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Cameron Young: Wie Gelassenheit zum Schlüssel der Players Championship wurde

16. Mrz. 2026 von Alexandra Caspers in Köln, Deutschland - Dies ist ein Golf Post Premium Artikel

Cameron Young meistert die Players Championship mit innerer Ruhe. (Foto: Getty)

Cameron Young meistert die Players Championship mit innerer Ruhe. (Foto: Getty)

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Als Cameron Young am Sonntag auf dem 18. Grün der The Players Championship den letzten Putt vor sich hatte, war der schwierigste Teil eigentlich schon erledigt. Einen Moment zuvor hatte er auf der 18 einen Drive geschlagen, der ihm die Tür zum Sieg öffnete. Und doch war es ausgerechnet der kurze Putt zum Titel, der ihn kurz ins Wanken brachte.

„Ich war eigentlich die ganze Zeit über richtig stabil, bis ich diesen 20-Zentimeter-Putt auf dem letzten Loch machen sollte. Da wäre ich fast auseinandergefallen“, sagte Young später. „Ich konnte meine Linie überhaupt nicht mehr richtig auf das Loch ausrichten.“

Der Ball fiel dennoch und mit ihm fiel der Druck der vergangenen Jahre. Erst vor knapp acht Monaten hatte Young bei der Wyndham Championship seinen ersten Erfolg feiern dürfen. Nachdem er sechsmal nur Zweiter geworden war und sich damit den Ruf erworben hatte, es nicht zu Ende bringen zu können, war dies ein bedeutender Durchbruch. Der Sieg beim „fünften Major“ ist damit nicht nur der bisher größte Erfolg seiner Karriere, sondern dürfte diesen Ruf auch ein für alle Mal erledigt haben. 

Gelassenheit als Strategie

Youngs Auftritt in der Schlussrunde war geprägt von einer auffälligen Ruhe. Der Amerikaner wirkt auf dem Platz selten emotional. „Mein Gesichtsausdruck verändert sich eigentlich kaum“, erklärte er. „Wenn ich gut spiele, sieht man von außen praktisch nichts.“

Diese Ruhe ist jedoch kein Zufall. Sie ist Teil eines bewussten mentalen Ansatzes, den Young in den vergangenen Jahren entwickelt hat. Der Schlüssel: den Fokus konsequent auf den Moment zu richten. „Ich laufe im Grunde die Fairways entlang und schaue auf meine Füße und frage mich, wo meine Füße gerade stehen“, sagte er. „Wenn ich mich einfach darauf konzentriere, wo ich gerade bin und was ich gerade mache, ohne gedanklich nach vorne oder hinten zu springen, kann ich meine Schläge weiter gut ausführen.“

Der Ansatz funktioniert nach dem Prinzip der Achtsamkeit: nicht an mögliche Ergebnisse denken, sondern ausschließlich an den nächsten Schlag. „Ich versuche sehr bewusst, das Ergebnis loszulassen“, erklärte Young. „Und zu akzeptieren, was auch immer am Ende dabei herauskommt.“

Lektionen aus dem Ryder Cup

Ein wichtiger Teil seiner Entwicklung kommt laut Young aus der Erfahrung im Ryder Cup. Dort lernte er, wie sich extreme Nervosität anfühlt – und wie man sie nutzen kann. „Die Sinne sind in solchen Momenten extrem geschärft“, sagte er. „Normalerweise schlage ich den Ball dann sogar ein bisschen weiter. Man ist also zu mehr fähig.“ Der entscheidende Punkt sei jedoch, diese Energie zu kontrollieren. „Wenn man zulässt, dass die Nervosität einem in die Quere kommt, kann das aber natürlich auch ziemlich schnell schiefgehen.“

Zwischen Perfektionismus und Gelassenheit

Trotz des Erfolgs bleibt Young selbstkritisch. Besonders seine eigenen Erwartungen sieht er als zweischneidiges Schwert „Meine Erwartungen an mich selbst sind völlig unrealistisch“, sagte er offen. „Aber ich glaube, viele Menschen, die in ihrem Bereich sehr gut sind, erwarten einfach extrem viel von sich.“ Inzwischen versuche er, diese Erwartungen anders zu lenken: weg vom Ergebnis, hin zur Vorbereitung und zum Prozess.

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Nach dem Sieg wartete einer der emotionalsten Momente abseits des Grüns. Seine Familie war diesmal vor Ort – anders als bei seinem ersten PGA-Tour-Sieg bei der Wyndham Championship. „Meine Jungs danach in den Arm nehmen zu können, meine Frau zu sehen und meine kleine Tochter – das ist etwas, woran ich mich lange erinnern werde“, sagte Young.

(Foto: Getty)

Nächster Halt: Augusta

Trotz des größten Sieges seiner Karriere denkt Young bereits an das nächste große Ziel: das Masters. „Mein Fokus in der ersten Hälfte der Saison liegt darauf, mich auf das Masters vorzubereiten“, sagte er. Sein Ziel sei dabei nicht unbedingt der Sieg. „Mein Ziel ist es, bereit zu sein und mich wohlzufühlen, wenn dieser Moment kommt.“

Der Sieg bei der Players Championship könnte dafür der perfekte Schritt gewesen sein. Denn Young hat an einem der schwierigsten Golfplätze der Welt gezeigt, dass er nicht nur das Spiel, sondern vor allem seine eigenen Gedanken unter Kontrolle hat.

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