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Royal Portrush – die nordirische British-Open-Ausnahme

Nach 68 Jahren kehrt die British Open zurück nach Nordirland, nachdem sie bis dahin überhaupt erst ein einziges Mal - 1951 - das Kernland verlassen hatte.

Der Royal Portrush Golf Club von oben. (Bildquelle: Royal Portrush)
Der Royal Portrush Golf Club von oben. (Bildquelle: Royal Portrush)

In den zurückliegenden 147 Austragungen seit dem Beginn dieses historischen Majors im Jahre 1860 bildete der Royal Portrush Golf Club die Ausnahme im sonst unausweichlichen Ritual, dass eine British Open in Schottland oder England stattzufinden hat.

Ein Grund für diese Sonderstellung des Dunluce Links ist sicherlich, dass er als einer der anspruchsvollsten und spektakulärsten Links Kurse der Welt gilt. Der Golfplatz gilt als eines der herausragenden Meisterwerke des berühmten englischen Golfarchitekten Harry Colt. Er schuf hier an der Nordküste Nordirlands eine atemberaubende Golflandschaft mit faszinierenden Blicken auf die Kliffküste und die Ruine von Dunluce Castle.

Änderungen im Stile einer British Open

Der Golfplatz hat im Zuge der Vorbereitung auf die 148. British Open markante Veränderungen erfahren. Um den Anforderungen eines modernen Open-Platzes gerecht zu werden, begannen im November 2015 unter der Leitung des Golfarchitekten Martin Ebert die Bauarbeiten am Platz. In den folgenden 18 Monaten ließ der „Open Doctor“ aus dem Design-Büro Mackenzie & Ebert Umgestaltungen an fünf Grüns vornehmen und legte acht neue Abschläge und zehn neue Bunker an, um die Hindernisse in passende Landezonen entsprechend der heutigen Schlagweiten der Topspieler zu platzieren. Die einschneidendste Änderung war aber die Anlage von zwei gänzlich neuen, phantastisch modellierten Spielbahnen, die aus dem Gelände des Nachbarplatzes heraus geschnitten wurden.


Bahn 7 und Bahn 8 neu designed

Die ersten sechs Löcher blieben unverändert, einschließlich des Signature Holes 5, einem abwärts verlaufenden Dogleg Par-4 mit einer atemberaubenden Aussicht vom erhöht gelegenen Tee und einem gefährlichen 'Infinity Green' unmittelbar vor der Steilküste. Das siebte und achte Loch sind die neuen Bahnen, die sich genial in die übrigen 16 Löcher einfügen. Bahn 7 ist ein 590 Yards langes Par-5, das sich durch einige epische Dünen schlängelt, und der erhöhte Abschlag wird durch den "Big Nellie"-Bunker zusätzlich erschwert. Dieser gigantische Bunker ist eine Rekonstruktion des berühmten Bunkers der nun aufgegebenen 17. Bahn. "Das Loch ist visuell spektakulär und optisch einschüchternd", urteilte Rory McIlroy.

Das neue achte Loch ist ein anspruchsvolles Dogleg nach links, das die Spieler zwingt, über die Dünen auf ein schmales, schräges Fairway zu driven. Dort erwartet die Spieler dann eines der denkwürdigsten Grüns von Portrush, mit einer riesigen 'False Front', die zusammen mit dem dort herrschenden Wind verheerende Scores hervorbringen kann. Was das ursprüngliche siebte Loch war, spielt sich jetzt als das neunte Loch, und dann nimmt der Kurs von dort aus wieder Fahrt auf, wie er es immer tat. Ein Labyrinth aus neuen unterirdischen Tunneln wird den Spielern helfen, sich nahtlos von einigen Grüns zu den folgenden Tees zu bewegen. Das bedeutet, dass das berühmte Par-3 mit dem Spitznamen Calamity - mit einem über 200 Meter langen Schlag, der größtenteils über einen gähnenden Abgrund in den Dünen führt - jetzt als 16. Bahn gespielt wird.

"Es ist wie ein Juwel, das poliert wurde"

Wenn es vor dem Platzumbau eine pingelige Kritik an dem alten Royal Portrush gab, dann war es, dass die letzten beiden Löcher die Dünen verließen, um über flacheres, langweiligeres Terrain zu verlaufen. Es war ein unrühmliches Finish für einen Links Course, der im Übrigen den Vergleich mit keinem der anderen Plätze der Open Rota zu scheuen braucht, ganz im Gegenteil! Jetzt hat Portrush das starke Finish, das es verdient, mit dem ursprünglichen 15. Loch als dem neuen 17. Dieses 370 m lange Par 4 erfordert einen blinden Abschlag über die Dünen auf ein abfallendes Fairway, wodurch das Grün potenziell drivebar wird. Das Schlussloch ist ein 425 Meter langes Par 4, das sich nach rechts um einige urwüchsige Dünen windet, mit drohendem Out-of-Bounds entlang der linken Bahnseite. Wenn hier am Schlusstag die Meisterschaft auf dem Spiel steht, wird es spannend zu sehen sein, wie sehr die Spieler es wagen werden, das Dogleg abzukürzen.

"Ich mag alle Änderungen", bemerkte Darren Clarke zu seinem Heimatplatz. "Es ist wie ein Juwel, das poliert wurde."

(Text: Christoph Städler/ Städler Golf Courses)

Christoph Städler ist seit Mai 2019 Präsident des europäischen Verbandes der Golfplatzarchitekten. Er selbst ist der wohl bekannteste deutsche Golfplatzarchitekt und amtierender deutscher Amateurmeister der Altersklasse über 65.