Bilder des Tages
Wer erinnert sich an Villariba und Villabajo aus der Spülmittelwerbung? An die beiden Dörfer und ihre Fiesta? Während die einen schon wieder munter feierten, waren die anderen immer noch mit dem Abwasch beschäftigt.
So geht es gerade im Profigolf der Männer zu, wo die aus Villabajo LIV Golf League eigentlich den Auftakt der Spielzeit 2026 zelebrieren wollen, das Heimspiel in Riad, der Hauptstadt des saudi-arabischen Besitzers und Finanziers. Doch irgendwie lässt sich das Ganze nach den jüngsten Dezimierungen des Personalstamms eher mit gebremstem Schaum an, um im Bild zu bleiben. Oder anders: Dem Geschirr für den Festtag fehlt es an Glanz.
„Keine Neuverpflichtungen, die was bewegen“
Der Verlust von Brooks Koepka und Patrick Reed ist ein heftiger Schlag ins Kontor für den Konkurrenz-Circuit. Bei LIV ist Feuer unterm Dach. Dagegen verblassen kleine Erfolgsmeldungen wie die Partnerschaft mit dem Luxusuhrenhersteller Rolex. Gar nicht zu reden von den jüngsten Rekrutierungen, Thomas Detry, Byeong Hun An und so. „Es ist ja nicht so, als hätten sie dieses Jahr irgendwelche großen Neuverpflichtungen getätigt, oder?“, ätzte Rory McIlroy unlängst nicht von ungefähr.
„Sie haben niemanden mehr verpflichtet, der etwas bewegt, und ich glaube auch nicht, dass sie das tun werden.“
Rory McIlroy
Auch die Kommentare von Koepka und Reed zur Befindlichkeit auf den neuen alten Betätigungsfeldern dürften Commissioner Scott O’Neil und Ober-LIV’ler Yasir Al-Rumayyan nicht gefallen haben.
„Nicht unterschrieben, um 72 Loch zu spielen“
„Es hat gut getan, sich hier draußen wieder abrackern zu können“, gab der fünffache Majorsieger Koepka nach dem Comeback bei der Farmers Insurance Open zu Protokoll. Reed erklärte in Bahrain fast unisono: „Nachdem ich die Hero Dubai Desert Classic gewonnen hatte, wurde mir klar, wie sehr ich den harten Kampf und den Wettstreit vermisst hatte. Das ist einfach mein Ding.“ Was für eine Absage an die betulichen Herrengolf-Wochenenden bei LIV.
Und dann motzt auch noch Bryson DeChambeau, der verbliebene und ohnehin größte Aktivposten des Saudi-Homunkulus: „Ich habe nicht unterschrieben, um 72 Loch zu spielen.“ Der undankbare Kerl! Ausgerechnet kurz vor dem Reigen in Riad.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
Liebeserklärung gehen anders
Da schmeißen O’Neil und Co. nahezu das gesamte Turnierformat und etliche Regeln über Bord und hauen damit die originäre DNA ihrer Liga in die Pfanne, um doch noch irgendwie in den Genuss von Weltranglistenpunkten zu kommen, die Vorgänger Greg Norman den abgeworbenen Spielern versprochen hat – nun ist’s auch wieder nicht recht. Von den fünf Milliarden Dollar gar nicht zu reden, die Saudi-Arabiens Staatsfonds PIF in das Golf-Konstrukt investiert hat. Und dann laufen die Leute weg.
Klar, dass alle Welt jetzt wieder die Spekulationen aus dem Nähkästchen holt, was DeChambeau wohl nach dieser Saison macht. Schon seine barsch-knappe Anmerkung zum Returning Member Program der PGA Tour gab zu denken: „Ich habe einen Vertrag bis 2026 und freue mich sehr auf dieses Jahr. Danach sehen wir weiter.“ Liebeserklärungen gehen anders.
Alles richtig gemacht, Brian Rolapp!
Bei der PGA Tour feiern sie schon wieder – wie in Villabajo, dem Oberdorf. Bei der WM Phoenix Open geht es rund ums Party-Loch aka Bahn 16 neuerdings vierstöckig zu. Der Coup mit Koepka ist voll aufgegangen, er war in Torrey Pines auf allen Kanälen, gab artig Interviews und zeigte sich dankbar, fast gerührt über die generell sehr freundliche Aufnahme im Kreis der Kollegen, von denen er viele Jüngere noch gar nicht kannte.
„Welchen Präzedenzfall schafft man damit für zukünftige Spieler, wenn ich zu einer rivalisierenden Tour wechseln, bezahlt werden und nun scheinbar ohne größere Konsequenzen wieder zurückkommen kann? So toll es ist, gegen die besten Spieler der Welt anzutrete, und so gern ich das tue: Das bringt die Tour in eine schwierige Lage."
Viktor Hovland
Überhaupt gab sich der 35-Jährige lammfromm und gar nicht mehr so kantig wie von früher gewohnt, hingegen sichtlich um Wiedergutmachung und Integration bemüht. Alles richtig gemacht, Brian Rolapp! Da fallen die Mosereien von Hideki Matsuyama, Wyndham Clark und ganz aktuell von Viktor Hovland kaum bis gar nicht ins Gewicht. Wenngleich Rolapp bei der „Farmers“ ständig auf der Driving Range von Torrey Pines unterwegs war und zwischen den Spielern umherwanderte, um mit jedem zu sprechen, der gehört werden wollte.
Sieh dir diesen Beitrag auf Instagram an
In Ponte Vedra Beach weht ein neuer Wind
Die breite Mehrheit der Mitglieder steht sowieso hinter der Entscheidung, ob sie gefragt wurde oder nicht. Wer will auch schon gegen Tiger Woods aufbegehren, den Strippenzieher hinter den Kulissen von Ponte Vedra Beach und wahren starken Mann bei der Tour? Ihn rief Koepka an, als die Freistellung von LIV bestätigt war, übrigens von PIF-Chef und damit Eigentümervertreter Al-Rumayyan persönlich. Der GOAT hat dann alles Weitere eingefädelt und durch die Tour-Gremien geboxt.
Das soll Rolapps Verdienste keineswegs mindern. Die Causa Koepka belegt den neuen Wind, der in Ponte Vedra Beach weht. Rolapp agiert – mit dem Flankenschutz des Tigers –, wo Vorgänger Jay Monahan nur reagiert hat.
Für Einschaltzahlen braucht es Stars
Laut Woods war das Returning Member Program seit vergangenem Sommer in der Schublade, bereit für den Fall der Fälle, den Koepka schließlich lieferte. Rolapp kommt aus der National Football League (NFL). „Mich begeistern keine Teams, sondern nur TV-Quoten“, soll er schon seinerzeit gesagt haben. Das gilt im American Football wie im Golfsport. Für Einschaltzahlen braucht es Stars.
Deswegen hat er direkt beim Tour-Einstand im August 2025 klargemacht: „Wir werden die Tradition ehren, aber wir werden uns nicht übermäßig davon einschränken lassen.“ Deswegen gibt es das Returning Member Program. Es zielte auf Koepka, DeChambeau und Jon Rahm. Cameron Smith wäre eine Dreingabe gewesen. Seit vergangenen Montag (2. Februar) ist es laut Rolapp abgelaufen. „Es gibt keine Garantie dafür, dass sich diese Tür wieder öffnen wird“, hat er im „Klappentext“ geschrieben. Mal abwarten, was passiert, wenn DeChambeau Anfang nächsten Jahres anklopfen sollte …
Thinking out of the box
Rolapp stellt Fragen. Warum werden Dinge gemacht, wie sie gemacht werden? Der neue CEO ist nicht in den Korridoren des Golfestablishments groß geworden und daher frei von Seilschaften und Verpflichtungen. Das kann ungemütlich sein, aber von Vorteil: Thinking out of the box. Immerhin wurde Rolapp nicht geholt, um die Tour zu erhalten, wie sie vor 2022 war. Ein Großteil des Erfolgs von LIV war den jedem schon seit langem offenkundigen Lücken in der Struktur der PGA Tour geschuldet. Mit dem PIF hat endlich jemand das Geld, diese Verwundbarkeit auszunutzen – und im Revanchisten Greg Norman einen willigen Ausführungsgehilfen.
Brian Rolapp ist angetreten, die bestmögliche PGA Tour zu schaffen, und nutzt die Schwachstellen für grundlegende Reformen. Siehe den verdichteten Kalender von Top-Turnieren ab 2027 – nach dem Super Bowl, wenn sich Golf nicht mehr das Publikumsinteresse mit der National Football League teilen muss.
„Rolapp zeigt, wie er die Tour gern führen würde“
Kurz: Es gibt eine signifikante Veränderung in der Art und Weise, wie die Tour funktioniert. Adam Scott beispielsweise nennt es eine Verschiebung der Machtverhältnisse. „Als Vorstandsmitglied habe ich einen etwas besseren Einblick“, so der Australier. „Und ich würde sagen, dass Brian sicherlich schon einiges optimiert hat. Er ist gekommen, hat beobachtet und zeigt nun, wie er die Tour gern führen würde.“
Wer hätte noch vor einem Jahr gedacht, dass sich die Verhältnisse im Profigolf der Männer so schnell wieder ändern? Diametral sozusagen. Was Wunder, dass vom Rahmenabkommen mit dem PIF keine Rede mehr ist. Die PGA Tour hat null und gar kein Interesse an „fremden Bettgesellen“. Und sie hat gerade richtig Oberwasser.