Der Golfverbund – Heilsbringer oder Totengräber der Golfindustrie?
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Der Golfverbund – Heilsbringer oder Totengräber der Golfindustrie?

Das Phänomen "Golfverbund": Für Golfer bedeuten sie mehr Fairway zu gleichem Preis. Für den Golfmarkt ist die Bedeutung nicht ganz so eindeutig.

Das Spiel von Licht und Schatten erschwert die Sicht. Ein Blick auf die Golfverbund-Landschaft. (Foto: Getty)
Das Spiel von Licht und Schatten erschwert die Sicht. Ein Blick auf die Golfverbund-Landschaft. (Foto: Getty)

Es ist ein Phänomen: fast jeder Golfclub ist heute Teil irgendeines Verbundes, der es seinen Mitgliedern ermöglicht günstiger oder umsonst auf mehreren Golfplätzen zu spielen. Was zuvor vor allem durch isolierte Greenfee-Abkommen bilateral zwischen einzelnen Anlagen in der Umgebung oder in Urlaubsregionen geboten wurde, ist heute vielerorts in eine multilaterale Struktur überführt. Diese Verbünde werden national und international als selbständige Gesellschaft betrieben und vermarkten sich als Dachorganisation.

Golfverbünde gibt es in Deutschland bisher vor allem regional. Als von Greenfee-Abkommen weiterentwickelte Kooperationen, werden diese Regionalverbünde zumeist von den Golfclubs nebenher mitbetrieben. "500 Prozent Golf" im Raum Nürnberg wird vom Golfpark Rothenburg- Schönbronn geführt und die "Golf Alliance" in der Region Köln, Bonn, Rhein-Sieg und Euskirchen wird von der WWH KölnPublicGolf GmbH betrieben, die auch die Anlage von KölnGolf leitet.

Regionale, nationale und internationale Verbünde

Auf nationaler Ebene operiert "Mein Golfclub". Dieser rasch wachsende Golfverbund ist mit derzeit 39 Clubs (November 2019) zwischen Flensburg und Schwarzwald der größte Deutschlands. Im Unterschied zu den Regionalverbünden führt hier eine selbständige Betreibergesellschaft das Geschäft der Dachorganisation. Die einzelnen Golfplätze behalten dabei ihre betriebliche Selbständigkeit. Dieses Modell wird auf internationaler Ebene von "Pacific Links International" angewandt. Das kanadische Unternehmen ist eine Dachorganisation unter der sich weltweit 488 Golfclubs sammeln.

"Pacific Links International" hat als Betreibergesellschaft von zehn Golfplätzen in den USA 2012 mit seiner Arbeit begonnen und relativ schnell ein Netzwerk aufgebaut, dass 2014 bereits auf rund 100 Plätze zurückgreifen konnte. Die Gesellschaft ist also ein Verbund in doppeltem Sinne. In der beschriebenen Funktion einer Dachorganisation und in der Funktion einer Betreibergesellschaft mehrerer Golfanlagen.

Während Golfclubs im Verbund unter einer Dachorganisation ihre betriebliche Selbständigkeit behalten, werden die einzelnen Golfclubs von der Betriebsgesellschaft zentral geführt. Die einzelnen Clubs können dabei in der Betreibergesellschaft aufgehen. In Deutschland verfolgt "Golf Absolute" der Golfanlagen Weiland GmbH mit elf Anlagen im Großraum Mannheim diesen Ansatz, den das Unternehmen "Rotationsgolf" nennt.



Spielerpool und Marketing erweitern

Die Vernetzung als Chance zu begreifen fällt nicht schwer, wenn man sich vor Augen hält, dass Gebühren-Dumping allein keinen Golfplatz fit für die Zukunft macht. Es gibt eine deutliche Tendenz zu "Pay and Play"-Angeboten. Golfer treten immer seltener in die Vereine ein. Stattdessen werden Golfplätze gegen Greenfee genutzt, oder flexible Modelle abgeschlossen, die nicht zwingend zu einer Mitgliedschaft im DGV führen. Der Deutsche Golf Verband schrumpfte daher 2018 minimal. Die zahlen für 2019 sind noch nicht veröffentlicht. Vor dem Hintergrund eines weitgehend geschlossenen Nachfragesystems ist es daher nachvollziebar, dass umgedacht wird und anstatt den Preis weiter zu drücken, das Abgebot ausgebaut wird. Insofern steckt heilsbringendes Potential in dem Konzept, das die Rabattspirale auf dem Golfmarkt durchbrechen könnte.

Für Betreiber liegt der Mehrwert auf der Hand. Durch Verbünde wächst der potentielle Spielerpool. Die "Golf Alliance" zählt rund 4.000, "Golf Absolute" rund 7.000 (2009), "Mein Golfclub" rund 15.000 und "Pacific Links International" über 150.000 potentielle Spieler, auf die auch in Sachen Marketing zurückgegriffen werden kann. Für Golfer steigt die Attraktivität der Mitgliedschaft in einer Golfanlage, die an einen Verbund angeschlossen ist, durch die ausgeweiteten Spielmöglichkeiten.

Dennoch hat das Konzept Kritiker. Vor allem wird Betreibergesellschaften mehrerer Golfanlagen vorgeworfen, sie würden den Markt verzerren: "Das sind die Totengräber der Golfindustrie, die bankrotte Anlagen kaufen und weiterbetreiben in dem sie an manchen Stellen draufzahlen", meint Dr. Georg Breisach, Präsident und Geschäftsführer des GC Schloß Frauenthal. Durch den Betrieb mehrerer Golfanlagen entstünde der Vorteil, dass Defizite einer Anlage durch die Profite einer anderen ausgeglichen werden können. Einzelne konkurrierende Golfclubs, die sich bei gleichen Bedingungen eigentlich behaupten würden, kämen dadurch in Schwierigkeiten. "Ein ökonomisches Gesundschrumpfen findet nicht statt, obwohl die Zahlen dazu führen müssten", so Breisach weiter. Ob der kritisierte Defizitsausgleich nicht vielleicht auch als Teil der Marktbereinigung zu verstehen ist, bleibt dahingestellt. "Golf Absolute" der Golfanlagen Weiland GmbH war zu einer diesbezüglichen Stellungnahme nicht bereit.

So wird bei den Betreibern des einen Freud‘ zu des anderen Leid. Und eine wie auch immer geartete Marktbereinigung, kennt immer Verlierer. Die Stärkeren werden überleben. Offen bleibt aber die Frage, ob die Gewinner auch diejenigen mit dem besten Produkt sein werden.