterbricht Golfpartner Greg Sherwood den Gedankenfluss und deutet auf die tiefhängenden regenschwangeren Wolken. Der Amerikaner mit Wohnsitz auf Puerto Rico ist Europa-Chef von Southworth Development, dem in Boston ansässigen Eigentümer des benachbarten Machrihanish Dunes, das im Resortstil und um einen zweiten Platz und eine Resort-Anlage erweitern werden soll: „Willst du aufhören?“ Das hätte er wohl gern: „Niemals. Dafür müsste ich mir schon ein Bein brechen.“ Sherwood grummelt darob irgendwas unverständliches in seine Kapuze und stapft aber weiter.

Dünen, aber kein Drama: Die Fairways des Machrihanish Golf Club mäandern durch eine sanft gewellte Küstenlandschaft. (Foto: Michael F. Basche)

Wohltemperiertes Küsten-Klavier statt Dünen-Drama

Ja, die Experten von „Top 100 Golf Courses“ haben recht, wenn sie über den Machrihanish Golf Club schreiben: „Der Platz ist weder lang noch imposant und auch keine Bühne für große Turniere, aber er macht einfach riesigen Spaß.“ Vor allem die ersten neun Löcher sind ein schierer Genuss. Kein Dünendrama wie Western Gailes, Montrose oder gar die Küstenkracher in Nordirland oder an Irlands Wild Atlantic Way.

Eher wohltemperiertes Küsten-Klavier. Aber sie haben gleichermaßen diese besondere Magie des Spiels in einem wogenden Meer aus Festuca, dem küsten- und sandbödentypischen Schwingelgras, dessen Halme sich wie ein komplexer Organismus mit dem Wind bewegen und gegen den Regen stemmen.

Lebensraum Linkskurs: Ein flüchtiger Blick auf auf die Sika-Hirsche, die in diesem Ozean aus Festuca-Gras ihr Refugium haben. (Foto: Michael F. Basche)

Mäandern durch eine sanft gewellte Landschaft am Meer

Die Grüns sind fest, schnell, präzise und haben mannigfache Positionen. Einige sind als Punchbowls angelegt, andere liegen auf einem Plateau oder auf abgeflachten Dünenkuppen (Foto unten). Der Platz hat blinde Abschläge, tolle Blickachsen aufs Meer, die Fairways mäandern durch die sanft gewellte Küstenlandschaft. Das tröstet darüber hinweg, dass der Weg zurück zum Clubhaus halt nicht mehr Bestlage, sondern sozusagen zweite Reihe und dementsprechend weniger aufregend ist – wie bei so vielen klassischen Linkskursen mit Out&In-Arrangement.

Punchbowls oder Plateaus: Die Grüns des Machrihanish Golf Club sind fest, schnell, präzise und haben perfekte Positionen. (Foto: Michael F. Basche)

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