O Captain! My Captain!: Tiger Woods schmiedet weiter an seiner Legende
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O Captain! My Captain!: Tiger Woods schmiedet weiter an seiner Legende

Der Superstar kann Teamchef, Reed kriegt Schützenhilfe und Rahm eine Märchenhochzeit, LET spielt in Saudi-Arabien. Die Back Nine.

Tiger Woods beim Presidents Cup 2019. (Foto: Getty)
Tiger Woods beim Presidents Cup 2019. (Foto: Getty)

Er war stets präsent, ohne sich in den Vordergrund zu drängen; er ging mit gutem Beispiel voran, ohne sich als Leitwolf zu gerieren; er war der Boss und dennoch „Primus inter pares“: Tiger Woods hat seiner Legendenbildung mit dem erfolgreichen Debüt als Kapitän eines Golfteams, als spielender zumal, ein weiteres ordentliches Mosaiksteinchen hinzugefügt. Mitstreiter und Medien, Freunde und Fans sind des Lobes voll über das Regie-Debüt des bald 44-Jährigen nach dem sonntäglichen Kantersieg über Ernie Els‘ internationale Auswahl. „Dieser überlegte, achtsame Woods war völlig anders als man ihn aus vorherigen Ryder und Presidents Cups kannte. Er trug das 2019er Team auf seiner wiedererstarkten Rückenmuskulatur. Vergesst den früheren Namensträger, es gibt nur einen ,Captain America‘: Tiger Woods!“, jubelte beispielsweise das Portal „GolfWRX. Und die Reaktionen im Netz reichten von „wunderbarer Spieler, wunderbarer Mentor“ bis zu „Ich wüsste nicht, ihn jemals mit so viel unverfälschter Leidenschaft und Rührung gesehen zu haben. Das hat mir selbst die Tränen in die Augen getrieben“.

Von besonderer Güte war auch das Fingerspitzengefühl, mit dem Kapitän Woods das Verhalten der australischen Fansund die Geschehnisse um Patrick Reed und dessen Caddie Kessler Karain kommentierte. Er tat das, ohne die zweifellos teilweise übergriffigen Zuschauer zu düpieren oder sein Duo weder über Gebühr in Schutz zu nehmen, noch in die Pfanne zu hauen, fand einen goldenen Mittelweg („Parteilichkeit gehört nun mal zu einem Teamwettbewerb, aber ich habe selbst erlebt, dass einige Fans es doch sehr übertrieben haben“) und plädierte: „Alles, worum ich bitte, ist Respekt.“ Bei „Golf.com“ attestierten sie ihm angesichts dieser feinen Diplomatie selbst auf dem politischen Parkett eine erfolgreiche Zukunft.

Was diese freilich auf jeden Fall bereit hält, dürfte nach Royal Melbourne 2019 völlig klar sein. „Wetten, dass ..?“ die Berufung ins Amt des Ryder-Cup-Riegenführers nicht mehr lange auf sich warten lässt … Die PGA of America wird sich den Woods-Nimbus zur Befeuerung des US-Teams und die Wirkung der Tiger-Mania in Europa garantiert bei einem der nächsten Auswärtsauftritte zunutze machen wollen. Und vielleicht gibt‘s ja erstmals seit Arnold Palmer 1963 auch wieder einen spielenden Teamchef – „O Captain! My Captain!“

McIlroy bricht eine Lanze für Reed

Nebenschauplatz: Während die Amerikaner um ihren spielenden Kapitän den elften Sieg im 13. Presidents Cup gegen das internationale Team feierten, schlagen die Ereignisse um Patrick Reeds Sandkastenspiele bei der Hero World Challenge, die Anfeindungen der australischen Fans beim Mannschaftsduell in Royal Melbourne und der Aussetzer seines Caddies und Schwagers Kessler Karain weiterhin hohe Wogen. Dabei hatten selbst die eigenen Teammitglieder „Captain America“ wegen seines eigenwilligen Rückschwungs im Bunker auf die Schippe genommen, z. b. Justin Thomas während einer Trainingsrunde:



Während Reed nach der Sperre seine Schwagers für das abschließende Einzel gegen CT Pan auf die Caddie-Dienste von Schwungtrainer Kevin Kirk baute und schnell zur Tagesordnung überging („Ich respektiere die Entscheidung gegen Kessler; wir müssen uns jetzt ausschließlich darauf fokussieren, den Cup zu gewinnen“) bekam er hinsichtlich des Bunker-Ballyhoos Schützenhilfe von unerwarteter Seite, von Rory McIlroy nämlich. „Natürlich bewegt er etwas Sand, und das ist nun mal strafwürdig. Aber was den Vorwurf des bewussten Betrugs betrifft, so gilt immer noch ,Im Zweifel zugunsten des Angeklagten‘. Es fällt mir schwer zu glauben, dass das Absicht war. Und es wäre keine so große Sache, wenn es sich nicht um Patrick Reed handeln würde“, sagte der Nordire im „Golf Channel“: „Manchmal scheint es, als würden sich die Leute bei ihm erst recht einen Spaß draus machen, noch mal drauf zu treten, wenn er eh schon am Boden ist.“

Jon Rahm ist unter der Haube

Weiße Spitze, blauer Smoking: Race-to-Dubai-Champion Jon Rahm hat am vergangenen Freitag seine Kelley Cahill geheiratet. Die Trauung des spanischen Golfprofis und der einstigen Speerwerferin aus Oregon, die sich am College in Arizona kennen gelernt hatten, fand in der Basilica von Begoña in Bilbao statt – Rahm wurde nahe der baskischen „Hauptstadt“ geboren – und soll laut Augenzeugen eine Märchenhochzeit gewesen sein.


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Jon Rahm is now a married man! Congrats, @jonrahm and @cahillkell!! (: @ten.golf)

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Auch Europas Damen gehen nach Saudi-Arabien

Die Dollars der Scheichs: Nach der European Tour geht auch die Ladies European Tour (LET) nach Saudi-Arabien. Der am Rande des Aus taumelnde europäische Damen-Circuit gibt 2020 ebenfalls ein Gastspiel im Royal Greens Golf & Country Club nahe Jeddah an der Küste des Roten Meers; das Turnier in Zusammenarbeit mit Golf Saudi und dem Golfverband des Königreichs ist für 19. bis 22. März angesetzt; mit einem Preisgeldtopf von einer Million Dollar, einer der höchsten Dotierungen auf der LET, werden alle Bedenken hinsichtlich der mangelnden Frauen-Gleichstellung, der Verletzung von Menschenrechten und nicht zuletzt der Hauptrolle von Saudi-Arabien bei der Ermordung des kritischen Washington-Post-Journalisten Jamal Khashoggi beiseite gewischt. Und natürlich ist auch Tour-Sternchen Carly Booth als zuständige (und gut bezahlte) Botschafterin flugs zur Stelle, um die historische Möglichkeit zu preisen, Golf in der weiblichen Bevölkerung populärer zu machen und zu entwickeln. Immerhin dürfen ja in Saudi-Arabien neuerdings Frauen und Familien in Restaurants schon denselben Eingang benutzen wie Männer, Frauen sogar seit einem Jahr Auto fahren. Na dann …



Trickshot-Potpourri mit Schjoelberg

Potpourri: Ziemlich klasse, was dieser Mathias Schjoelberg, Golfprofi auf der kanadischen Mackenzie Tour, in Sachen Trickshots so alles drauf hat. Nachfolgend einer kleines Potpourri der Künste des in Arizona lebenden 27-jährigen Norwegers, Prädikat: sehenswert.

„Busenwunder“ als Caddie beim Masters?

Gewagtes Unterfangen: PGA-Tour-Profi Grayson Murray hat Augusta National im Visier. Aber nicht nur sportlich. Der 23-Jährige aus North Carolina hat sich für den Fall der Qualifikation zum Masters 2020 via Instagram-Angebot „bildstarke“ Unterstützung gesichert – er will mit It-Girl Lindsey Pelas als Caddie den Par-3-Contest bestreiten. Die 28-Jährige wird bei Wikipedia als Schauspielerin, Influenzerin, Unternehmerin und Model geführt, war im Playboy und in anderen einschlägigen Medien zu besehen. Man darf gespannt sein, was die Grünjacken in Georgia von der Aussicht auf Pelas‘ kurvenreichen Auftritt halten. Auf ein entsprechendes Foto des „Busenwunders“ aus dem „üppigen“ Fundus in den sozialen Netzwerken verzichten wir an dieser Stelle und zu dieser Tageszeit, es gab – wenig überraschend – zwar viel Kunst-Stoff, aber nichts in einem schlabberigen weißen Overall …

Presidents Cup statt Trump-Debatte

Erwischt: Job ist Job und Golf ist Golf. Der demokratische Kongressabgeordnete Cedric Richmond von der freilich hat da dieser Tage keine so scharfe Trennlinie vollzogen, er wurde im Rechtsausschuss des Repräsentantenhauses der Vereinigen Staaten von Amerika dabei beobachtet, wie er während der Debatte um die Eröffnung eines Amtsenthebungsverfahrens gegen US-Präsident Donald Trump auf seinem Laptop das Geschehen beim Presidents Cup in Australien verfolgte. Nicht so clever, war das doch Wasser auf die Mühlen der Republikaner, die natürlich sofort Kapital aus der „Sichtung“ schlugen und sie als weiteren Beweis dafür anführten, dass das Verfahren eh nur eine Farce und Hexenjagd sei …

Olesen beteuert erneut seine Unschuld

Beharrlich: Was macht eigentlich Thorbjörn Olesen, der am 29. Juli auf dem Londoner Flughafen Heathrow festgenommen worden war, nachdem er auf einem Flug von Memphis betrunken randaliert, eine Stewardess unsittlich belästigt und auf den Boden der ersten Klasse uriniert haben soll? Der dänische Profi, von der European Tour auf unbestimmte Zeit vom Turnierbetrieb suspendiert, hat am vergangenen Freitag bei einer neuerlichen Anhörung vor dem zuständigen Gericht im Stadtteil Isleworth mal wieder seine Unschuld in allen drei Punkten beteuert. Jetzt muss sich der 29-Jährige endgültig einer Gerichtsverhandlung stellen, die für den 11. Mai 2020 angesetzt wurde, ausgerechnet die Woche der PGA Championship.

Wenn‘s beim Gartenbau auf Geld nicht ankommt …

Zum Schluss: Was auch immer am Dienstag kommender Woche an Golf-Präsenten unterm Weihnachtsbaum liegt, wunschlos glücklich ist ein Golfer wohl nie. Das liegt nicht zuletzt am Wesen des Spiels, zu dessen faszinierenden Eigenschaften die Imperfektion gehört: unlösbar, unbezahlbar. Für alles andere gibt es – Kreditkarten, um den Werbespot eines Bezahlunternehmens zu verwenden.  Und wenn die so gut bestückt ist, wie das Plastikkärtchen von Hollywood-Star und Golf-Nerd Mark Wahlberg, dann kann man sich – zu welchem Anlass auch immer – sogar so einen Hinterhof-Wunsch erfüllen:





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